27.01.2010

Abfallmanagement von Anfang an

In der industrialisierten Welt landet immer mehr Essen im Müll. Das muss nicht sein: Bewusstes Einkaufen und die richtige Lagerung sowie Restl-Kochen schonen Umwelt und das Geldbörsel.

Originalverpackte Lebensmittel machen in Österreich rund 9 % des Restmülls aus. Hinzu kommen bis zu 6 % an Speiseresten, die im Restmüll zu finden sind. Ein erheblicher Anteil des Müllberges, der allein in Niederösterreich mit 28 000 t ins Gewicht fällt. Dabei können Ernährungsabfälle durch einfache Tricks reduziert werden: In einem kürzlich beendeten niederösterreichischen Pilotprojekt mit Abfallberatern um stolze 11 %.

An der Umsetzung happert's

Warum Lebensmittel im Haushalt übrig bleiben, lässt sich nicht auf einen Nenner bringen: Laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Abfallwirtschaft der BOKU an 928 Haushalten werden "zu große Packungsgrößen" und die Tatsache, dass "Kinder nicht aufessen", am häufigsten genannt. Dass "beide oder mehrere Haushaltsmitglieder einkaufen, ohne sich abzusprechen" kommt dagegen nur äußerst selten vor.
Die Motive, warum noch originalverpackte, nur teilweise verbrauchte oder andere Lebensmittel im Haushalt weggeworfen werden, gehen aber über die genannten hinaus. Denn ausschlaggebend, wie eingekauft und entsorgt wird, ist ein Zusammenspiel aus Alter, Ausbildung und der persönlichen Wertehaltung. 16- bis 34-Jährige im Arbeitsleben tendieren etwa dazu, mehr wegzuwerfen als Pensionisten. Diese sind finanziell eingeschränkter und haben eine stärkere emotionale Bindung zu Nahrungsmitteln, da sie Lebensmittelknappheit während und nach dem Krieg miterlebt haben. Höher gebildete Personen scheinen größere Schwierigkeiten beim Vorraten der Lebensmittel zu haben als Personen mit niedrigem Einkommen. Dies könnte daran liegen, dass sie durch das höhere Einkommen öfter auswärts essen und die gekauften Lebensmittel nicht verwenden. Beim Einkauf selbst sind zudem situative Faktoren wie Sonderangebote und Gerüche häufig am Entscheidungsprozess beteiligt.

„Waste management" wird klein geschrieben

Die Menge an Lebensmitteln, die in Österreich am Müll landen, wird von den Briten übertroffen: Eine Studie der britischen Lebensmittelbehörde Food Standards Agency (FSA) ergab, dass britische Haushalte etwa 19 % ihrer insgesamt eingekauften Lebensmittel wegwerfen. Noch nachdenklicher macht folgendes Faktum: Von den vermeidbaren Lebensmittelabfällen haben rund 8 % am Tag der Entsorgung das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht erreicht. Durchschnittlich werfen die Briten rund 70 kg an Lebensmitteln pro Jahr weg, die eigentlich gegessen hätten werden können.

Klug geplant ist halb gewonnen

Um von vornherein schon Ernährungsabfall zu vermeiden sowie effizienter und budgetbewusster einzukaufen, bietet sich die altbewährte Einkaufsliste an. Denn hält man sich an sie, dann kauft man auch nur das, was gebraucht wird. Um unnötige Wege einzusparen, hilft es, die Produkte Gruppen zusammenzufassen, wie sie im Supermarkt angeboten werden (z. B. Obst, Milchprodukte, Tiefkühlprodukte, ...).
Außerdem fällt die Kontrolle über das Einkaufswagerl leichter, wenn man sich der beeinflussenden Faktoren bewusst ist: Bei Stress, Hunger und Müdigkeit wird leicht vorschnell gehandelt. Zudem ändern quengelnde Kinder und nervöse Begleitpersonen das geplante Einkaufsschema.

Informationsdefizit

Neben einem augenscheinlich mangelhaft geplanten Einkauf und der tatsächlichen Verwendung der Lebensmittel zeichnet sich ein gewisses Informationsdefizit ab. Eine Umfrage der FSA ergab, dass nur ein Drittel der Befragten die auf Lebensmitteln angegebenen Datumsfristen „mindestens haltbar bis" und „zu verbrauchen bis" korrekt interpretieren können.
Auch die Untersuchungsteilnehmer der BOKU-Studie wünschen sich mehr Informationen, wie man die Genießbarkeit von Lebensmitteln feststellen kann. Zudem ist die richtige Lagerung ein heißes Eisen. Aufklärung ist also gefragt. Denn wer klug einkauft und richtig lagert, hilft der Umwelt und spart viel Geld. Die Artikel „Richtig kühl gelagert" und „Obst und Gemüse haben was auf Lager!" informieren, wie man Lebensmittel richtig aufbewahrt.

Tipps für die Brotlagerung:

  • Unverpacktes Brot kann in Kunststoffsackerln und gut verschließbaren Steingut- sowie Keramiktöpfen bei Zimmertemperatur und wenig Luftfeuchtigkeit gelagert werden.
  • Verpacktes Brot hält sich in der Originalverpackung am besten. Damit das Brot nicht austrocknet, sollte man es gleich wieder in die Verpackung einschlagen.
  • Frisch eingefrorenes Brot kann im Tiefkühlbeutel bei mindestens -18 °C zwischen ein bis drei Monate gelagert werden.

Um möglichst frische Lebensmittel zu erwerben, ist zu achten auf:

Unversehrte Verpackung

Die Verpackung schützt das Lebensmittel vom Verderb. Ist diese nur minimal beschädigt, können Bakterien eindringen und das Lebensmittel verderben. Besonders bei Fleisch, Fisch und Milchprodukten sollte man daher überprüfen, ob die Verpackung kleine Risse aufweist.

Fleisch und Fisch

  • Frisches rohes Rind- und Schweinefleisch ist hell- bis dunkelrot.
  • Hühnerfleisch sollte beim Kauf hell-beige bis gelblich-weiß sein.
  • Frisches Putenfleisch hat die Farbe von Schweinefleisch.
  • Grau-grünliche Verfärbungen bei Fleisch deuten hingegen darauf hin, dass der Verderb schon fortgeschritten ist.

Kühle Frische

  • Tiefgekühltes Gemüse soll beim Schütteln rascheln, dann wurde die Kühlkette nicht unterbrochen.
  • Fleisch und Geflügel sollten bei 0 bis 4 °C gelagert werden, rohe Eier halten sich optimal bei Temperaturen bis zu 8 °C.
  • Die Tiefkühlschranktemperatur sollte unter - 18 °C liegen.


Mindesthaltbarkeitsdatum

Die Mindesthaltbarkeitsangabe beschreibt den Zeitpunkt, bis zu dem das Lebensmittel seine typischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch, Konsistenz oder Farbe behält. Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist folgendermaßen angegeben:
„mindestens haltbar bis +Tag"
„mindestens haltbar bis Ende +Monat oder Jahr"
Viele Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bereits abgelaufen ist, sind oft noch einige Tage oder Wochen danach genießbar (z. B. Teigwaren oder Sauermilchprodukte). Hier lohnt es sich, die Lebensmittel zu testen und auf die Sinne zu vertrauen!
Bei sehr leicht verderblichen Waren wie Fisch, Fleisch, Faschiertem oder Rohmilch wird nicht das Mindesthaltbarkeitsdatum, sondern das Verbrauchsdatum angegeben:
„zu verbrauchen bis +Datum"

Wurde das Verbrauchsdatum überschritten, eignen sich die Produkte nicht mehr zum Verzehr! Folgende Lebensmittel müssen kein Mindesthaltbarkeitsdatum aufweisen: Frisches Obst und Gemüse; Backwaren, die innerhalb eines Tages verzehrt werden; Essig; Speisesalz; Zucker in fester Form; Zuckerwaren; Kaugummi; portioniertes Speiseeis und Getränke mit mindestens 10 %Vol Alkohol.

Wissenswert

Im Supermarkt lohnt es sich übrigens, tiefer hinten im Regal zu „fischen". Denn die neu eingetroffenen Lebensmittel werden generell hinten eingeordnet.

Heimreise

Gekühlte und tiefgefrorene Produkte sollten erst kurz vor dem Nachhausekommen eingekauft werden, damit sie möglichst schnell wieder im Kühlen landen. Im Sommer empfiehlt sich eine Kühlbox oder eine Kühltasche für den Transport. Zuhause angelangt, sollten die Lebensmittel so schnell wie möglich eingelagert werden. Denn wenn tiefgekühlte Lebensmittel auftauen, können sich schädliche Bakterien schneller vermehren.

Fazit

Wer seinen Einkauf plant und richtig lagert, minimiert nicht nur den Müllberg: Pro Jahr kann jeder Haushalt über 200 Euro sparen, wenn er einige Tipps in die Praxis umsetzt.

Buchtipps:

Jaros P: Das Nichts Wegwerfen Kochbuch. Parragon Verlag, Köln. ISBN 978-1407509297.
Rathmanner T, Ebenhöh K: Omas Bio-Küche. Kneipp Verlag, Wien. ISBN 978-3708804644.

Literatur

Schneider F, Lebersorger S: Untersuchung der Lebensmittel im Restmüll in einer oberösterreichischen Region. URL: http://www.land-oberoesterreich.gv.at/cps/rde/xbcr/SID-ABEF4D35-67AC76C9/ooe/US_lebensmittel_restmuell.pdf (Zugriff am 12.1.2010).

Schneider F: Lebensmittel im Abfall - mehr als eine technische Herausforderung. Ländlicher Raum (2008). URL: http://www.laendlicher-raum.at/filemanager/download/53418/ (Zugriff am 12.1.2010).

Food Standards Agency: Consumer Attitudes to Food Standards. Final Report 2005 (2006). URL: http://www.food.gov.uk/multimedia/pdfs/casuk05.pdf (Zugriff am 12.1.2010).

Die niederösterreichischen Abfallverbände: Weniger Lebensmittel im Müll. URL: http://www.abfallverband.at/ (Zugriff am 26.1.2010).

Agrarischer Informationsdienst (aid): Richtige Lagerung von Brot. URL: http://www.was-wir-essen.de/abisz/brot_zubereitung_lagerung.php (Zugriff am 12.1.2010).

Glanz R: Causes of food waste generation in households - an empirical analysis. MSc Thesis University of Natural Resources and Applied Life Sciences, Vienna and Cranfield University: 4-10 (2008).

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