08.02.2006

Antibakteriell beschichtete Kühlschränke: kein hygienischer Vorteil!

Antibakterielle Beschichtungen in Kühlschränken sind überflüssig. Sie bieten keinen zusätzlichen Vorteil beim Schutz vor Keimen, ersetzen weder die Reinigung noch die Beachtung allgemeiner hygienischer Regeln im Umgang mit Lebensmitteln. Das zeigt das Ergebnis einer Untersuchung des deutschen Bundesinstitutes für Risikoforschung (BfR).

Im Kühlschrank aufbewahrte Lebensmittel bleiben länger "frisch". Das funktioniert, weil viele Bakterien und Schimmelpilze bei Temperaturen unter 7 °C langsamer wachsen. Trotzdem vermehren sich die Keime. Bestimmte Bakterien und Schimmelpilze, so genannte psychrophile Mikroorganismen, wachsen unter kühlen Lagerungsbedingungen sogar besonders gut. Als Gegenmaßnahme gibt es seit einigen Jahren Kühlschranke, die mit antimikrobiellen Substanzen beschichtet sind. Sie sollen die Keimbelastung reduzieren. Versprechen solche Geräte Vorteile?

Hygienische Wirkung

Für die antimikrobielle Beschichtung der Kühlschränke werden in erster Linie Silberverbindungen eingesetzt. Die Wirkung beruht auf der Freisetzung von Silberionen. Ob deren Konzentration in der Innenverkleidung von Kühlschränken für eine effektive Desinfektion ausreicht, stellt nicht nur das BfR in Frage. Auch für die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist der positive Einfluss auf die Lebensmittelsicherheit in der Praxis bislang nicht belegt. Neben der Frage nach der Wirksamkeit stellt sich die Frage nach der Unbedenklichkeit der antibakteriellen Ausrüstung: Aus der Beschichtung könnten mehr Silberionen auf die im Kühlschrank aufbewahrten Lebensmittel übergehen, als aus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes wünschenswert wäre. Um dies zu verhindern hat die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit vorgeschlagen, den Übergang von Silber auf Lebensmittel auf 0,05 mg Silber/kg Lebensmittel zu begrenzen. Eine Untersuchung von 70 Lebensmittelbedarfsgegenständen zeigte, dass dieser Wert eingehalten wird. Keine Probe überschritt den Grenzwert von 0,05 mg Silber/kg Lebensmittel. In sechs Produkten wurde zwar nachgewiesen, dass Silber bzw. der Bakterienhemmer Triclosan ins Lebensmittel übergeht, jedoch in einer geringen Menge.
Wenn dieser Wert nicht überschritten wird, sind keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Verbraucher zu erwarten. Positive Auswirkungen sind derzeit wissenschaftlich nicht belegt.

Kein Nutzen

Grundsätzlich kann eine desinfizierende Wirkung nur auf gereinigten Oberflächen entfaltet werden. Daher ersetzen die mit Silberverbindungen behandelten Innenauskleidungen von Kühlschränken die Reinigung nicht. Bislang sind keine Studien verfügbar, die zeigen, dass solche Kühlschrankwände die Zahl der Lebensmittelinfektionen und -vergiftungen in Privathaushalten senken oder das Risiko der Erkrankungen beeinflussen. Das Grundproblem im privaten Haushalt und die Hauptursache für Lebensmittelinfektionen sind vielmehr mangelnde Kenntnisse über das persönliche Hygieneverhalten (z. B. Händewaschen) und den hygienischen Umgang mit Lebensmitteln. Tatsächlich bringt die Innenraumbeschichtung von Kühlschränken für den Verbraucher keinen Vorteil.

Putzen nicht erspart

Deshalb sollten auch Kühlschränke mit antibakterieller Innenraumbeschichtung regelmäßig gesäubert werden. Herkömmliche Reinigungsverfahren mit Wasser und geeigneten Reinigungsmitteln (Spülmittel oder Essigreiniger) und angemessener Oberflächenbehandlung (Bürsten, Reiben) reichen aus, um Verschmutzungen auf ein gesundheitlich unbedenkliches Maß zu reduzieren. Scheuermittel sind dafür nicht geeignet, da sie die Oberfläche zerkratzen und diese dann eine ideale Fläche für die Vermehrung von Keimen bildet.

Generell unnötig

Das BfR hält - über die Beschichtung von Kühlschränken hinaus -, den Einsatz von antibakteriell wirkenden Mitteln im Haushalt grundsätzlich für überflüssig, da sie den Verbraucher leicht in falscher Sicherheit wiegen können. Ein verbessertes persönliches Hygieneverhalten und ein entsprechender hygienischer Umgang mit Lebensmitteln nützen bei der Vermeidung von Lebensmittelinfektionen weitaus mehr als die Wirkung von antibakteriell ausgestatteten Bedarfsgegenständen.

Zu den wichtigsten Maßnahmen zum Schutz vor Lebensmittelinfektionen gehören:

  • die persönliche Hygiene (Händewaschen),
  • die Küchenhygiene,
  • v. a. der bewusste Umgang mit Haushaltsgegenständen für die Lebensmittelzubereitung (Schneidbrettern etc.),
  • die Reinigung der Haushaltsgegenstände,
  • und der richtige Umgang mit leicht verderblichen Lebensmitteln wie rohem Fisch, Fleisch- und Geflügelfleischprodukten sowie mit roheihaltigen Speisen.



Literatur

Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR): Antibakterielle Beschichtungen in Kühlschränken sind kein Ersatz für die regelmäßige Reinigung. Presseinformation 03/2006. www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2006/03/antibakterielle_beschichtungen_in_kuehlschraenken_sind_kein_ersatz_fuer_die_regelmaessige_reinigung-7283.html (Zugriff am 15.05.2014).

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Berichte zur Lebensmittelsicherheit 2007 - Bundesweiter Überwachungsplan. (2007).  

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