24.02.2011 von Nina Grötschl

Babys erstes Löffelchen: Österreichische Beikostempfehlungen

Im Kleinkindalter ist das Zeitfenster zur Gesundheitsprävention sperrangelweit offen. Die Beikostempfehlungen informieren praxisnahe über die neuesten ernährungswissenschaftlichen Erkenntnisse auf diesem Gebiet.

Was braucht das Baby nach dem Stillen? Was soll gefüttert werden und wann ist es bereit für das erste Löffelchen? Eltern erhalten auf diese Fragen oft widersprüchliche Antworten aus Ernährungsratgebern und dem familiären Erfahrungsschatz. Ernährungs- und Gesundheitsexperten haben nun im Rahmen des Projekts "Richtig essen von Anfang an" einheitliche und wissenschaftlich aktuelle Informationen zur Einführung von fester Nahrung erarbeitet. Dazu wurden die Empfehlungen von 60 internationalen und nationalen Gesellschaften und Institutionen gegenübergestellt und Experten auf diesem Gebiet konsultiert.
Das Projekt "Richtig essen von Anfang an!" wurde von der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger ins Leben gerufen, die mit weiteren Partnern in ganz Österreich kooperieren.

Individuelle Entwicklung

Säuglinge und Kleinkinder machen unterschiedlich große Entwicklungssprünge. Manche interessieren sich früh für neue Gerüche und Aromen, andere kommen erst später auf die Vielfalt des Geschmacks. So individuell wie die Entwicklung sollte auch die Beikosteinführung sein. Mit der Reifetabelle können Eltern die Entwicklungsstadien ihres Sprosses verfolgen und besser auf ihre Bedürfnisse eingehen. Ob das Kind reif für die Beikost ist, erkennt man etwa daran, wenn das Kleinkind den Löffel erkennt, Interesse am Essen Anderer zeigt und die Nahrung nicht mehr ausspuckt. Ein weiteres Beikost-Signal ist, wenn das Baby mit kleiner Unterstützung aufrecht sitzen kann. Treffen die Anzeichen zu, kann neben der Muttermilch oder der Säuglingsanfangsnahrung fein pürierte Nahrung gefüttert werden.
Empfohlen wird, zwischen Beginn des fünften (17. Woche) und Ende des sechsten Lebensmonats (26. Woche) mit der Beikosteinführung zu beginnen. Denn etwa ab dem sechsten Monat kann der Energie- und Nährstoffbedarf des Säuglings nicht mehr über die Muttermilch oder die Säuglingsanfangsnahrung alleine gedeckt werden. Auch wenn das Baby Beikost bekommt, ist das Weiterstillen gut, so lange das von Mutter und Baby gewünscht wird. Dies kann Allergien vorbeugen. Empfehlungen zur Dauer des Weiterstillens werden keine genannt, da sich die Experten hierzu nicht einigen konnten.

Schritt für Schritt

In welcher Reihenfolge bestimmte Nahrungsmittel dem Beikost-Speiseplan nach und nach eingeführt werden, spielt keine Rolle. Rotes Fleisch, Getreide und Hülsenfrüchte sollten jedoch auf jeden Fall mit am Teller sein. Diese Lebensmittel sind gute Quellen für jene Mineralstoffe, die im Kleinkindalter viel bewirken: Eisen und Zink. Ausreichend zugeführt, fördern sie die Entwicklung des Sehens, des Gehirns und der motorischen Fähigkeiten. Kombiniert mit Vitamin C-reichem Gemüse wie Fenchel oder Beeren nimmt der Körper das Eisen leichter auf.
Zu Beginn der Beikosteinführung reichen zwei bis drei Teelöffel gedünstete, fein pürierte Speisen aus Fleisch, Obst und Gemüse aus. Bis zum Ende des ersten Lebensjahres sollte das Baby dann den Mahlzeitenrhythmus der Familie übernommen haben und klein geschnittene Familienkost bekommen. Während ausschließlich gestillt wird, sind keine zusätzlichen Getränke nötig. Ab dem 10. Monat braucht ein Kind aber regelmäßig zwischen 800 ml und 1000 ml Flüssigkeit.

Auf Signale achten

Beim Füttern sind Geduld und eine gute Beobachtungsgabe gefragt. Denn Säuglinge sind von Natur aus kritisch gegenüber neuen Lebensmitteln und es kann dutzend Anläufe brauchen, bis ein neues Lebensmittel akzeptiert wird. Das ist normal. Wichtig ist, dass ein Kind nicht zum Essen gezwungen wird. Den Spagat zwischen zu viel und zu wenig füttern schafft man, wenn man die Hunger- und Sättigungssignale des Babys richtig deuten kann:

Hungersignale

Sättigungssignale

Erwartungsvolle Arm- und Beinbewegungen

Einschlafen

Öffnen des Mundes, wenn der Löffel angeboten wird

Während dem Essen wählerisch werden

Vorwärtsbewegungen des Kopfes, um den Löffel zu erreichen

Das Esstempo verlangsamen

Essen zum Mund führen

Löffel verweigern, wegschlagen

Anlachen und/oder Bestaunen der Bezugsperson während dem Füttern

Teller oder Speisen wegschieben

Weinen (unspezifisches Zeichen)

Mund verschließen, wenn der Löffel angeboten wird

Quelle: AGES (2010)

Trendumkehr bei allergenen Lebensmitteln

Wurde bisher von so genannten allergenen Lebensmitteln abgeraten, gilt dies nach dem neuesten Erkenntnisstand nicht mehr. Studien haben gezeigt, dass sich das Allergierisiko nicht erhöht, wenn man Fisch und Eier füttert - im Gegenteil. Der mit Fisch bereicherte Speiseplan kann im ersten Lebensjahr vor Allergien schützen. Denn durch den Kontakt mit kleinen Mengen stellt sich der Körper besser auf diese Lebensmittel ein. Gut eignen sich Saibling, Lachs und Forelle im ausreichend erhitzten Zustand, also 70-80 °C über zehn Minuten. Thunfisch, Hecht und andere Seefische sind möglicherweise schwermetallbelastet und sollten daher gemieden werden. Die Eier sollten auf jeden Fall hartgekocht sein. Auch fein geriebene und in Breie gemischte Nüsse und Erdnüsse haben im ersten Lebensjahr ihren Platz. Ihr Verzehr erhöht das Allergierisiko nicht.

Gleiches gilt für glutenhaltige Lebensmittel. Während des fünften und siebten Monats wird empfohlen, Gluten in kleinen Mengen aufzunehmen, maximal aber 7 g glutenhältiges Mehl pro Tag. Das entspricht zum Beispiel:

  • einer halben Scheibe Zwieback oder Brot (30 g), in Wasser aufgelöst und püriert oder
  • einem Esslöffel gekochte Teigwaren oder
  • einem Esslöffel Flocken

Die Österreichischen Beikostempfehlungen sind als Informationsbroschüre für Eltern in deutscher, türkischer und bosnisch/serbisch/kroatischer Sprache erhältlich. Zudem gibt es eine detailliertere Version mit Literaturangaben für Multiplikatoren. Beide Broschüren können unter richtigessenvonanfangan.at kostenlos heruntergeladen werden.


Mehr zum Thema:

In der ernährung heute 3_2010 beantwortet der Artikel "Tischlein deck dich" die auftauchenden Fragen auf dem Weg von Beikost über Fingerfood bis zum Familientisch.

Literatur

Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger: Richtig essen von Anfang an! Österreichische Beikostempfehlungen (2010).

Hitthaller A, Dieminger B, Meidlinger B, Bruckmüller M: Gegenüberstellung internationaler und nationaler Empfehlungen zur Beikost (2009). http://www.ages.at/uploads/media/Beikostguidelinegegenueberstellung_03.pdf (Zugriff am 8.2.2011).

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