05.08.2019 von Elisabeth Rudolph und Carina Kern

Besseres Diabetes-Management durch Sensoren

Spritzen, Nadeln und Streifen: Gespräche mit Diabetespatienten über frühere Behandlungsmethoden haben beinahe etwas Nostalgisches. Dank der Sensortechnologie gelingt die Blutzuckermessung heute völlig „unblutig“ und kann bequem über mobile Endgeräte gesteuert werden. Doch wie genau funktionieren die Messsysteme? Die Vor- und Nachteile auf einen Blick. 

Im Gegensatz zu früher ist heute eine engmaschige Blutzuckerkontrolle längst selbstverständlich. Was sich bei diesem Thema an Innovation getan hat, gleicht einem Quantensprung. Mit Hilfe der kontinuierlichen Glukosemessung kann der Glukosespiegel längst rund um die Uhr selbst überwacht werden. Denn durch die Sensortechnologie ist es möglich geworden mittels eines Transmitters auf der Haut die Blutzuckerdaten laufend über eine App auf das Smartphone oder die Smartwatch zu senden. Sobald Schwankungen registriert werden, schlägt der Sensor Alarm. In der Nacht ist das ein wahrer Segen. Schließlich müssen Diabetiker nun nicht mehr aufstehen, um per Nadelstich den Blutzucker zu messen. Zudem erhält man durch die Vielzahl an Daten wertvolle Einblicke in den Stoffwechsel, wodurch Therapien angepasst und Folgeschäden reduziert werden.
Zurzeit existieren zwei unterschiedliche Sensorsysteme, das Continuous Glucose-Monitoring (CGM) und das Flash-Glucose-Monitoring (FGM). Bei beiden Systemen wird der Zuckergehalt in der Zwischenzellflüssigkeit gemessen. Da dieser Wert dem Zuckergehalt im Blut jedoch um fünf bis zehn Minuten hinterher hinkt, kann diese Zeitverzögerung im Fall einer beginnenden Unterzuckerung problematisch sein. Daher ist für einen sicheren Einsatz und schnelles Handeln eine Einschulung für die Interpretation der Daten entscheidend. Eines ist jedoch zu bedenken: Fällt das Gerät unvorhersehbar aus, kann ein Ersatzgerät nur über den Hersteller selbst erworben werden. Daher sollten zur Sicherheit herkömmliche Teststreifen als Backup mitgeführt und stets zu Hause vorrätig sein.

Continuous Glucose-Monitoring (CGM)

Durch das CGM-System wird der Blutzuckerspiegel kontinuierlich überwacht. Hier wird vom Patient selbst mittels Setzhilfe ein Sensor in der Größe einer 2-Euro-Münze auf die Haut – meist am Oberarm – platziert, der den Zuckergehalt im Unterhautfettgewebe misst. Alternativ kann dieser auch in Form eines Implantats operativ eingesetzt werden. Da die Aktualisierung und Übertragung der Werte automatisch erfolgt, wird das System auch Real-Time-CGM-System (rtCGM) genannt. Der Sensor kann auch in Kombination mit einer Insulinpumpe verwendet werden, die über ein Infusionsset mit dem Körper verbunden ist. Die Insulinabgabe wird dabei Tag und Nacht an den Sensorwert angepasst. Bei kritischen Werten kann sie aktiv in die Insulinabgabe eingreifen. Im Fall einer nächtlichen Unterzuckerung wird die Insulinzufuhr gestoppt.

Flash-Glucose-Monitoring (FGM)

Wie auch beim CGM-System wird ein vom Hersteller geeichter Sensor mit Hilfe eines „Klebstoffs“ am Oberarm angebracht und bis zu 14 Tage an der gleichen Stelle auf der Haut belassen. Durch einen Transmitter im Pflaster des Sensors wird der Gewebezucker kontinuierlich zwischen den Körperzellen im Unterhautfettgewebe gemessen. Mit dem zugehörigen Lesegerät zum Scannen (Flash) lassen sich der Messwert, Glukoseverlauf und Kurventrend jederzeit manuell abrufen und am Smartphone abspeichern. Ein Pfeil zeigt außerdem an, ob der Gewebezucker steigt, sinkt oder stabil ist.

Fazit

Bei beiden Systemen wird der Zuckergehalt in der Zwischenzellflüssigkeit gemessen. Dieser Wert hinkt dem Zuckergehalt im Blut jedoch um fünf bis zehn Minuten hinterher. Problematisch wird diese Zeitverzögerung im Fall einer beginnenden Unterzuckerung. Ein Glukosewert im Gewebe von 100 mg/dl mit sinkender Tendenz bedeutet, dass der Zuckergehalt im Blut schon deutlich niedriger und es höchste Zeit zum Handeln ist. Daher werden Anwender der kontinuierlichen Glukosemessung regelmäßig geschult. Vor allem in der Übergangsphase empfiehlt sich den Blutzucker parallel mit konventionellen Messgeräten (Teststreifen, Stechhilfe) zu messen. Dabei lernen sie, Trendkurven zu interpretieren, auf Körpersignale rechtzeitig zu achten und adäquat zu reagieren. Welches der beiden Systeme geeignet ist hängt von den Vorlieben und Bedürfnissen des Patienten ab. Ein direkter Vergleich (Tabelle) im Vorfeld lohnt sich dennoch.

Die zwei Systeme im Vergleich:

System

Continuous Glucose-Monitoring (CGM)

Flash-Glucose-Monitoring (FGM)

Kalibrierung

Für eine Kalibrierung sind zwei Blutzuckermessungen pro Tag notwendig.

Aufgrund der werksseitigen Kalibrierung sind keine Messungen notwendig.

Datenaufzeichnung

Alle 5 Minuten wird automatisch ein neuer  Durchschnittswert der gemessenen Werte ermittelt und im Empfangsgerät angezeigt.

Werte werden zwar im Minutentakt aufgenommen, jedoch muss der Patient den Sensor aktiv mit einem Lesegerät scannen.

Alarmfunktion

Gerät schlägt bei niedrigen und hohen Werten Alarm.

Wenige Geräte sind serienmäßig mit Alarmfunktion ausgestattet.

Datenanzeige

- Detaillierte Anzeige von Trendpfeilen und Zukunftsprognose des Glukoseverlaufs für mind. 15 Minuten

- Verlauf der letzten 3, 6, 12 und 24 h einsehbar

- Anzeige von aktuellem Messwert und Trendpfeilen

- Verlauf der letzten 8 h einsehbar

 

Tragedauer

Die Tragedauer des selbst gesetzten Sensors beträgt zwischen sieben und zehn Tage. Danach muss er gewechselt werden.

Der Sensor muss alle 14 Tage erneuert werden.

Implantat

Kann als Implantat bis zu 180 Tagen getragen werden.

Nicht als Implantat erhältlich.

Sensorunterstütze Pumpentherapie (SUP)

In Kombination mit automatischer Insulinpumpe möglich.

Keine Kombination möglich.

Wartung des Infusionssets

Im Regelfall alle zwei bis drei Tage, um Infektionen vorzubeugen.

Entfällt

Wechselwirkungen

Mögliche Erhöhung der Messwerte, wenn gleichzeitig Paracetamol eingenommen wird.

Keine Berichte

Lesen Sie hier mehr zum Thema Digitalisierung in der Diabetestherapie.

Literatur

Monecke A. DiaDigital: App auf dem Prüfstand. www.diabetologie-online.de (Zugriff: 12.07.2019).

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Stellungnahme der AGDT zum Ersatz von Blutglukosemessungen durch Messungen mit Systemen zum kontinuierlichen real-time Glukosemonitoring (rtCGM) oder CGM mit intermittierendem Scannen (iscCGM). www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de (Zugriff 12.07.2019).

Gerlof H: Digitalisierung und rtCGM - Ärzte bleiben trotz Apps in der Diabetes-Versorgung die Entscheider. www.aerztezeitung.de (Zugriff 12.07.2019).

DiabSite: Digitalisierung in der Diabetestherapie. www.diabsite.de (Zugriff 12.07.2019).

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Wohin mit dem Sensor? www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de (Zugriff 13.07.2019).

Lorenz C: Moderne Insulintherapie. Supplement der Ernährung Umschau, Ausgabe 6, S. 41-45 (2019).

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