11.12.2014

Bewegung als Antidepressivum

Depressionen und Adipositas sind wie zwei wilde Pferde im Galopp - sie treiben sich gegenseitig voran. Sportliche Aktivitäten wirken beiden Krankheitsbildern entgegen und steigern das Wohlbefinden deutlich.

Eine Reihe von Untersuchungen zeigt, dass Menschen, die zu dick sind, auch ein höheres Risiko tragen, an Depressionen zu erkranken. Umgekehrt scheinen Menschen mit Depressionen eher Gefahr zu laufen, dick zu werden. Hinweise auf mögliche ursächliche Zusammenhänge lassen sich beispielsweise in der Metaanalyse von Luppino et al. finden. Dem Ergebnis zufolge erhöht eine bestehende Adipositas das Risiko für die Entwicklung einer Depression um 55 %. Andererseits steigern Depressionen das spätere Risiko für Adipositas um 58 %.

Eine mögliche Erklärung für die Entwicklung von Adipositas sind die bei Depressionen auftretenden Antriebsstörungen und eventuelle Nebeneffekte mancher Psychopharmaka. Umgekehrt gehen mit Adipositas oftmals Diätmisserfolge, Stigmatisierung, ein geringes Selbstwertgefühl und wenig Bewegung einher. Dabei trägt ausreichend Bewegung wesentlich zum Energieverbrauch bei und erhöht die Chancen auf Normalgewicht deutlich. Dass körperliche Aktivität auch für depressive Menschen ein Schlüsselfaktor sein kann, schlussfolgerten nun Forscher der Universität Bern bei der Zusammenfassung von Metaanalysen zum Thema Sport und Depressionen.

 

Wissenswert

Allein in den westlichen Industrienationen leidet mindestens jede zehnte Person im Verlauf ihres Lebens einmal an einer Depression. Adipös ist in Europa ebenfalls rund jeder Zehnte.

Serotonin steigern!

Sport erzielt laut den aktuellen Erkenntnissen teilweise die gleichen neurophysiologischen Veränderungen wie Antidepressiva. Ähnlich wie Medikamente zur Behandlung von Depressionen setzen körperliche Aktivtäten an der Serotoninaufnahmefähigkeit des Gehirns an. Sie verstärken die Epinephrinaktivität, sorgen für die Ausschüttung verschiedener Faktoren für das Zellwachstum im Gehirn und verhindern das Absterben von Zellen im Hippocampus. Zum Zelluntergang kommt es bei Depressionen, wenn hormonelle Regelkreise gestört sind und folglich die Kortisolkonzentrationen hoch sind. Sport und körperliche Aktivität reduzieren nicht nur die Aktivität des Stresshormons Kortisol, sondern führen auch zur Neubildung hippocampaler Nervenzellen und wirken damit teilweise ähnlich wie Psychopharmaka.

"Leider lassen die Metaanalysen keine Schlüsse zu, wie oft und wie lange wöchentlich Sport getrieben werden sollte", sagt Forscher Mirko Wegner. Ob und vor allem in welchem Ausmaß Sport und körperliche Aktivität also eine Ergänzung oder sogar Alternative zu Medikamenten bei leichten Depressionen sein können, muss noch untersucht werden. Angesichts der Kosten für Therapien und Medikamente wäre Sport jedoch eine günstige Alternative mit nur wenigen Nebenwirkungen...

Wissenswert

Die offiziellen Bewegungsempfehlungen lauten:  rund 150 Minuten in der Woche moderat bewegen oder 75 Minuten intensiv. Moderat heißt: man kann noch reden, aber nicht mehr singen!

Fazit

Körperliche Aktivität steuert einerseits der Entwicklung von Übergewicht und Adipositas entgegen und mindert so das Risiko für Depressionen, andererseits wirkt Sport selbst antidepressiv. Wie man es also dreht und wendet: Die Bedeutung von körperlicher Aktivität darf für die psychische und physische Gesundheit nicht unterschätzt werden!

Mehr zum Thema Depressionen lesen Sie in der ernährung heute 3/2011.

Literatur

Luppino FS et al.: Overweight, Obesity, and Depression: A Systematic Review and Meta-analysis of Longitudinal Studies. Arch Gen Psychiatry 67: 220-229 (2010).

Wegner, M., Helmich, I., Machado, S., Arias-Carrión, O., & Budde, H.: Effects of exercise on anxiety and depression disorders: Review of meta-analyses and neurobiological mechanisms. CNS & Neurological Disorders - Drug Targets, 13(6). doi: 10.2174/1871527313666140612102841 (2014).

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