13.11.2015

Bewusster Umgang mit Diabetes

Alle Österreicherinnen und Österreicher sollten ihre Werte und Risikofaktoren kennen, sagt die Österreichische Diabetes Gesellschaft. Und: Bewegung kann die Entstehung von Diabetes verzögern und den Verlauf positiv beeinflussen.

„Aufgrund des steigenden Lebensalters wird die Zahl der Betroffenen noch weiter ansteigen. Darum möchte die Österreichische Diabetes Gesellschaft darauf hinweisen, wie wichtig die Kenntnis der persönlichen Werte und Risikofaktoren ist - sowohl für jene die bereits eine Diabetesdiagnose haben, als auch für jene, die sich gar nicht bewusst über ihre Erkrankung oder ihr Erkrankungsrisiko sind.“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Thomas C. Wascher, Hanuschkrankenhaus, 1. Medizinische Abteilung, Vorsitzender der ÖDG.

Kenne Deine Werte! Kenne Dein Risiko!

Der Blutzuckerwert ist für Menschen mit der Diagnose Diabetes ein ständiger Begleiter. Das Wissen über die Höhe des Blutzuckers ist deswegen so essenziell, weil sie den Betroffenen Aufschluss darüber geben, wie die Nahrungsaufnahme, körperliche Aktivität und die medikamentöse Behandlung den Blutzucker beeinflussen. Die Ergebnisse der Selbstkontrolle helfen dem Patienten, mit der Erkrankung im täglichen Leben umzugehen. Sie sind aber nur eine „Momentaufnahme“.

Der HbA1c-Wert spiegelt die mittlere Blutzuckereinstellung während der letzten sechs bis acht Wochen wider. Er ist sozusagen das „Blutzuckergedächtnis“ und unabhängig von momentanen Blutzuckerschwankungen. Das ist ein guter Kontrollwert, um zu überprüfen, ob die Werte über einen längeren Zeitraum im angestrebten Bereich liegen. Jede Senkung des HbA1c-Spiegels erhöht die Chancen wesentlich, von Folgeerkrankungen länger verschont zu bleiben. Der HbA1c-Zielwert wird mit dem Arzt individuell besprochen und sollte unter 6,5% bzw. unter 7,5% liegen und der Blutdruck sollte geringer sein als 140/90 mmHg.

Neben einer guten Blutzucker- und Blutdruckeinstellung ist die Beobachtung des Fettstoffwechsels von großer Bedeutung. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf das LDL-Cholesterin gelegt. Als Therapieziel wird ein Wert von < 70 mg/dl angesehen, vor allem bei Hochrisikopatienten wie Diabetikern, die in der Vergangenheit Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten. Aber auch bei gesunden Menschen ist der LDL-Cholesterin-Wert regelmäßig zu kontrollieren. Genauso sollten alle auf ihr Gewicht und ihren Bauchumfang achten. Da diese Anzeichen für ein steigendes Diabetesrisiko sind.

Grenzwerte auf einen Blick:

LDL Cholesterin:
< 70 mg/dl bei Diabetes oder anderem Hochrisiko
< 100 mg/dl bei mittlerem Risiko
< 130 mg/dl bei niedrigem Risiko
Blutdruck:  < 140/90 mmHg
HbA1c:       zwischen < 6,5% und < 7,5%

„Wenn Diabetiker und Menschen mit einem hohen Diabetesrisiko ihre gesundheitsbezogenen Werte gut kennen, können sie selbst aktiv zu ihrer Gesundheit beitragen. Geht es um den Blutdruck, den Blutzuckerspiegel oder auch das Gewicht und den Bauchumfang, kann jeder und jede selbst sehr viel steuern und positiv verändern, und so zur Senkung von Risiken und Folgeerkrankungen beitragen. Das ist gelebtes Selbstmanagement eines mündigen Patienten“, betont Wascher.

Diabetes Typ 2 ist vermeidbar

Übergewicht gilt als besonders wichtiger Faktor bei Diabetes mellitus Typ 2: Durch den erhöhten Körperfettanteil sprechen die Körperzellen immer weniger auf das Insulin an (Insulinresistenz). Die Bauchspeicheldrüse produziert daraufhin mehr Insulin. In der ersten Zeit kann sie der Insulinresistenz zwar gut entgegenwirken (relativer Insulinmangel), nach einigen Jahren sind die Betazellen jedoch erschöpft, die Insulinproduktion versiegt. Zwar tragen auch genetische Faktoren zur Entwicklung des Typ 2 Diabetes bei, aber auch bei bestehender genetischer Veranlagung lässt sich durch einen gesunden Lebensstil die Erkrankung vermeiden.

Bewegung hilft in der Vorbeugung und Behandlung

Im Frühstadium lässt sich der Blutzucker durch einen gesunden Lebensstil und Gewichtsreduktion relativ einfach normalisieren. Eine Heilung in dem Sinne, dass die Krankheit vollkommen verschwindet, gibt es zwar nicht, die Werte lassen sich jedoch bis zum Normbereich senken. Ein besonders wichtigster Verbündeter ist dabei die regelmäßige Ausdauerbewegung. Sie kann sowohl die Insulinresistenz als auch das Herzkreislauf-Risiko senken. Mindestens 150 Minuten Ausdauertraining bei mittlerer oder 75 Minuten bei höherer Belastung und zusätzliche muskelkräftigende Übungen sind für einen gesundheitlichen Nutzen erforderlich.

Durch Ausdauertraining kommt es zur effizienteren Aufnahme und Verstoffwechslung von Glukose in der Muskelzelle. Krafttraining kann über einen zusätzlichen Glukosetransporter die Aufnahme in die Zelle verbessern und bewirkt durch Zunahme der Muskelmasse eine Steigerung des Grundumsatzes, verbunden mit einer positiven Beeinflussung der Gewichtsentwicklung.

Jeder Einzelne kann im Vorfeld etwas gegen Diabetes tun!

Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt demnach wie ein Medikament und ist zur Vorbeugung von Diabetes (auch als Teil der Behandlung) unverzichtbar. „Auch das Thema einer gesunden und ausgewogenen Ernährung ist von besonderer Bedeutung“, betont Prim Dr. Reinhold Pongratz, Ärztlicher Leiter der Steirischen Gebietskrankenkasse, die Wichtigkeit eines gesunden Lebensstils anlässlich der Buchpräsentation „Zeitbombe Zuckerkrankheit“.

Das Buch wird über relevante Versorgungseinrichtungen wie Diabetesambulatorien, Krankenhäusern, Selbsthilfegruppen verteilt und kann auch bei den Krankenversicherungsträgern kostenfrei bezogen werden.

Literatur

Presseaussendung des Hauptverbands der österr. Sozialversicherungsträger Volkskrankheit Diabetes: Zeitbombe Zuckerkrankheit: Neuer Ratgeber für Betroffene und Angehörige. Vom 12.11.2015.

Presseaussendung der Österreichischen Diabetesgesellschaft: Welt Diabetes Tag am 14. November 2015. Vom 13.11.2015.

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