24.06.2015 von Barbara Stadlmayr

Biene Maja in Gefahr?

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“ – so ein angebliches Zitat von Albert Einstein. Was ist dran an dieser Aussage? Wie bedeutend sind die Bienen für Umwelt und Mensch? Welche Produkte liefert das Bienenvolk?

Seit einigen Jahren sorgen die Bienen für Gesprächsstoff. Vor allem das Bienensterben ist in aller Munde. Im Zusammenhang mit dem Bienenrückgang wird auch die Gefahr für die Menschheit diskutiert. Warum? Bienen sind von immenser Bedeutung für unser Ökosystem und für unsere Ernährung, denn sie sorgen für die Bestäubung der meisten Wild- und Kulturpflanzen. Gemeinsam mit anderen Insekten wie Käfer, Fliegen und Schmetterlinge verantworten sie, dass sich rund 80 % der Blütenpflanzen vermehren. Neben Rindern und Schweinen zählt man die Bienen somit zu den wichtigsten Nutztieren. Schätzungen zufolge beträgt der jährliche, weltweite Wert der Bestäubung durch die Honigbienen für die menschliche Ernährung rund 153 Millionen Euro.

Wissenswert

Um die 30.000 Bienenarten sind weltweit bekannt. In Österreich gibt es neben den Honigbienen (Apis mellifera) rund 700 Wildbienenarten. Wildbienen werden im Gegensatz zu Honigbienen nicht nachgezüchtet. Wenn eine der 700 Arten verschwindet, kann man das nicht mehr rückgängig machen.

Was ist dran am Bienensterben?

Schwankungen in der Anzahl der Bienenvölker sowie Herausforderungen im Umgang mit dem Bienenrückgang gibt es seit eh und je. Die Ursache für den Bienenrückgang ist komplex und vielschichtig. Aufgrund von Monokulturen und immer weniger blühenden Wiesen verlieren die Bienen Nahrung und Lebensraum. Das wird als eine der Hauptursachen diskutiert. Zu den Feinden beziehungsweise möglichen Gefahren zählen aber auch Krankheiten und Parasiten wie die Varroa-Milbe, der Einsatz von Chemikalien und gentechnisch veränderte Organismen sowie die Klimaveränderung und der Rückgang der Bienenhaltung.

Laut Stephan Lorenz und Kerstin Stark, Autoren des Buches „Menschen und Bienen: Ein nachhaltiges Miteinander in Gefahr“, ist ein allgemeines Bienensterben jedoch nicht zu befürchten – zumindest nicht in absehbarer Zeit. Zudem kann man die Frage, ob ein Bienenrückgang für die menschliche Existenz bedrohlich ist, objektiv nicht feststellen. Dafür sind zuviele Einflussfaktoren miteinander verwoben. Fakt ist allerdings, dass Bienen wesentlich sind für unsere Nahrungssicherung und dass ein mögliches Bienensterben ökologische Gefahren mit sich bringt. Die Bienengefährdung sollte daher als reales Problem anerkannt und die genauen Ursachen sowie Zusammenhänge zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten genauer beleuchtet werden (siehe Buchtipp unten).

Was kann jeder Einzelne tun?

Vielfalt ist das Zauberwort: Pflanzen sind die Nahrung für die Bienen. Sei es das Blumenkistl am Balkontisch oder die blühenden Gärten und Wiesen. Generell gilt: Je mehr Pflanzen auf einer Fläche blühen, umso mehr Bienenbesucher.
Das gilt nicht nur für den ländlichen, sondern auch für den städtischen Raum. Die Städte bieten den Bienen einen bunten Speisezettel und die Diversität an Blüten ist in der Stadt sogar größer als am Land. Auch das Interesse an Imkern steigt im urbanen Raum und so bieten immer mehr Städte darunter New York, Paris, Berlin, aber auch Wien Bienen ein neues zu Hause, zum Beispiel auf dem Dach der Wiener Volks- und Staatsoper.

Produkte des Bienenvolkes

Das mit Abstand wichtigste Produkt der Honigbienen ist der Honig. Er ist weltweit in vielen Esskulturen bliebt und wurde bereits in der Steinzeit konsumiert.  Bereits vor 12000 Jahren wurde wilder Honig gesammelt. Das ist einer Höhlenmalerei aus der Gegend rund um Valencia in Spanien zu entnehmen. Und erstmals gehalten wurden Bienen vor circa 7000 Jahren in der Türkei. 
Wie entsteht Honig? Im ersten Schritt nehmen die Bienen Blütennektar, Pflanzensäfte oder Honigtau, eine zuckerreiche Absonderung von Blattläusen, auf. In weiterer Folge versetzen sie dieses Gemisch mit enzymhaltigen Sekreten und sammeln es in Waben. In diesem Gebilde aus Bienenwachs reift dann der Honig, bis er von den Imkern geerntet wird. Für 1 g Honig sind übrigens rund 8000 bis 10.000 Blütenbesuche notwendig. Umgerechnet bedeutet das: Das Lebenswerk einer Biene ist ein Teelöffel Honig!

Wissenswert

Frisch von der Wabe ist Honig klar und flüssig, im Lagerungsprozess kristallisiert Glukose und der Honig wird fester. Trocken gelagert und vor Licht geschützt ist Honig über ein Jahr gut haltbar. Will man ihn wieder verflüssigen, erhitzt man ihn im Wasserbad. Die Temperatur sollte aber 50 °C nicht überschreiten, weil sonst wertvolle Inhaltsstoffe wie Enzyme zerstört werden.

Honig besteht zu 70-80 % aus Zucker, vorwiegend Frucht- und Traubenzucker. Gut 20 % sind Wasser. Daneben enthält er geringe Mengen anderer Zuckerarten, Mineralstoffe, Spuren von Vitaminen, Eiweiße und Enzyme sowie zahlreiche Aromastoffe. Sein charakteristisches Aroma erhält er durch den Nektar und die Pollen von unterschiedlichen Blüten. Somit findet man neben Akazienhonig auch Orangen-, Lavendel- oder Löwenzahnhonig und viele andere mehr. Die Vielfalt spiegelt sich auch in den Farben, dem Aroma und der Konsistenz wider. Es gibt hellgelbe, sehr milde und dünnflüssige Honige über goldgelbe, aromatische und sehr dickflüssige bis hin zu grünschwarzen, sehr würzigen und zähflüssige Sorten.

Kann Honig Wunden heilen?

Laut aktuellem Stand der Wissenschaft trifft das möglicherweise zu: Honig versüßt also nicht nur Tee und Brot, er hat auch Potenzial, leichte Verbrennungen schneller zu heilen. Die heilende Wirkung des „Medihoney“ ist dabei auf mögliche antibakterielle Inhaltsstoffe zurückzuführen. Die Heilkraft für den Einsatz bei anderen Wunden ist allerdings nicht bewiesen.
In der Apitherapie behandeln Mediziner Patienten mit Erschöpfung, Appetitmangel und Gewichtsverlust durchaus erfolgreich mit  Honig, Pollen, Gelée Royale, Bienenwachs und Propolis.

Produkte aus dem Bienenvolk

ProduktEigenschaften
Honigsiehe oben
BlütenpollenPollen sind für die Bienen wichtigste Eiweißquellen. Für den Menschen sind die Pollen ein funktionelles Nahrungsmittel, dem viele therapeutische Wirkungen nachgesagt werden.
Propolis…auch Harz genannt. Ist eine klebrige Masse, die von Bienen auf Bäumen gesammelt wird. Es wird als Arzneimittel verwendet und besitzt antibakterielle sowie entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften.
Gelee royal…ist der Futtersaft, mit dem Bienen ihre Königinnen aufziehen, und kann auch als Lebensmittel für Menschen verwendet werden.
MetHonigwein
Bienenwachs…dient als Versiegelung für Schrifttafeln und für die Beleuchtung mit Kerzen. Wachs kommt auch in der Medizin zum Einsatz.

Buchtipp

 

Lorenz S, Stark K: Menschen und Bienen
Ein nachhaltiges Miteinander in Gefahr
oekom verlag München (2015)
246 Seiten, gebunden,
ISBN-13: 978-3-86581-713-6
Preis: € 30,80

Die Autoren Stephan Lorenz und Kerstin Stark beleuchten den Zusammenhang zwischen Biene und Mensch mit Beiträgen aus unterschiedlichen Disziplinen wie Ökologie, Soziologie und Politik. Dabei treffen Wissenschaft auf Praxis, Natur- auf Sozialwissenschaften, Agrar- auf Kulturwissenschaften und Industrie auf Naturschutz. Damit  wird den Lesenden eine ganzheitliche Perspektive ermöglicht und die Mannigfaltigkeit der Thematik aufgezeigt. Es geht um die Verbindung von Bienen und Menschen, den gesellschaftlichen Nutzen der Bienen sowie die Praxis der Bienenhaltung seit Jahrtausenden.

Mehr zum Thema finden Sie diese Woche (20. – 26. Juni 2015) auch, im ORF und auf Ö1 unter der Schwerpunktreihe: „Mutter Erde“ Summen Sammeln für die Bienen.

Literatur

Brockhaus: Ernährung – gesund essen, bewusst leben. Brockhaus Verlag, Gütersloh, 4. Auflage. (2011).

Lorenz S, Stark K: Menschen und Bienen Ein nachhaltiges Miteinander in Gefahr oekom verlag München (2015).

Medizin transparent: Honig zur Wundheilung? www.medizin-transparent.at/honig-zur-wundheilung (Zugriff 21.06.2015)

Petersen D: Natürliche Süße mit Charakter. UGB Forum  3(13): 1-3 (2013).    

www.muttererde.at/ (Zugriff 20.06.2015).

www.ages.at/themen/umwelt/bienen/honig-und-bienenprodukte/(Zugriff 20.06.2015).

 

 

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