16.12.2019 von Carina Kern

CBD: Allheilmittel oder Hype um nichts?

Hanf ist wieder in aller Munde. Während in vielen Ländern über eine generelle Legalisierung des Hanfkonsums debattiert wird, erobern Hanfprodukte hierzulande zunehmend die Regale. Doch die plötzliche Beliebtheit von Tees, Ölen und Co. sorgt bei den Konsumenten auch für Verwirrung. Wie wirken diese Produkte, wo liegt der Unterschied zum Jointrauchen und was ist legal?

Hanf (Cannabis sativa) zählt zu den ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt. Bis weit in das 20. Jahrhundert wurden die Fasern zur Herstellung von Segeltüchern, Seilen und Tauen verwendet. So bestritt bereits Christoph Kolumbus seine Seefahrten mit einem Segel aus Hanf. In Österreich wird Hanf seit 900 Jahren angebaut und auch heute noch in der Herstellung von Textilien, Zellstoffen sowie naturfaserverstärkten Kunststoffen für Dämmplatten eingesetzt. Als „Heilmittel“ sind die Blüten und Blätter des Hanf schon viel länger im Einsatz. Bereits 2700 v. Christus wurden sie im asiatischen Raum bei Rheuma, Gicht und Verstopfung verabreicht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Europa erstmals über die berauschende Wirkung und den Einsatz als leichtes Schlafmittel berichtet. Als Droge kam die Pflanze in den 1930er-Jahren in den USA in Verruf, als Harry J. Anslinger, der Chef des Federal Bureau of Narcotics (FBN), für ein generelles Verbot kämpfte. In den 1960er-Jahren wurde schließlich der medizinische Nutzen des Hanfwirkstoffes Tetrahydrocannabinol (THC) bekannt, welcher wegen seiner rauschauslösenden Eigenschaften unter das Suchtmittelgesetz fällt. Und mit der Hippiebewegung nahm auch der illegale Handel zu.

Seit wenigen Jahren floriert nun der Handel mit der Pflanze wieder. Diesmal stehen die nicht-berauschend wirkenden Inhaltsstoffe im Fokus. Ein bekanntes Beispiel dafür ist das Cannabidiol (CBD), welches als Öl legal erhältlich ist und vermehrt Lebensmitteln zugesetzt wird. Über dessen Einsatz und das In-Verkehr-Bringen von CBD-Produkten wird auf europäischer und nationaler Ebene jedoch stark diskutiert.   

Gutes aus dem Hanf

Auch in der Ernährung spielt Hanf eine vielfältige Rolle. Besonders nahrhaft sind seine Samen, die gepresst als Öl oder als Mehl gemahlen in Lebensmitteln verwendet werden können. Sie sind reich an Proteinen mit hoher biologischer Wertigkeit, ungesättigten Fettsäuren und Ballaststoffen, wenn die Samen ungeschält sind. Sie tragen zur Aufnahme von z. B. Thiamin, Magnesium und Folat bei. Die Gehalte können in geschälter und ungeschälter Form jedoch variieren. Das enthaltene Vitamin E wirkt antioxidativ und macht das Hanföl lange haltbar. Es besteht zu über 90 % aus ungesättigten, essenziellen Fettsäuren, hauptsächlich Linolsäure und α-Linolensäure. Daneben enthält Hanf auch pharmakologisch aktive Substanzen (Cannabinoide), die sich weitreichend voneinander unterscheiden.

CBD-Produkte wohin das Auge reicht

Bisher wurden mehr als 100 verschiedene natürliche Cannabinoide in der Hanfpflanze nachgewiesen. Sie können schmerzlindernd, entzündungshemmend und muskelentspannend wirken, aber auch dämpfende und psychotrope Eigenschaften haben. Medizinisch genutzt werden nur zwei: das berauschend wirkende Dronabinol (Tetrahydrocannabinol, THC) und Cannabidiol (CBD). Da CBD anders als THC keine betäubende oder psychotrope Wirkung besitzt, fällt es nicht unter das Suchtmittelgesetz, sondern unterliegt den gesetzlichen Regelungen für Nahrungsergänzungsmittel. In zahlreichen Internetforen und Blogs wird es als legale Alternative zu THC mit therapeutischer Wirkung gehandelt, weshalb Hanfprodukte aus CBD immer beliebter werden. Diese umfassen Hanfblüten, Hanf-Extrakt-Tinkturen und Extrakt-Öle mit unterschiedlichen CBD-Gehalten. Ebenso kann CBD in Kapseln, als Liquid für die E-Zigarette oder in kristalliner Form erworben werden. Die Hersteller bewerben ihre Produkte dabei als vollkommen „frei von THC“.

EU-Verordnung regelt Grenzwerte

In Europa rückt der Handel mit CBD nun mehr in den Fokus. Da die Blüten der Pflanze einen messbaren Gehalt an THC enthalten können, beschloss die Europäische Kommission strengere Regulierungen. Werden Cannabinoid-haltige Extrakte als solche oder in Lebensmitteln zugesetzt auf den Markt gebracht, gelten sie als neuartige Lebensmittel und unterstehen der EU-Verordnung 2015/2283 über "Novel Food". Laut Verordnung dürfen für die zum Verzehr gedachten Produkte nur Hanfvarianten verwendet werden, die einen THC-Gehalt von 0,3 % vor, während und nach dem Produktionsprozess nicht überschreiten. Da in Hanfblüten hohe Dosen THC zu erwarten sind, dürfen sie nicht in der Lebensmittelherstellung eingesetzt werden. Laut Europäischer Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) kommt es bis zu einer Höchstmenge von 1 µg THC/kg Körpergewicht pro Tag zu keinen Beeinträchtigungen. Diese Höchstmenge ist auch in der Empfehlung (EU) 2016/2115 der Europäischen Kommission festgehalten.

Bewertungskatalog in Deutschland ausgearbeitet

Das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlichte im März 2019 einen Fragen- und Antworten-Katalog zu Hanf, THC und CBD. Dieser regelt die Abgrenzung der Erzeugnisse als Lebensmittel, Arzneimittel oder Novel Food. Ebenso bietet er eine Einschätzung wie sie sich auf die Verkehrstüchtigkeit auswirken. Um Sicherheit zu garantieren, zieht Deutschland die Grenze für den Höchstwert an THC in Hanfprodukten bereits bei 0,2 %, Österreich orientiert sich am in der Novel-Food-Verordnung genannten Höchstwert von 0,3 %.

Der Katalog im Überblick

  • Hanf und das Cannabinoid THC fallen unter das Suchtmittelgesetz. Im Vergleich zu Hanfpflanzen sind in den Hanfsamen und den daraus hergestellten Produkten in der Regel keine Cannabinoide enthalten, weshalb sie zu den Lebensmitteln zählen.

  • Ausgeschlossen vom Suchtmittelgesetz sind Pflanzenteile, die aus zertifiziertem Saatgut stammen oder den THC-Gehalt von 0,2 % nicht überschreiten.

  • Erzeugnisse mit dem Inhaltsstoff CBD sind nicht gewöhnliche Lebensmittel und benötigen eine Arzneimittelzulassung oder einen Antrag auf neuartige Lebensmittel (Novel Food).

  • Als neuartig zählen auch cannabinoidhaltige Extrakte, die als Zutat eingesetzt werden. Durch den Zusatz von CBD zu Hanföl beispielsweise wird dieses somit zum neuartigen Lebensmittel.

Medizinische Forschung noch in den Kinderschuhen

In der Medizin werden Cannabinoide bei Krebserkrankungen und in der Geriatrie genutzt, da sie den Appetit anregen, Schmerzen reduzieren und somit die Lebensqualität von Pateinten steigern können. Warum Hanf den Appetit anregt, lesen Sie hier. Aktuell werden Cannabinoide auch in der Erforschung von Alzheimer und Parkinson untersucht.

Laut Österreichischer Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) ist derzeit nur ein Präparat mit Cannabis-Wirkstoffen zugelassen. Es enthält die Kombination aus THC und CBD und wird in der Therapie von Multipler Sklerose eingesetzt. Die Wirksamkeit und Sicherheit von CBD allein (ohne Kombination mit THC) wird momentan in klinischen Studien geprüft. Aktuell gibt es allerdings noch keine fundierten wissenschaftlichen Daten dazu. CBD selbst ist daher in Österreich (noch) nicht als Medikament zugelassen, jedoch als Nahrungsergänzungsmittel im Handel erhältlich.

Neuklassifizierung gefordert

Um den medizinischen Nutzen von Cannabis zu erleichtern, empfahl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen im Jänner 2019 eine Neuklassifizierung der Inhaltsstoffe THC und CBD. Die aktuelle Risikoeinstufung sei laut WHO nicht gerechtfertigt. Gleichzeitig erkannte die WHO den medizinischen Nutzen von Cannabis an. Auch empfiehlt sie, Cannabisblüten in die Liste der weniger gefährlichen Drogen aufzunehmen. Das Verschieben im Katalog des internationalen Drogenübereinkommens soll dabei nur die medizinische Anwendung betreffen und nicht die Einstufung zur Freizeitanwendung. Eine Entscheidung der UN-Suchtstoffkommission wird für 2020 erwartet.

Fazit

CBD-Produkte dürfen nur aus „Aromaprodukt“ beworben und verkauft werden. Händler dürfen daher keine Empfehlungen oder Angaben zu Wirkung und Dosierung geben. Auch wenn CBD-Produkte nach dem Suchtmittelgesetz erlaubt sind, dürfen sie den THC-Gehalt von 0,3 % nicht überschreiten. Wer mit dem Auto fährt, sollte daher bedenken, dass ein regelmäßiger Konsum zu erhöhten THC-Werten im Blut führen und die Verkehrsfähigkeit beeinträchtigen kann. Gestraft wird das Mitführen von CBD-Blüten jedoch nicht.

Literatur

Bertz H & Zürcher G: Ernährung in der Onkologie. Schattauer Verlag, Stuttgart (2014).

Birsbois TD et al.: Delta-9-tetrahydrocannabinol may palliate altered chemosensory perception in cancer patients: results of a randomized, double-blind, placebo-controlled pilot trial. Ann Oncol 22: 2086-93 (2011).

Blum D, Omlin A, Strasser F: Gewichts- und Appetitverlust bei Krebspatienten. Ars Medici 19: 799-802 (2009).

Bundesministerium für Gesundheit: Gesundheit und Krankheit der älteren Generation in Österreich (2012). (Zugriff am 23.04.2015).

Karl H,  Melzig F: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg (2010).

AGES: Fragen zu Hanf. www.ages.at (Zugriff 21.05.2019).

CBD Portal: Infos zur Wirkung von CBD (2019). www.cbd-info.info (Zugriff 21.05.2019).

Phil Zierler: CBD: Legale Marihuana Variante jetzt in Wien (2019). www.stadt-wien.at (Zugriff 21.05.2019).

Food-monitor: Ratgeber Lebensmittel - Wofür sind Hanfsamen in Lebensmitteln gut? (2019). www.food-monitor.de (Zugriff 21.05.2019).

Bundesministerium für Gesundheit: Verkaufsverbot von CBD-haltigen Lebensmitteln und Kosmetika-Verkaufsverbot von CBD-haltigen Lebensmitteln und Kosmetika. www.sozialministerium.at (Zugriff 21.05.2019).

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