05.11.2015 von Marlies Gruber

Das tägliche Glas Rotwein

Immer wieder hört man es: ein Achtel Rotwein am Tag tut der Herz-Kreislauf-Gesundheit gut. Was hat es damit auf sich? Und klappt das auch mit Weißwein oder Bier? Unterschiedliche Daten zeigen ganz klar: richtiger Umgang will gelernt sein. Nur kleine Mengen können mitunter der Gesundheit zuträglich sein. 

Die Südländer machen es schon seit Jahrhunderten vor: In Italien, Spanien, Frankreich, Portugal und Griechenland wird Wein täglich, aber in kleinen Mengen getrunken. Das sind alles Länder mit traditionellem Weinanbau und verankerter Genusskultur. Essen ist die Gelegenheit, um Alkohol zu trinken. Auch zu anderen bestimmten Anlässen ist er zugelassen. Ein Rausch aber ist verpönt. Der Süden Europas zählt damit zu den alkoholpermissiven Kulturen, in denen  Alkohol nur bei definierten Gelegenheiten erlaubt ist. Der tägliche Wein ist Bestandteil der mediterranen Ernährung – aber eben in überschaubaren Mengen.

Obwohl die Südländer also regelmäßig Alkohol trinken und gut und durchaus ausgiebig essen, sterben sie seltener an Herzinfarkt und Schlaganfall und leben länger als beispielsweise US-Amerikaner oder Mitteleuropäer. Dieses als „French Paradoxon“ bezeichnete Phänomen wird von der Wissenschaft nicht nur dem Rotwein zugeschrieben, sondern der gesamten Ernährungsweise, auch dem vermehrten Einsatz von Kräutern sowie klimatischen Bedingungen und der gesamten Lebensweise.  Doch welchen Beitrag leistet der Wein?

Wissenswert

Die mediterrane Ernährung wurde 2010 nicht nur zum immateriellen Weltkulturerbe ausgezeichnet, sie erfreut sich auch vieler positiver Nebeneffekte, senkt den Blutdruck und wirkt sich positiv auf die Blutfettwerte aus. Gekennzeichnet ist sie durch: hohen Konsum von Gemüse, Obst, Brot, Getreide, Kartoffeln, Bohnen, Nüssen und Samen, Olivenöl als wichtigsten Fettlieferant, moderaten Konsum von Milchprodukten, Fisch, Geflügel, und Wein sowie einem geringen Verzehr an rotem Fleisch.

 

ZUM ANHÖREN IN ALLER KÜRZE:

"Ein Glas Rotwein am Abend ist gesund?"
                                     

Rot oder weiß?

Die Resultate bisheriger Untersuchungen zeigen, dass es nicht zwingend Rotwein sein muss, auch Weißwein oder Bier könnten der Gesundheit in kleinen Mengen zuträglich sein. Es scheint also nicht an den sekundären Pflanzenstoffen im Rotwein zu liegen, eher am Alkohol an sich. Denn Menschen, die jeden Tag ein Glas Alkohol trinken – egal welchen –, haben wie es scheint ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und leben länger als Nicht-Trinker.  Das zeigen Langzeit-Beobachtungen, und Kurzzeit-Studien stützen diese Ergebnisse. Vergleicht man Abstinente mit Wenigtrinkern, so steigt nach wenigen Wochen maßvollen Alkoholkonsums beispielsweise das „gute“ HDL-Cholesterin an und auch die Blutwerte für Adiponectin und Fibrin verbessern sich. Die verbesserten Werte gehen normalerweise mit einem selteneren Auftreten von Herzinfarkt und Schlaganfall einher, was sich langfristig auch bestätigt. Studienteilnehmer, die täglich wenig tranken, starben seltener an Herzerkrankungen als jene, die von Jugend an abstinent lebten.

Relevant ist die Menge

Bei der gesundheitszuträglichen Menge handelt es sich um eine klassische U-Kurve: nichts trinken und viel trinken ist mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, kleine Alkoholmengen gehen mit einem geringeren Risiko einher und scheinen zu schützen. Die Menge ist demnach deutlich wichtiger als die Entscheidung, ob es Weißwein, Rotwein, Bier oder Schnaps sein soll.

Ergebnisse einer systematischen Übersichtsarbeit weisen daraufhin, dass Frauen ihre Herzgesundheit mit einem Glas am Tag fördern, bei Männern darf es das Doppelte sein. Dabei ist ein Glas etwa ein kleines Bier (0,3 Liter), ein Achtel Wein oder 4 cl Schnaps. Trinkt man deutlich mehr, schlägt der positive Effekt ins Gegenteil um. Drei große Bier (je 0,5 L) oder 0,75 L Wein täglich erhöhen das Risiko frühzeitig zu sterben um 30 %, so Ronksley und Kollegen in ihrer Übersichtsarbeit.

Wissenswert

Ab welcher Menge ist Alkoholkonsum schädlich?
Laut Bundesministerium für Gesundheit liegt die Harmlosigkeitsgrenze beim Mann bei 24 g reinen Alkohols pro Tag und bei der Frau bei 16 g. Ein Achtl Wein hat rund 10 g, ein Seidl Bier 13 g.  Als gesundheitsgefährdend wird Alkoholkonsum eingestuft, wenn er beim Mann über 60 g reinen Alkohols pro Tag liegt und bei der Frau über 40 g. Hohe Alkoholmengen schädigen die Organe und steigern das Risiko für Krebs sowie Herzinfarkt. Außerdem folgen auf  hohen Alkoholkonsum auch psychische und soziale Probleme.

Fazit

Täglich ein Glas Alkohol scheint der Herz-Kreislaufgesundheit zuträglich zu sein. Ob dabei Rotwein die Nase vorne hat, ist nicht belegt, aber er scheint wie Weißwein, Bier und Schnaps in geringen Mengen positive Auswirkungen zu haben. 

Literatur

Kerschner B, Wipplinger J, Stigler F: Rotwein als Gesundheitselexier? www.medizin-transparent.at/rotwein-als-gesundheitselixier (29.7.2014).

Saitz R: Screening for unhealthy use of alcohol and other drugs. In Hermann R (ed.). UpToDate. (2013).

Roerecke M, Rehm J: The cardioprotective association of average alcohol consumption and ischaemic heart disease: a systematic review and meta-analysis. Addiction. Jul;107(7):1246-60 (2012).

Ronksley PE, Brien SE, Turner BJ, Mukamal KJ, Ghali WA. Association of alcohol consumption with selected cardiovascular disease outcomes: a systematic review and meta-analysis. BMJ 2011;342:d671.

Gruber M: Europäische Trinkkulturen. ernährung heute 3: 3-4 (2013).

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