07.06.2018 von Elisabeth Rudolph

Dem Alter des Gehirns auf der Spur

Sich jung fühlen und ein jugendliches Gehirn haben, das wünschen sich viele fürs Altern. Doch nicht immer stimmt das Alter des Gehirns mit dem biologischen Alter überein, auch wenn wir uns noch so jung fühlen. Denn Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, wenig Bewegung, Mangelernährung und Erkrankungen wie Diabetes Typ-2 lassen das Gehirn schneller altern. Mit einer neu entwickelten Methode lässt sich das Alter des Gehirns nun bestimmen. Was hat es damit auf sich und was bedeutet das für unsere Gesundheit?

Dass mit dem Älter werden sowohl die Gedächtnisleistung als auch die Gehirnfunktionen abnehmen, ist völlig normal. Dabei folgt der Alterungsprozess einem gewissen Schema, nämlich von vorne nach hinten. In den vorderen Gehirnregionen sind hauptsächlich kognitive Funktionen verankert, in den hinteren Regionen grundlegende Funktionen wie Sensorik oder Motorik. Alterungsprozesse finden in der Regel gleichzeitig statt, jedoch unterschiedlich schnell und auch das Ausmaß der Alterung ist unterschiedlich. Altern ist also sehr individuell und sehr komplex. Damit diese Vorgänge überhaupt registriert werden können, benötigt es sogenannte Kernspin-Aufnahmen des Gehirns. An der Universitätsklinik in Jena wurde mit Hilfe dieser bildverarbeitenden Methoden und mathematischen Prozessen ein Verfahren entwickelt, das die Alterungsprozesse des Gehirns berücksichtigt und das tatsächliche Alter des Gehirns berechnet.

Altersbestimmung per Knopfdruck

BrainAGE nennt sich diese neu entwickelte Methode. Sie ist vielversprechend, dennoch wird sie noch nicht für medizinische Routinezwecke eingesetzt. Die Altersbestimmung erfolgt mithilfe eines Computers, der eine schier unendliche Anzahl an Merkmalen der Gehirnstruktur verarbeitet. Diese Merkmale verändern sich im Laufe des Lebens charakteristisch. Der Computer vergleicht nun die individuelle Struktur des zu untersuchenden Gehirns mit den errechneten alterstypischen Merkmalsmustern. Dieser Vergleich ermöglicht, dem Gehirn ein passendes Alter zuzuordnen. Das kann entweder dem chronologischen Alter entsprechen, jünger oder älter sein. Die entscheidenden Merkmalsmuster sind die graue und die weiße Substanz des Gehirns.

Wissenswert

Die graue Substanz ist ein wichtiger Bestandteil des Zentralnervensystems. Sie ist maßgeblich für die Intelligenzleistungen des Gehirns verantwortlich. Die weiße Substanz besteht hauptsächlich aus Nervenfasern und ist vor allem für das Lernen verantwortlich. Beim normalen Alterungsprozess des Gehirns nehmen die graue und die weiße Substanz kontinuierlich ab. Liegt eine Erkrankung wie Demenz vor, altern die Bereiche schneller.

Schneller altern durch ungesunden Lebensstil

Die Hirnalterung unterliegt normalen biologischen Schwankungen. Ebenso wirkt sich ein ungesunder Lebensstil nicht nur auf die Lebensdauer aus, sondern auch auf die Hirnalterung. Durch Faktoren wie Rauchen, Diabetes Typ 2 oder übermäßiger Alkoholkonsum wird das Alter des Gehirns um mindesten fünf Jahre älter geschätzt. Interessant ist außerdem, wie sich Mangelernährung auf das Gehirnalter auswirkt. Das wird besonders bei Schwangeren mit Nährstoffunterversorgung deutlich. Denn fehlt es in der Schwangerschaft an Nährstoffen, verändern sich die Hirnstrukturen des Babys und das bedeutet eine beschleunigte Alterung des Gehirns im Erwachsenenalter. Wie sich Mangelernährung auf die Entwicklung von Demenz auswirkt, lesen Sie hier.

Früherkennung von Alzheimer

Die BrainAGE-Methode ist für die frühzeitige Behandlung von Alzheimer oder Demenz enorm wichtig. Denn auch wenn bereits Veränderungen der Gehirnstruktur vorliegen, kann die Krankheit früher erkannt werden und eher mit der Prophylaxe begonnen werden und dem Erkrankungsrisiko entgegengesteuert werden. Mit jedem zusätzlichen Jahr des geschätzten Hirnalters steigt das Risiko an Alzheimer oder Demenz zu erkranken um 10 % an.
Befinden sich Patienten im Anfangsstadium der Alzheimererkrankung, ist das biologische Hirnalter um etwa zehn Jahre gegenüber dem chronologischen Alter erhöht. Aus der Alzheimer-Forschung weiß man, dass die graue und weiße Substanz des Gehirns über Jahre beschleunigt und abnormal abnimmt. Es kommt jedoch nur in seltenen Fällen bereits im Anfangsstadium zu kognitiven Beeinträchtigungen. Die Symptome treten dann auf, wenn bereits größere Teile der grauen und weißen Hirnsubstanz irreversibel verändert sind und die Krankheit bereits fortgeschritten ist. Mit Hilfe des BrainAGE-Verfahrens könnte man einerseits Risikopatienten identifizieren und andererseits auch den Therapieerfolg überprüfen. Die Veränderungen können zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden, jedoch kann gezielt und vor allem frühzeitig mit einer Medikamenten-Therapie begonnen werden. Dadurch kann die Schwere der Erkrankung und auch das Fortschreiten entscheidend beeinflusst werden. Das ist vor allem bei jenen Patienten wichtig, die bereits kognitive Veränderungen aufweisen, es allerdings noch unsicher ist, ob sie tatsächlich an Alzheimer-Demenz erkranken werden.

Fazit

Mithilfe der BrainAGE-Methode lassen sich abweichende Muster in der individuellen Hirnalterung feststellen. Dadurch kann nicht nur eine Bestandsaufnahme des aktuellen Gehirnalters gemacht werden, es können Veränderungen frühzeitig erkannt werden. Im Falle einer bevorstehenden Erkrankung an Alzheimer-Demenz kann entsprechend früh mit Medikamenten entgegengesteuert werden. Ob sich die Methode im klinischen Bereich oder sogar als Diagnostikanalyse durchsetzen wird, ist noch nicht sicher.

Weiterführende Links:

Wie Sie rundum g’sund altern lesen Sie in der ernährung heute 1_2010
Wie Sie auch im Alter rüstig bleiben lesen Sie hier.
Wie Sie sich ein Leben lang wohlfühlen, lesen Sie in unserer Broschüre.

Literatur

Franke K: BrainAGE-Wie alt sieht mein Gehirn aus? Bild der Wissenschaft plus (2018)
Franke K et al.: Premature brain aging in humans exposed to maternal nutrient restriction during early gestation. NeuroImage. DOI: 10.1016/j.neuroimage.2017.10.047 (2017)
NN: Das biologische Alter des Gehirns. www.uni-jena.de/Forschungsmeldungen/FM180301_Das+biologische+Alter+des+Gehirns++.html (Zugriff am 23.5.2017)

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