24.09.2008

Der Sonntag macht den Unterschied

Der Sonntag gilt als Ruhetag: Füße hochstrecken und endlich einmal nichts tun, ist für viele verlockend. Doch wer ohnehin die ganze Woche über „ruht", tut seinem Körper damit nichts Gutes.

Übergewicht und Adipositas sind weltweit im Vormarsch und Bewegungsmangel wird immer mehr als Risikofaktor erkannt. Während vor einigen Jahrzehnten der Alltag noch viel aktiver bewältigt werden musste, bewegt sich heute ein großer Teil der Bevölkerung aufgrund der modernen Lebensbedingungen viel zu wenig. Etwa 60 % der österreichischen Erwachsenen betreiben seltener als ein bis zwei Mal pro Monat Sport. Europaweit kommt nur die Hälfte der Menschen der Empfehlung nach, sich mindestens fünf Mal pro Woche für jeweils eine halbe Stunde mäßig zu bewegen. Noch größer ist der Bewegungsmangel in Großbritannien, wo drei Viertel der Frauen und zwei Drittel der Männer die Empfehlung zur körperlichen Bewegung nicht erfüllen. Dies war Anlass für drei englische Studien, die Aktivitätsmuster von Normal- und Übergewichtigen zu vergleichen.

Aktivitätsknick am Wochenende

Stacy Clemens und Kollegen ermittelten mithilfe eines Pedometers (Schrittzählers) vier Wochen lang die Aktivität von normal- und übergewichtigen Erwachsenen. An Werktagen unterscheidet sich die Schrittzahl der zwei Gruppen kaum von einander. Auffallend am Studienergebnis war jedoch, dass vor allem übergewichtige Menschen ihre Körperaktivität an den Sonntagen gegenüber Werktagen signifikant reduzierten (2221 Schritte weniger). Dieser große Unterschied zwischen der Aktivität am Sonntag im Vergleich zu Werktagen wurde bei Normalgewichtigen nicht beobachtet. Übergewichtige bewegen sich daher an Sonntagen auch signifikant weniger als Normalgewichtige (8093 vs. 10 538 Schritte). Damit basiert die insgesamt gemessene geringere Aktivität von Übergewichtigen hauptsächlich auf der sonntäglichen Aktivitätsreduktion. Frauen bewegten sich übrigens in beiden Gruppen weniger als Männer.

In einer weiteren Studie, an der neben Normalgewichtigen und Übergewichtigen zusätzlich adipöse Erwachsene teilnahmen, kam man zu ähnlichen Ergebnissen. Normalgewichtige legten täglich durchschnittlich 1200 Schritte mehr zurück als Übergewichtige, was etwa einem zehn- bis zwölfminütigem Spaziergang entspricht. Beim Vergleich zwischen Normalgewichtigen und Adipösen betrug der Unterschied sogar 2400 Schritte, vergleichbar mit etwa 20 bis 24 Minuten gemütlichem Gehen. Die verminderte Bewegung am Wochenende, vor allem am Sonntag, wurde auch in dieser Untersuchung bestätigt: Normalgewichtige gingen am Sonntag etwa 1000 Schritte weniger als an einem Werktag, bei den Übergewichtigen und Adipösen waren es hingegen bis zu 2000 Schritte weniger.

Vorbild Erwachsene

Ähnlich ihren erwachsenen Vorbildern, zeigten britische Kinder Unterschiede im wöchentlichen Bewegungsmuster auf. Bei 911 jährigen Schülern wurde gemessen, dass Mädchen generell weniger aktiv waren als Buben. Und obwohl sich beide Geschlechter an Wochenenden weniger bewegten als unter der Woche, war der Aktivitätsabfall bei den Mädchen stärker.
Dass Eltern ihre Kinder an den Wochenenden nur mäßig für Bewegung motivieren, könnte neben der Vorbildrolle auch einen weiteren Grund haben: Eltern tendieren dazu, die kindliche Aktivität zu überschätzen. Nach dem täglichen Bewegungsausmaß befragt, gaben Eltern an, dass ihre Sprösslinge sich täglich 146 Minuten lang moderat oder intensiv bewegten. Gemessen wurden bei den Kindern hingegen nur 24 Minuten pro Tag. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Straßen, Wohngegenden und andere Bestandteile der kindlichen Umwelt dringend bewegungsfreundlicher gestaltet werden müssen.

Schlanker, gesünder, leistungsfähiger

Eine simple Änderung im Alltag macht sich also positiv bemerkbar - und das bereits nach kurzer Zeit. An der Universität Genf übten sich Mitarbeiter mit einem bewegungsarmen Lebensstil im Treppensteigen. Die Teilnehmer der Studie verzichteten zwölf Wochen lang auf den Aufzug und benutzten stattdessen die Treppe. Das beachtliche Ergebnis: Die Fitness wurde verbessert, der Hüftumfang, das Gewicht, die Fettmasse, der diastolische Blutdruck und das LDL-Cholesterin wurden reduziert.

Fazit

Für die Bewegungsbilanz zählt jeder Schritt, denn jede Form von Bewegung verbraucht Energie. Auch bei einem kleinen Unterschied von 2000 Schritten (ca. 600 bis 1000 m) wirkt sich das Weniger an Bewegung ungünstig auf das Körpergewicht aus. Ein 1020 minütiger Sonntagsspaziergang könnte diesen Unterschied kompensieren. Der Sonntag bietet sich außerdem für Aktivitäten im Familienkreis an - eine Chance für Eltern, ihrer Vorbildrolle für einen aktiven Alltag gerecht zu werden.

Literatur

Clemens SA, Hamilton SL, Lindley MR: Four-week pedometer-determined acitivity patterns in normal-weight, overweight und obese adults. Prev. Med. 46: 325-329 (2007).

Clemens SA, Griffiths PL, Hamilton SL: Four-week pedometer-determined activity patterns in normal weight and overweight UK adults. International Journal of Obesity 31: 261-266 (2007).

Rowlands V, Pilgrim EL, Eston RG: Patterns of habitual activity across weekdays and weekend days in 9-11-year-old children. Prev. Med. 46: 317-324 (2008).

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