13.11.2015 von Marlies Gruber

Diabetes vorbeugen schon bei den Kleinen

Wenn ein Kind sehr großen Durst und sehr starken Harndrang hat, stark an Gewicht verliert und über Müdigkeit klagt, sind das erste Anzeichen für einen deutlichen Insulinmangel. Dann könnte Diabetes vorliegen. Was ist zu tun?

Kinder bis 15 Jahre sind zu 95 Prozent von Diabetes Typ 1 betroffen. Der entsteht durch eine immunologisch bedingte Zerstörung von Inselzellen (Betazellen). Bei dieser Autoimmunerkrankung kommt es zur Zerstörung der Betazellen bzw. zum absoluten Insulinmangel. Alexandra Kautzky-Willer von der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien sagt: „Pro Jahr gibt es in Österreich zwischen 250 und 300 Neuerkrankungen unter 15 Jahren. Diese Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.“ Die konkreten Gründe dafür sind noch unerforscht, allerdings scheinen neben der genetischen Prädisposition vor allem Infektionen und Umwelteinflüsse, möglicherweise auch eine veränderte Darmflora eine große Rolle zu spielen.

Wenn bei einem Kind die eingangs erwähnten Symptome wie starker Durst und Harndrang, Müdigkeit und Gewichtsverlust auftreten, ist schnelles Handeln gefragt. „Dann sollte man schleunigst zum Blutzuckertest beziehungsweise zum Facharzt“, rät die MedUni Wien-Diabetes-Expertin Kautzky-Willer. „So kann schweren gefährlichen Stoffwechselentgleisungen vorgebeugt werden. Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird desto besser lassen sich Komplikationen vermeiden.“ Schon bei Kleinkindern kann mit der Prävention von Diabetes begonnen werden und Früherkennung muss eine besondere Rolle spielen.

Typ-2-Diabetes: Prävention beginnt bereits im Mutterleib

Typ-2-Diabetes dagegen entwickelt sich langsam und schleichend und könnte vor allem durch eine intensive Lebensstiländerung verhindert oder zumindest verzögert werden, wenn frühzeitig ein Prädiabetes erkannt wird. Bei Erwachsenen wird hauptsächlich diese Diabetesform entdeckt. Vor allem starkes Übergewicht und zu viel Bauch- und Leberfett und zu wenig Bewegung sowie falsche Ernährung und Stress oder Rauchen sind Risikofaktoren. Schon eine Gewichtsreduktion um 5 % sowie eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie pflanzlichen Fetten, mehr Bewegung, Stressreduktion und ausreichend Schlaf können präventiv wirken.

Die Prävention für die Allerkleinsten beginnt aber bereits im Mutterleib. Vor allem adipöse, schwangere Frauen mit einem BMI von mehr als 29 sollten bereits früher als im Mutter-Kind-Pass vorgesehen (zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche) einen Zuckerbelastungstest machen, um Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) und die damit verbundenen Komplikationen in der Schwangerschaft wie überproportionales metabolisch ungünstiges Größenwachstum und Geburtskomplikationen bis hin zu einer erhöhten Mortalität der Babys vorbeugen zu können – und um zu verhindern, dass sich später sowohl bei der Mutter als auch beim Kind ein Typ-2-Diabetes entwickeln kann.

Ernährungsumstellung und Gewichtsverlust wirken

Im EU-Pilotprojekt DALI, das im Dezember 2015 abgeschlossen wird und an dem Kautzky-Willer mit einem Team an der MedUni Wien maßgeblich beteiligt war, wurde gezeigt, dass Frauen, die ihre Ernährung in der Frühschwangerschaft massiv umstellten, im weiteren Schwangerschaftsverlauf weniger Gewicht zunahmen und bessere Blutzuckerwerte aufwiesen als jene, die nur Bewegung gemacht haben, sich aber weiterhin ungesund ernährten. Kautzky: „Die Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme scheint im Pilotprojekt also besser zu wirken als die bloße Bewegung, wahrscheinlich auch, da diese stark übergewichtigen Frauen in der Schwangerschaft schwer zu mehr Bewegung im Alltag motiviert werden können. Sie wiesen auch häufiger eine depressive Stimmungslage als normalgewichtige Schwangere auf, was wiederum mit geringerer körperlicher Aktivität verbunden war“ Das DALI-Projekt (Vitamin D And Lifestyle Intervention for Gestational Diabetes Mellitus Prevention) wird am 10. Dezember 2015 in Brüssel mit einem internationalen Meeting abgeschlossen, auf dem weitere Ergebnisse präsentiert werden.

Literatur

Presseaussendung der MedUni Wien: Diabetes-Prävention beginnt schon bei den Kleinsten. Vom 12.11.2015.

Ausblick 8. f.eh Symposium am 10.10.2019
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