30.03.2010

Die österreichische Ernährungspyramide

Die österreichische Ernährungspyramide harmonisiert die unterschiedlichen Modelle der lebensmittelbasierten Richtlinien - und baut auf aktuelle Erkenntnisse sowie österreichische Esskultur.

Um die Masse an Ernährungsinformationen auf einen Blick und allgemein verständlich zu kommunizieren, wurde erstmals 1992 vom US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium (USDA) das Modell der "Food Guide Pyramid" entworfen. Ziel war und ist es, die Empfehlungen zur Nährstoffzufuhr lebensmittelbasiert unters Volk zu bringen. Die Idee wurde in vielen Ländern der Welt aufgegriffen. Auch in Österreich waren bis vor kurzem einige Pyramidenmodelle im Umlauf, die einander teilweise widersprachen und oft mehr verwirrten als aufklärten.

Daher wurde die alte Pyramidenstadt unter der Schirmherrschaft des Gesundheitsministeriums abgerissen und das harmonisierte Konsensprodukt Anfang März 2010 präsentiert. Beteiligt am Bau waren das Kompetenzzentrum für Ernährung und Prävention der AGES, die ÖGE, der Fonds Gesundes Österreich, das Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Wien und die Medizinische Universität Wien. Ab jetzt soll die neue österreichische Pyramide alle unterschiedlichen Modelle der Gesundheitsorganisationen ablösen.

Bausteine zur ausgewogenen Ernährung

Das Modell ist schnell erklärt: Die Bausteine der Ernährungspyramide bilden Nahrungsmittelgruppen und geben in ihrer Stufenanordnung gleichzeitig einen Überblick über die optimalen Mengenverhältnisse.
Neu ist nicht nur, dass zum ersten Mal auf die regionalen und sprachlichen Besonderheiten der Alpenrepublik eingegangen wurde - man stößt im Begleittext etwa auf Austriaka wie Erdäpfel und Sauerrahm. Auch die Anzahl der täglich empfohlenen Portionen lässt sich nun durch die neue Pyramide leicht feststellen: Ein Baustein entspricht einer Portion. Wie sich die Pyramide den aktuellen Ernährungsempfehlungen angepasst hat, sieht man in Ebene 4: Hochwertige Öle, fettarme Milch und Milchprodukte wurden von Back-, Streich- und Bratfetten sowie fettreichen Milchprodukten wie Sauerrahm getrennt. Diese befinden sich nun auf Ebene 6 und sollten sparsam konsumiert werden. Fisch, Fleisch und Eier wurden Ebene 5 zugewiesen.

Die flüssige Basis

Empfohlen wird, täglich mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit zu trinken. Am besten eignen sich Wasser, Mineralwasser, ungesüßte Früchte- und Kräutertees sowie verdünnte Frucht- und Gemüsesäfte. Moderate Mengen an Kaffee und Schwarztee, also drei bis vier Tassen, entziehen dem Körper keine Flüssigkeit und können zusätzlich konsumiert werden.

5 x am Tag Obst und Gemüse - im Verhältnis 2:3

Pro Tag sollen es mindestens fünf Portionen Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst sein. Ideal sind drei Portionen Gemüse und/oder Hülsenfrüchte und zwei Portionen Obst.

Eine Portion entspricht:

  • 200-300 g gegartes Gemüse oder
  • 100-200 g Rohkost oder
  • 75-100 g Salat oder
  • 150-200 g gekochte Hülsenfrüchte (roh ca. 70-100 g) oder
  • 125-150 g Obst oder
  • 200 ml Gemüse- oder Obstsaft.

Getreide und Erdäpfel

Täglich vier Portionen Getreide, Brot, Nudeln, Reis oder Erdäpfel, bevorzugt in der Vollkornvariante, lohnen sich, um gesund und fit zu bleiben. Für sportlich Aktive und Kinder werden fünf Portionen empfohlen.

Eine Portion entspricht:

  • eine Scheibe Brot / Vollkornbrot (50-70 g) oder
  • 50-70 g Gebäck (Weckerl, Semmel, ... ) oder
  • 50-60 g Müsli oder (Vollkorn-) Getreideflocken bzw. Cerealien oder
  • 200-250 g gekochte Teigwaren (roh 65-80 g) oder
  • 150-180 g gekochter Reis oder Getreide (roh ca. 50-60 g) oder
  • 200-250 g (3-4 mittelgroße) gegarte Erdäpfel.

Milch und Milchprodukte

Täglich sollten drei Portionen Milch und Milchprodukte, am besten in der fettarmen Variante, konsumiert werden.

Eine Portion entspricht:

  • 200 ml Milch oder
  • 180-250 g Joghurt oder
  • 200 g Topfen oder Hüttenkäse oder
  • 50-60 g Käse.

Am besten sind zwei Portionen "weiß" (z. B. Milch, Hüttenkäse) und eine Portion "gelb" (Käse).

Fisch, Fleisch, Wurst und Eier

Empfohlen werden mindestens ein bis zwei Portionen Fisch à ca. 150 g, bevorzugt fettreicher Fisch wie Makrele, Lachs, Thunfisch oder Saibling und maximal drei Portionen fettarmes Fleisch oder fettarme Wurstwaren (insgesamt 300-450 g) sowie drei Eier pro Woche.

Fette und Öle: Qualität vor Quantität

Nahegelegt werden täglich ein bis zwei Esslöffel hochwertige pflanzliche Öle, Nüsse oder Samen. Sparsam sollte man dagegen mit tierischen Fetten sein. Dazu gehören Streich-, Back- und Bratfette sowie fettreiche Milchprodukte wie Schlagobers, Sauerrahm und Crème Fraîche.

Fettes, Süßes und Salziges

Die Empfehlung lautet hier, fett-, zucker- und salzreiche Lebensmittel, wie Mehlspeisen, energiedichte Fastfood-Produkte, Snacks und Knabbereien, selten zu konsumieren (maximal eine Portion pro Tag). Bei Salz gilt: Mit Vernunft salzen! Verwenden Sie häufiger Kräuter und Gewürze.

Körperliche Aktivität

Mindestens 2,5 Stunden pro Woche sollte man sich bewegen und sich öfters für Alltagsbewegung wie Stiegen steigen oder zu Fuß gehen entscheiden.

Fazit

Die neue Ernährungspyramide lässt genügend Freiraum, um seinen Speiseplan individuell zu gestalten. Trotzdem könnten die Ausführungen noch erweitert werden. So kommen Aspekte der Esskultur und der Nachhaltigkeit zu kurz.  Schließlich spielt nicht nur das WAS, sondern auch das WIE gegessen wird eine wesentliche Rolle.

Dass eine ausgewogene Ernährung und reichlich Bewegung Hand in Hand gehen, wird in den Erläuterungen nur gestreift. Die Bewegungspyramide des forum. ernährung heute veranschaulicht bereits aktuelle Empfehlungen für eine gesundheitsfördernde Bewegung und zeigt, wie oft und wie intensiv man in Schwung kommen sollte.

Literatur

Bundesministerium für Gesundheit: Die österreichische Ernährungspyramide. www.bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Ernaehrung/Empfehlungen/Die_Oesterreichische_Ernaehrungspyramide  (Zugriff am 03.7.2014).

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