26.11.2015 von Elisabeth Rudolph

Drei Phasen zum erfolgreichen Stillen

Stillen ist die natürlichste Form, ein Baby zu ernähren. Aber nicht immer ist der Start einfach, denn auch natürliche Fähigkeiten müssen geübt werden. Um Frauen in dieser Situation zu unterstützen, haben dänische Forscher die Stillerfahrungen junger Mütter unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse zeigen die Stolpersteine auf.

In den ersten vier Lebensmonaten sollen Säuglinge ausschließlich gestillt werden. In dieser Zeit benötigen sie keine zusätzliche Nahrung oder Flüssigkeit. Denn Muttermilch ist an die kindlichen Bedürfnisse angepasst. Sie liefert die Nährstoffe für Wachstum und gesunde Entwicklung. Zudem ist sie hygienisch einwandfrei, richtig temperiert und immer verfügbar. Stillen senkt auch das Risiko für Durchfall, Mittelohrentzündung und späteres Übergewicht. Selbst die Mutter profitiert: Stillen fördert die Uterusrückbildung nach der Geburt und verringert das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs. Und last but not least, es fördert die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind. Laut den österreichischen Stillempfehlungen sollen gut gedeihende Säuglinge um den sechsten Monat, nicht jedoch vor dem fünften Monat Beikost erhalten.

Wissenswert

Stillende Mütter geben Nährstoffe über die Muttermilch an ihr Kind ab. Damit das Neugeborene optimal versorgt ist, sollte die Mutter auf ihre Ernährung achten. Eine vielfältige Lebensmittelauswahl ist wichtig. Die Ernährung der Mutter beeinflusst möglicherweise auch den Geschmack der Muttermilch. Dadurch können Vorlieben der Neugeborenen für bestimmte Geschmacksrichtungen beeinflusst werden.

Nicht immer jedoch klappt das Stillen für Mutter und Kind von Anfang an problemlos. Junge Mütter sind oft unsicher, wissen nicht, ob sie ausreichend Milch für die optimale Ernährung des Babys haben. Dazu kommen hormonelle Veränderungen, weniger Schlaf und Erschöpfungszustände. Die eigenen negativen Erfahrungen verdrängen oft die positive Erwartung an das Stillen als die natürlichste Sache der Welt.

Wechselbad der Gefühle

Um mehr über das Stillen zu wissen, haben dänische Wissenschaftler die Stillerfahrungen von Müttern erforscht. Mit ihrer Untersuchung wollten sie vor allem Informationen zu den ersten und entscheidenden Phasen des Stillens sammeln. Die Erkenntnisse daraus sollen helfen, Mütter in der Anfangsphase des Stillens besser zu unterstützen. Sie sollen dazu ermutigt werden, das Stillen nicht aufzugeben. Die Empfehlungen richten sich in erster Linie an Mediziner, Hebammen und Gesundheitseinrichtungen, die Mütter beraten. Die Resultate aus der Befragung sollen Empfehlungen für die Anleitung zum erfolgreichen Stillen geben.
In der Studie wurden 108 Mütter sechs Monate nach der Geburt ihres ersten Kindes zu den Stillerfahrungen in offener Form befragt. In dieser Zeit haben alle Mütter ihre Kinder gestillt. Die Auswertung der Daten und die Zusammenfassung der wichtigsten Themen, hat drei überlappende Phasen ergeben:

  • auf unsicherem Boden
  • Suche nach Halt
  • im Einklang mit der Entscheidung zu stillen

Die Dauer der einzelnen Phasen war bei jeder Mutter unterschiedlich lange. Die Beschreibung der Stillerfahrung konzentrierte sich auf die Erwartungshaltung der Mütter an das Stillen, auf die Beweggründe, warum sie weiterstillen oder aufhören, und wie sie die professionelle Hilfe in den einzelnen Phasen wahrnehmen. Die drei Phasen spiegeln die persönlichen Empfindungen und die Unsicherheiten bei der Reise ins vorerst Unbekannte wieder.

Auf unsicherem Boden

In der ersten Phase waren die Mütter damit beschäftigt, eine passende Stilltechnik zu finden und alles richtig zu machen. Sie nehmen zum ersten Mal bewusst ihre Mutterrolle wahr. Die Mütter erkennen, wie der Stillprozess und das Muttersein verflochten sind. Manche Teilnehmerinnen beschrieben das Stillen als grausam oder höllisch, eine Schmerzerfahrung, an die sie sich noch Monate danach erinnern. In dieser Phase hätten sich die Mütter mehr Unterstützung seitens der Gesundheitseinrichtungen gewünscht. Sie erhielten widersprüchliche bis nicht anwendbare oder unpassende Informationen. Es mangelte massiv an Hilfe.

Suche nach Halt

Die zweite Phase beschreibt das Fußfassen im Alltag mit dem Baby. Manche Mütter steigen in dieser Zeit auf Flaschennahrung um, andere versuchen das Stillen beizubehalten. Die ausreichende Versorgung des Babys ist ein großes Thema, genauso wie die Entscheidung, weiter zu stillen. Diese Entscheidung obliegt zwar ausschließlich den Müttern, wird jedoch gesellschaftlich stark thematisiert. Die Mütter vermissen die fehlende Akzeptanz des Stillens im Bekannten- oder Freundeskreis. Das Ablesen der individuellen Wünsche der Babys ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Die Unsicherheit der ersten Phase tritt in den Hintergrund, die Mütter scheinen in ihrer Rolle gefestigter zu sein.

Im Einklang mit der Entscheidung zu stillen

Die letzte Phase ist geprägt von Selbstsicherheit. Die Mütter haben die Fähigkeit zum Stillen erlangt und ein gutes Gefühl dabei entwickelt. Egal ob sie noch stillen oder ihr Baby mit der Flasche füttern, die Mütter sind überzeugt davon, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Freude über die Zufriedenheit des Kindes steht im Vordergrund. Das Ziel der Mütter wurde erreicht: Sie bauen eine enge Beziehung zum gedeihenden Kind auf. Der Weg dorthin war eigenen Angaben zufolge steinig, geprägt von Schmerzen, Frust und Verzweiflung.

Fazit

Die Studie zeigt, welches Ausmaß schmerzerfüllte Erfahrungen in der Anfangsphase des Stillens annehmen können und wie stark Stillen mit der Mutter-Kind-Bindung verflochten ist. Die Mütter müssen Sicherheit erlangen, um eine erfolgreiche Stillbeziehung zu ihrem Kind auzufbauen. In dieser Phase brauchen sie mehr Unterstützung von professioneller Seite ebenso wie von ihrem persönlichen Umfeld. Mit dem Wissen aus dieser Studie kann zukünftig frisch gebackenen Müttern besser geholfen werden, die Stolpersteine in der Anfangsphase zu überwinden.
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Mehr zum Thema:
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Literatur

Scherbaum V und Bellows C:  Förderung des Stillens – ein Beitrag zur Prävention von Übergewicht. Ernährungs-Umschau 6: 388-394 (2009)
Kronborg H et al.: First time mothers’ experience of breastfeeding their newborn. Sexual & Reproductive Healthcare 6: 82-87 (2015)
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger: Richtig essen von Anfang an! Österreichische Beikostempfehlungen (2010)
ernährung heute 3_2014

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