19.08.2010

Einkaufstaschen als Bakterien-Brutplatz

Wiederverwendbare Einkaufstaschen gelten als ökologisch trendy. Leider fühlen sich auch schädliche Bakterien nur allzu wohl im „grünen Sackerl": Sie ziehen vom Habitat rohes Rindsschnitzerl in die gemütliche Baumwoll-Herberge.

Die Öko-Taschen aus Baumwolle oder waschbarem, gewebtem Polypropylen sind im Hinblick auf umweltbewusstes Verbraucherverhalten beliebte Alternativen zum Einkaufssackerl mit Supermarkt-Logo. Was dabei nicht bedacht wird: Die Einkaufstaschen sind außerdem ein wunderbares Biotop für schädliche Bakterien. Eine Studie der University of Arizona und der Loma Linda University in Kalifornien, USA, verdeutlicht dies stichhaltig: Die Autoren sammelten 84 wiederverwendbare Einkaufstaschen und interviewten die Taschenbesitzer, wie sie ihre Taschen lagern und wie oft sie diese waschen würden. Nur 3 % der Interviewten gaben an, ihre wiederverwendbaren Einkaufstaschen regelmäßig zu waschen.

Jede zweite Tasche kontaminiert

Bei der Hälfte der untersuchten Einkaufstaschen fand man eine Vielzahl an Darmbakterien, in sieben Stück auch Escherichia coli-Bakterien. Eine Gruppe dieser Bakterien, die enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC), zählt zu den häufigsten Auslösern von Lebensmittelinfektionen in Europa. Bei gesunden Personen verläuft die Infektion meist harmlos mit leichtem Durchfall. Besonders Kleinkinder, Schwangere und immungeschwächte Personen sollten jedoch vorsichtig sein. Denn bei ihnen sind auch wenige Keime fähig, Bauchkrämpfe, blutigen Durchfall und Fieber auszulösen. In 5 bis 15 % der Fälle kann die schwere Verlaufsform einer EHEC-Infektion auch zu Nierenschädigung führen, die in bis zu 10 % der Fälle tödlich endet. Weiters wurden die Darmbewohner Enterobacter (E. aerogenes, E. cloacae und E. sakazakii) in vier Taschen detektiert. Insbesondere bei Kleinkindern und immungeschwächten Personen können sie Atemwegs- und Harnwegsinfekte auslösen. Die üblichen Verdächtigen bei den Lebensmitteln, die diese Bakterienarten ins Einkaufssackerl importieren, sind rohe Fleisch- und Milchwaren.

Wohlig warmes Bakterien-Paradies

In der Studie wurde auch untersucht, unter welchen Gegebenheiten sich die Bakterien am besten vermehrten. Im Kofferraum, wo 55 % der Interviewten ihre Stofftaschen transportierten, wurde nach zwei Stunden bei einer Temperatur von 47 °C die zehnfache Menge der Bakterien gemessen. Zu angenehm sollte man es den Bakterien also nicht machen, und die Lebensmittel am besten gleich nach dem Einkauf in einer Kühltasche nach Hause bringen.

Tatort Mehrzweck-Tasche

Wer sein verschwitztes Sportgewand auch in der Stofftasche ausführt, ist gut beraten, sich dafür eine eigene zuzulegen. Denn Bakterien der Art Staphylococcus aureus gesellen sich gerne zu E. coli und den Enterobactern in den Taschen. S. aureus ist ein natürlicher Hautbewohner von Mensch und Tier. Er kann sich jedoch im Sportgewand und später in der Tasche vermehren, da er unempfindlich gegenüber trockenem Siedlungsgebiet wie Stoff- und Polypropylenbeutel ist. Wenn er später auf die Lebensmittel wandert, die roh genossen werden, kann er schweren Durchfall und Erbrechen vor allem bei Kindern auslösen. Obwohl er nicht in den untersuchten Taschen anzufinden war, ist also auch S. aureus ein heißer Kandidat für die Einkaufstaschen-Kontamination.

Tipps zum richtigen Einsatz von wiederverwendbaren Einkaufstaschen

  • Frische oder gefrorene rohe Fleischwaren und Fische sollten separat von Obst und Gemüse sowie anderen verzehrsfertigen Lebensmitteln befördert werden.
  • Die wiederverwendbaren Einkaufstaschen zumindest einmal pro Woche waschen.
  • Wenn aus den Lebensmitteln, besonders aus Fleisch und Fisch, Flüssigkeit ausgetreten ist, sollte man gleich nach dem Einkauf einen Waschgang einlegen.
  • Wäscht man die Stofftaschen bei mindestens 60 °C mit konventionellem Waschpulver in der Waschmaschine, wird die Bakterienanzahl zu fast 100 % reduziert.
  • Sind die Einkaufstaschen nicht für die Waschmaschine geeignet, sollte man sie regelmäßig mit heißem Seifenwasser mit der Hand waschen.
  • Die Stofftaschen nicht im Kofferraum des Autos aufbewahren - dort vermehren sich die Keime prächtig.
  • Die dünnen Plastiksackerl in der Obst- und Gemüseabteilung bieten sich als vorüber-
    gehender Schutz an, in den die frischen Fleisch- und Fischwaren verpackt werden können.
  • Einkaufstaschen sollten nur für den Einkauf und nicht z. B. als Turnbeutel verwendet werden, um die Lebensmittel nicht mit S. aureus zu kontaminieren.


Literatur

Gerba CP, Williams D, Sinclair RG: Assessment of the Potential for Cross Contamination of Food Products by Reusable Shopping Bags. uanews.org/pdfs/GerbaWilliamsSinclair_BagContamination.pdf (Zugriff am 20.7.2010).

Health Canada, 2010. Food Safety Tips for Reusable Grocery Bags and Bins. http://www.hc-sc.gc.ca/fn-an/securit/kitchen-cuisine/reusable-bags-sacs-reutilisable-eng.php (Zugriff am 20.7.2010).

AGES: Nationale Referenzzentrale und Nationales Referenzlabor für Escherichia coli einschließlich Verotoxin bildender E. coli. http://www.ages.at/ages/ueber-uns/humanmedizin/referenzzentralen/rz-escherichia-coli-vtec-ehec/ (Zugriff am 20.7.2010).

Giezendanner N et al.: Rohmilch-assoziierte Staphylococcus aureus Intoxikation bei Kindern. Schw. Arch. Tierheil. 151(7): 329-331 (2009).

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