16.02.2016 von Elisabeth Rudolph

Eltern als Vorbild

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm! Das gilt auch für ein gesundes Essverhalten unserer Kleinen. Kinder beobachten gerne und ahmen nach, was die Großen machen. Doch was können die Großen tun, damit aus Kindern abwechslungsreiche Esser werden?

Kinder orientieren sich an Ihren Eltern, auch beim Essen. Sie sind deshalb in Ihrer Rolle als Vorbild gefordert. Essen Eltern von überall ein bisschen etwas, also abwechslungsreich und ausgewogen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es ihnen die Kinder gleichtun. Sogar unbekannte Lebensmittel akzeptieren die Kleinen eher, wenn sie positive Vorbilder haben. Ein neues Gemüse oder eine neue Beilage probieren sie viel lieber, wenn sie andere davon essen oder zumindest kosten sehen und die das Unbekannte für gut befinden. Nachahmen findet allerdings nicht statt, wenn das Umfeld nicht passt. Das kann ein hektischer Alltag genauso sein wie häufiges Auswärts-Essen. Dann ist kein Raum für Imitation und ohne ihr lernen die Kinder weniger neue Nahrungsmittel kennen und haben geringere Chancen, sich mit ihnen auseinander zu setzen.

Wissenswert

Kleinkinder lehnen vorerst unbekannte Nahrungsmittel ab. Dieses Verhalten bezeichnet man als Neophobie. Unter einem Jahr ist sie noch schwach ausgeprägt. Danach helfen Kindern positive Geschmackserfahrungen und ein vielfältiges Angebot, sich auf neue Nahrungsmittel einzulassen. Kinder gewöhnen sich nur langsam an einen neuen Geschmack. Damit Unbekanntes akzeptiert wird, muss es mindestens fünf bis zehn Mal angeboten werden.

Lernen durch Beobachten

Untersuchungen an Familien haben gezeigt, dass der elterliche Obst- und Gemüseverzehr den Gusto der Sprösslinge beeinflusst. Denn Kinder ändern in erster Linie ihr Verhalten durch Beobachten. Essen die Eltern also mehr Obst und Gemüse, greifen die Kleinen ebenfalls öfter zu. Kinder sind von Natur aus neugierig und wollen auf Entdeckungsreise gehen. Fördern Sie diese angeborene Eigenschaft, indem Sie gemeinsam Bilderbücher oder Filme über Nahrungsmittel anschauen. Auch Ihr grüner Finger ist gefragt. Pflanzen Sie zusammen mit Ihrem Kind einfache Gemüsesorten an. Die Ernte ist ein Erlebnis und macht Kinder mit dem Gemüse vertraut. Wenn ihr Kind dann immer noch kein Gemüse essen möchte, dann verwandeln sie es in ein lustiges Tier. Auch Kinder essen gerne mit den Augen.

Experimentieren erlaubt

Erlauben Sie Ihrem Kind mit neuen Nahrungsmitteln zu experimentieren. Vor allem im ersten und zweiten Lebensjahr will es Nahrungsmittel nicht nur schmecken, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Eine Banane schälen, einen Apfel schneiden oder Trauben abzupfen. Das alles lässt sich ganz leicht von Kinderhand erledigen. Darüber hinaus macht es Spaß und spricht alle Sinne an.

Die Menge macht’s

Auch die Portionsgröße beeinflusst das Essverhalten. Kinder, die zum Mittagessen eine doppelt so große Portion Karotten wie sonst erhielten, haben schlussendlich 47 % mehr davon gegessen. Die Kalorienmenge ist dabei gleich geblieben, das heißt, von den anderen Beilagen wurde entsprechend weniger gegessen. Wer also der ganzen Familie regelmäßig größere Gemüseportionen serviert, trägt zu einem ausgewogenerem Essverhalten bei. Achten Sie auf vielfältiges Angebot, bunte Farben und einen schön angerichteten Teller.

Verbote sind verboten

Verbote bestimmter Nahrungsmittel machen diese in den Augen der Kinder erst recht interessant. Kinder verlangen verstärkt nach dem jeweilig Besonderen. Untersuchungen zeigen, dass Kinder, die mit vielen Essensverboten aufwachsen, im späteren Leben eher zu Übergewicht neigen als andere Kinder. Schließlich stören Verbote das Hunger- und Sättigungsgefühl. Leben die Eltern dagegen einen genuss- und maßvollen Umgang mit der breiten Palette an Lebensmitteln vor, so lernt auch der Nachwuchs Vielfalt und Abwechslung zu schätzen.

Tipps, um ein gutes Vorbild zu sein:

  • Essen Sie selbst abwechslungsreich.
  • Bieten Sie eine Vielfalt an Nahrungsmitteln an.
  • Bieten Sie unbekannte Nahrungsmittel mindestens fünf bis zehn Mal an.
  • Ermutigen Sie Ihr Kind, Obst und Gemüse zu essen, üben Sie jedoch keinen Druck aus.
  • Das Auge isst mit: Richten Sie das Essen attraktiv an und beziehen Sie Ihr Kind in die Dekoration des Tellers mit ein.
  • Achten Sie auf eine freundliche Atmosphäre beim Essen.
  • Halten Sie regelmäßige Essenszeiten ein.
  • Ihr Kind soll selbst entscheiden, wann es hungrig oder satt ist.

Literatur

Savage JS, Fisher JO, Birch LL: Parental Influence on Eating Behavior: Conception to Adolescence. Journal of Law, Medicine and Ethics 22-31  (2007).

Gibson EL et al.: A narrative review of psychological and educational strategies applied to young children’s eating behaviours aimed at reducing obesity risk. Obesity Reviews 13(1):85–95 (2012).

EUFIC Food Today 09/2012: Einfluss der Eltern auf Lebensmittelvorlieben.

http://www.eufic.org/article/de/artid/Einfluss-der-Eltern-auf-Lebensmittelvorlieben/

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