09.06.2017 von Nina Grötschl

Erdbeeren – Rot hat Saison

Erdbeeren gelten als „Königinnen der Früchte“ – und das bereits seit Jahrtausenden. Auch heute stehen sie in der Hitliste der heimischen Obstsorten weit oben. Worauf ist beim Kauf und Umgang mit ihnen zu achten? Und welchen gesundheitlichen Mehrwert bringen sie? Die roten Früchte im Portrait.

In Österreich liegt der Pro-Kopf-Konsum bei knapp 3,5 kg pro Jahr. Heimische Erdbeeren haben von Ende Mai bis in den August hinein Saison. Importware beispielsweise aus Spanien, Italien, Ägypten oder Marokko ist hingegen beinahe das ganze Jahr über erhältlich. Doch die weitgereisten Erdbeeren sind in der Regel weniger aromatisch und büßen durch lange Transportwege auch an Inhaltsstoffen und Frische ein. Zudem belasten sie die Umwelt und das Klima: Pro Schale spanischer Erdbeeren (500 g) fallen zum Beispiel etwa 880 g Treibhausgase an. Wer das volle Erdbeer-Aroma genießen und dazu die Umwelt nicht zusätzlich belasten möchte, greift am besten zum regionalen Angebot, sobald die kleinen Früchte reif sind.

Erdbeer-Geschichte

Die Geschichte der roten Beeren reicht weit zurück – bis in die jüngste Steinzeit, wie Funde der ursprünglichen Walderdbeere (Fragaria vesca) belegen. In der Antike lobten u. a. die römischen Dichter Vergil und Ovid die kleine Frucht in ihren Werken. Im 14. Jahrhundert dienten Walderdbeeren als Köstlichkeit für Adelige und galten als kulinarische „Entschädigung“ für Geistliche, die der Sinnlichkeit in allen Belangen entsagen mussten. Erst vor ca. 250 Jahren gelang es, die beliebte Gartenerdbeere zu züchten. Sie ist eine Kreuzung zwischen der wilden Scharlacherdbeere und der großfruchtigen Chile-Erdbeere, die aus Nord- und Südamerika stammten. Die „Gartenerdbeere“ ist die „Urmutter“ aller Erdbeeren - groß, blutrot und kegelförmig. Heutzutage wird sie beinahe auf der ganzen Welt angebaut und gezüchtet. 

Wissenswert

Früher wurde die Gartenerdbeere aufgrund ihrer typischen Form oft als „Ananas“ bezeichnet. In Österreich und Teilen Deutschlands ist dieser veraltete Begriff nach wie vor in Gebrauch.

Zahlreiche Neuzüchtungen ermöglichen es, Erdbeeren in unterschiedlichen Höhenlagen und unter den jeweiligen klimatischen Bedingungen anzubauen und transportfähig zu machen. Die Sortenvielfalt der Früchte ist beeindruckend: Es gibt mehr als 1.000 verschiedene Erdbeerarten. Davon gerieten jedoch rund 90 % im Laufe der Zeit in Vergessenheit, da sich nur wenige Sorten für den intensiven Anbau eignen. Je nach Sorte reicht das Form- und Farbspektrum von rundlich, spitz, oval bis weiß, hellgelb oder dunkelrot.

Wissenswert

Die Arche Noah ist ein Verein zur Erhaltung und Verbreitung alter Gemüse- und Obstsorten und widmet sich auch in Vergessenheit geratener Erdbeersorten, wie „Little Scarlett“ (sehr klein, dunkelrot), „Mieze Schindler“ (dunkelrot, glänzend) oder „May Queen“ (weißfleischig, Marillen-artiger Geschmack). Möchten man „alte“ Sorten im eigenen Garten anbauen, kann man das Saatgut über die Arche Noah beziehen.

Beliebte Erdbeerarten…

„Elsanta“: Die bekannteste Erdbeersorte, typisch süßlicher Geschmack, leuchtend rot, saftiges Fruchtfleisch, lagerfähig; Reifezeit beginnt Ende Mai

„Madeleine“: Frühsorte (reift ca. eine Woche vor „Elsanta“), länglich, kegelförmig, weiches Fruchtfleisch, tief sitzende „Nüsschen“; gedeiht auch auf nährstoffarmen Boden.

„Darselect“: hell- bis mittelrote Erdbeeren, länglich, festes Fruchtfleisch, lagerfähig

„Kimberly“: große Früchte, kegelförmig, hellrot, glänzend

„Symphony“: Spätsorte (reift ca. eine Woche nach „Elsanta“), leicht säuerlicher Geschmack, hoch liegende „Nüsschen“, mittelrote Erdbeere, glänzend

„Florence“: Spätsorte, dunkelrot, sehr große Erdbeere, sehr druckempfindlich

Rotes „Drumherum“ nur zum Schein           

Botanisch gesehen ist die Erdbeere gar keine echte Beere, sondern eine „Sammelnussfrucht“. Denn die kleinen grünlich gelben Punkte („Nüsschen“) auf der roten Oberfläche sind die eigentlichen Früchte. Beim schmackhaften Fruchtfleisch handelt es sich lediglich um den nach vorne gewölbten Fruchtboden. 

Wissenswert

Erdbeeren bestehen zwar zu rund 90 % aus Wasser, schmecken jedoch sehr aromatisch. Ihr Geschmack intensiviert sich, je mehr Sonne die Früchte tanken, bevor sie geerntet werden. Durch das Sonnenlicht steigt der Anteil an Fruchtsäure, Fruchtzucker sowie Aromastoffen.

Rote Vitaminbomben             

Abseits des Geschmacks punkten Erdbeeren vor allem durch ihren Vitamin-C-Gehalt. Mit 65 mg/100 g rangiert sie neben Johannis- und Sanddornbeeren sowie Hagebutten in den Top 10 der Vitamin-C-Lieferanten. Damit überholt die rote Frucht sogar Zitrusfrüchte wie Grapefruits oder Zitronen. Bereits eine halbe Schale frischer Erdbeeren (ca. 125 g) deckt den empfohlenen Tagesbedarf von ca. 100 mg zu 80 %. Nach Trockenfrüchten liefern frische Erdbeeren auch eine beachtliche Menge an Vitamin K und Eisen. Zwei Portionen Erdbeeren zu je 125 g decken der Tagesbedarf des Vitamins zu knapp 50 %, die gleiche Menge Früchte deckt 24 % des täglichen Eisenbedarfs. 

Tipps für den Einkauf:

    • Erdbeeren reifen nicht nach! Greifen Sie nur zu reifen Früchten, da unreife Erdbeeren meistens schal schmecken und mitunter sehr fest sind. Unreife Früchte erkennt man an grünlichen Stellen und weißen Fruchtspitzen.Überreife Früchte sind meist matt und weich. Zudem sind ihre Kelchblätter welk und die Stiele vertrocknet.
    • Achten Sie auf faulige Stellen und Schimmelbildung in der (Plastik-)Schale.
    • Verzichten Sie beim Kauf auf Erdbeeren, die in der Sonne stehen bzw. gestanden haben, da sie durch die Hitze rascher weich und anfällig für Schimmelbildung werden.
    • Erdbeeren sind äußerst druckempfindlich. Auf keinen Fall sollten die Beeren zu dicht aufeinander liegen. Für den Transport nach Hause empfiehlt sich ein flacher Korb, der mit einem weichen Küchentuch ausgelegt ist.

    Tipps für die Lagerung:

    • Erdbeeren büßen durch Druck, Staunässe und Kälte oft an Aroma und Nährstoffen ein. Deshalb sollten sie so rasch wie möglich verzehrt werden.
    • Exemplare mit schimmeligen Stellen müssen unbedingt aussortiert und entsorgt werden. Die Sporen des Schimmelpilzes übertragen sich aufgrund des hohen Wasseranteils der Frucht leicht auf die übrigen Erdbeeren.
    • Müssen die Früchte länger aufbewahrt werden, ruhen sie am besten im Gemüsefach des Kühlschranks. Damit sie so trocken wie möglich bleiben, legt man sie ungewaschen und nebeneinander gereiht auf ein saugfähiges Küchenpapier.

     

    Wissenswert

    Lieber Baden statt Duschen! Die roten Früchte sollten nicht unter fließendem Wasser gereinigt werden, da sie durch den Wasserstrahl leicht wässrig und matschig werden können. Damit die Erdbeeren intakt bleiben, badet man sie am besten in einer Schüssel mit frischem Wasser und lässt sie in einem Sieb abtropfen

    Ab in den Kälteschlaf

    Möchte man Erdbeeren das ganze Jahr über genießen und nicht auf Importware zurückgreifen, lagern sie am besten im Tiefkühler. So funktioniert´s

    • Sortieren Sie vor dem Einfrieren überreife und schimmelige Erdbeeren aus.
    • Damit man die tiefgekühlten Beeren einzeln entnehmen kann, ohne dass sie aneinanderkleben, friert man sie am besten „vor“. Ordnen Sie dafür die gewaschenen und geputzten Früchte auf einem Küchenbrett oder in einer flachen Schale so an, dass sich die Erdbeeren nicht gegenseitig berühren.        
    • Auch pürierte Erdbeeren eigenen sich portionsweise gut zum Tiefkühlen.

     
    Lesen Sie hier mehr über das Konservieren von Lebensmitteln.

     

    Literatur

    FOOD – Die ganze Welt der Lebensmittel. Teubner Verlag, München (2011).
    Lieberei R, Reisdorff C, Franke W: Nutzpflanzenkunde. Thieme Verlag, Stuttgart (2007).
    Nutritional-software.at: Nährwert-Suche
    . (Zugriff am 02.06.2017).
    Statista.com: Pro-Kopf-Konsum von Erdbeeren in Österreich in den Jahren 2006/7 bis 2015/16 (Zugriff am 02.06.2017).
    AMA Marketing GesmbH: Heimische Erdbeersaison startet. Presseinformation am 12. Mai 2015.
    Phenol-Explorer: Database on polyphenol content in foods (Zugriff am 02.06.2017).
    Souci SW, Fachmann W, Kraut H: Die Zusammensetzung der Lebensmittel. Nährwert-Tabellen. Scientific Publishers, Stuttgart (2000). 

    Ausblick 8. f.eh Symposium am 10.10.2019
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