22.05.2015 von Barbara Stadlmayr

Essbare Insekten: Ist die Zeit reif?

Insekten werden weltweit von rund 2 Milliarden Menschen konsumiert. Sie sind ein guter Eiweißlieferant und seit geraumer Zeit haben Käfer, Heuschrecken und Wanzen auch die Aufmerksamkeit in unseren Breiten geweckt. Unsere Lust zuzugreifen hält sich dennoch in Grenzen. Warum?

Während Menschen in westlichen Ländern oftmals mit Ablehnung und Ekel gegenüber den Verzehr von Insekten reagieren, werden sie in andere Kulturen als Delikatesse gesehen. Eine kürzlich veröffentliche Studie von der Universität Wageningen in den Niederlanden und der Universität Kasetsart in Thailand untersuchte die kulturellen Unterschiede.

29 Personen aus den Niederlanden, wo Insekten normalerweise nicht gegessen werden, und 25 Personen aus Thailand, wo sie häufig am Speiseplan stehen, beteiligten sich an der Studie. Insgesamt gab es acht Fokusgruppen, basierend auf den individuellen Erfahrungen der Teilnehmer. Sie diskutierten über individuelle Erfahrung und Wissen, Gründe für oder gegen das Essen von Insekten, bewerteten Insektenbilder und die Optik der Speisen und nahmen an einer Verkostung teil.

Die Ergebnisse der Studie zeigten: Die Akzeptanz von Insekten oder Insektenspeisen variiert stark. So hängt die Motivation, sie zu essen, vor allem vom Umfeld ab. Regelmäßiger Verzehr von Grillen, Läusen oder Raupen innerhalb der Familie sowie positive Esserfahrungen sind Gründe, warum Thailänder Insekten bevorzugen. Niederländer greifen vorwiegend zu, weil sie neugierig sind oder weil sie Insekten als gute Eiweißquelle und Fleischalternative sehen.
Weitere Unterschiede gab es zwischen den Teilnehmern, die sich selbst als „Nicht-Insektenesser“ eingestuft haben. Während die Niederländer schlichtweg nicht mit diesen Lebensmitteln vertraut waren, haben sich die Thailänder aktiv gegen den Verzehr entschieden. Ihnen schmeckten die Insektenspeisen nicht oder sie waren allergisch.
Ob die Teilnehmer bereit waren zu kosten, hing vor allem von der Art der Zubereitung und der Optik der Speisen ab. Je weniger sichtbar die Insekten waren, desto größer war die Akzeptanz. So wurden Kekse mit gemahlenen Käfern oder Wasserwanzen versteckt in Chillisauce eher gekostet als frittierte Heuschrecken oder Muffins mit ganzen Mehlwürmern.

Warum sollten wir überhaupt Insekten essen?

Die Bevölkerung wächst stetig, bis 2050 rechnet man mit 9 Milliarden Menschen. Dieses Wachstum übt Druck auf unsere Umwelt und unsere Agroökosysteme aus. Warum gerade Insekten zur Lösung dieses Problems beitragen können hat laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) viele Gründe: Insekten sind gute Eiweißlieferanten und enthalten viele wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren. Aber vor allem brauchen sie weniger Futter als z. B. Rinder, Schafe oder Schweine, um dieselbe Menge an Eiweiß zu produzieren. Zudem stoßen sie weniger Treibhausgase und Ammoniak aus. Ginge es nach der FAO, sollten in Zukunft auch die westlichen Länder verstärkt Insekten essen.
Aber kann das auch wirklich funktionieren? Ist es realistisch, dass sich der Verzehr in unserer Kultur etabliert? Welche Mengen an Insekten müssten anstelle von Hühnern, Rind oder Schweine gegessen werden, damit der Konsum einen nachhaltigen Unterschied macht? Und wie sieht es mit dem Geschmack aus? Bleibt der auf der Strecke? Oder lässt sich der Eiweißbedarf nicht auch über eine (vorwiegend) vegetarische Kost decken?
Laut den Studienautoren aus Wageningen und Kasetsart braucht es zur Promotion von Insekten als Lebensmittel in westlichen Ländern weitere Produktentwicklungen, vor allem im Hinblick auf visuelle und sensorische Eigenschaften. Gesundheits- und Nachhaltigkeitsaspekte sind zwar die Hauptinteressen in der europäischen Bevölkerung, aber alleine damit lassen sich kulturelle und individuelle Barrieren nicht überwinden.

Wie sieht die „Insekten-Lage“ in Österreich aus?

Während in Ländern wie den Niederlanden und Belgien Insekten bereits in Supermärkten angeboten werden, ist das in Österreich noch nicht der Fall. Der Verein „Speiseplan“ (www.speiseplan.wien) setzt sich dafür ein, dass essbare Insekten auch in Österreich als sichere Lebensmittel erkannt werden. Dazu werden regelmäßig Vorträge, Kochkurse und Ausstellungen gehalten sowie an der Entwicklung von Lebensmitteln mit und aus essbaren Insekten geforscht.

Fakten zu Insekten:

  • Entomophagie bezeichnet den Verzehr von Insekten durch Menschen.
  • Insekten tragen zur Ernährung von rund zwei Milliarden Menschen bei, vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika.
  • Über 1900 essbare Insektenspezies werden weltweit konsumiert, die Mehrzahl der bekannten Arten wird in der Wildnis eingefangen.
  • Die am häufigsten verzehrten Insekten sind laut FAO: Käfer (31 %), Raupen (18 %), Bienen, Wespen und Ameisen (14 %), Grashüpfer, Heuschrecken und Grillen (13 %), Zikaden, Wanzen und Pflanzenläuse (10 %), Termiten (3 %), Libellen (3 %), Fliegen (2 %) und andere Gattungen (5 %).
  • Was spricht für den Verzehr von Insekten?

    Umweltrelevante Vorteile:

     . Sie  sind effizient bei der Umwandlung von Futter zu Fleisch.

     . Sie produzieren weniger Treibhausgase im Vergleich zu anderen Tieren.

     . Sie haben einen deutlich geringen Wasserbedarf als die konventionelle Tierhaltung.

    Gesundheitlicher Nutzen:

     . Verglichen mit Fleisch und Fisch haben Sie ein qualitativ hochwertiges Eiweiß.

     . Sie enthalten reichlich Ballaststoffe und Mineralstoffe wie Magnesium, Phosphor,              Mangan und Zink.


Literatur

Tan HSG, Fischer ARH, Tinchan P, et al.: Insects as food: Exploring cultural exposure and individual experience as determinants of acceptance. Food Quality and Preference 42: 78-89. (2015).

EUFIC: Eating insects: cultural and individual experiences affect perception and acceptance (2015). URL: http://www.eufic.org/page/de/show/latest-science-news/page/LS/fftid/Eating_insects_cultural_and_individual_experiences_affect_perception_and_acceptance/ (Zugriff am 21.05.2015).

FAO: Der Beitrag von Insekten zur Nahrungssicherung, Lebensunterhalt und Umwelt. Informations-Leitfaden (2013). URL: http://www.fao.org/docrep/018/i3264g/i3264g.pdf (Zugriff am 21.05.2015).

www.fao.org/forestry/edibleinsects/en (Zugriff am 21.05.2015).

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