04.04.2016

Essen am Abend macht dick?

Die einen praktizieren Dinner Cancelling, die anderen folgen dem Leitsatz „Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König und Abendessen wie ein Bettler“. Essen am Abend macht dick, oder doch nicht? Was ist an diesen Aussagen dran und sollte man abends wirklich nur wie ein Bettler essen, um das Körpergewicht langfristig halten zu können?

Die Meinung, dass man sich abends mit dem Essen zurückhalten, oder es am besten gleich weglassen soll, ist weit verbreitet. Besonders schlimm sei der abendliche Verzehr von Kohlenhydraten. Eine Mahlzeit am Abend ließe die Fettpölsterchen wahrlich sprießen. Anhänger des Dinner Cancellings raten dazu, nach 16:00 Uhr keine Mahlzeiten mehr zu sich zu nehmen. Das soll helfen, um überschüssige Kilos besser in den Griff zu bekommen.

Wissenswert

Der Begriff Dinner Cancelling, wörtlich übersetzt mit „das Abendessen ausfallen lassen“, bezeichnet eine Diätform, bei der auf die Mahlzeit am Abend zur Gänze verzichtet wird, abhängig vom Tagesrhythmus. Es darf nur noch getrunken werden und auch hier stehen hauptsächlich Wasser oder ungesüßte Tees am Programm. Bis zur nächsten Nahrungsaufnahme sollen in etwa 14 Stunden vergehen. Dies soll durch die vermehrte Produktion bestimmter Hormone, etwa Melatonin und Somatropin, Anti-Aging-Effekte haben und zudem die Gewichtsreduktion erleichtern.

Kein Zusammenhang erkennbar

Die Daten aus Studien sind rar und widersprüchlich und die Zusammenhänge zwischen Nahrungsaufnahme am Abend und Gewichtszunahme nicht nachvollziehbar. Immer wieder wird der Link zu Übergewicht oder anderen Erkrankungen des Stoffwechsels hergestellt. Studien aus den USA zeigten, dass sich die Nahrungsaufnahme am Abend auf die Entwicklung des Körpergewichtes nicht auswirkt. Eine höhere Zahl an Mahlzeiten ist sogar mit einem niedrigeren Risiko für Übergewicht verbunden. 

Zum Anhören in aller Kürze:

"Essen am Abend macht dick?"
                                                  

Die Kalorienmenge macht’s

Ob man zu- oder abnimmt oder sein Körpergewicht hält, hängt davon ab, wie viel man generell über den Tag verteilt isst und natürlich davon, wie viel man sich bewegt. Stichwort: ausgeglichene Energiebilanz. Die Essenszeit ist für den Körper und seine Verdauungsarbeit dagegen nebensächlich.  Warum sich das Essen am Abend bei manchen anlegt, liegt wohl am ehesten daran, dass oft der Überblick über das Gegessene verloren geht. Bei angeregter Unterhaltung im Freundeskreis, kombiniert mit einem appetitanregenden Gläschen Wein, wird die tatsächliche Menge oft unterschätzt. Ganz zu schweigen von Knabbereien, die vor dem Fernsehapparat gedankenverloren nebenher verzehrt werden. Und achtloses Essen wurde mittlerweile als ein Schlüsselfaktor für eine zu hohe Energieaufnahme erkannt.

TIPP FÜR ZWISCHENDURCH:

Berufstätige, die sich tagsüber kaum Zeit zum Essen nehmen, kommen oft mit einem Heißhunger nach Hause und beginnen dann den Kühlschrank zu plündern. Planen Sie deshalb bewusst eine kleine Zwischenmahlzeit untertags ein.

Fazit

Essen am Abend macht nur dann dick, wenn generell zu viel gegessen wird und man sich zu wenig bewegt. Worauf man am Abend achten kann? Wer mit vollem Magen schlecht schläft, sollte die letzte Mahlzeit in etwa zwei bis drei Stunden vor dem Zu-Bett-Gehen genießen. Welche Uhrzeit das konkret ist, hängt sehr vom persönlichen Tagesrhythmus ab.

 

Literatur

Kinsey AW, Ormsbee MJ: The health impact of nighttime eating: old and new perspectives. Nutrients 7: 2648 – 2662 (2015).
Kant AK et al.: Evening eating and subsequent long-term weight change in a national cohort. Int J Obes Relat Metab Disord 21: 407–412 (1997).
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Macht spätes Essen dick? DGEinfo, 3 (2006).
Mörixbauer A, Groll M: Die 50 größten Diät-Lügen. Hubert Krenn VerlagsgesmbH, Wien (2005).

 

 

 

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