26.11.2012 von Nina Grötschl

Fettsteuer als Präventionsansatz fehlgeschlagen

Die Fettsteuer wurde in Dänemark vor einem Jahr eingeführt. Sie sollte die Dänen zu einer gesünderen Ernährung erziehen. Durch die Extrabesteuerung sind Milchprodukte, Schokolade, Convenience-Gerichte und Fleisch kostspieliger geworden; das Ernährungsverhalten hat sich jedoch nicht geändert. Jetzt hat die dänische Regierung die Fettsteuer wieder gestrichen.

Als erstes Land weltweit führte Dänemark im Oktober 2011 eine Steuer auf gesättigte Fettsäuren in Lebensmitteln ein. Produkte, deren Gehalt an gesättigten Fettsäuren über 2,3 % lag, wurden empfindlich teurer: Pro Kilogramm gesättigter Fettsäuren stieg der Preis um 2,15 Euro an. Milch(-produkte), Schokolade, Fertiggerichte und auch Fleisch wurden dadurch kostspieliger. Neben einer Reduktion von Übergewicht versprach sich die dänische Regierung dadurch auch zusätzliche Einnahmen für die Haushaltskasse. Doch vergebens: Die Fettsteuer zeigte keine Wirkung auf das Ernährungsverhalten der Dänen und strapaziert die Geldbörse; gerade für Geringverdiener.

Teures Experiment

Haushalte mit geringerem Einkommen geben einen höheren Anteil ihres Budgets für Lebensmittel aus als Haushalte mit höherem Einkommen. Somit trifft eine Fettsteuer Haushalte mit geringerem Einkommen stärker und sie haben weniger Geld für andere Aspekte eines gesunden Lebensstils zur Verfügung.

Professor Jutta Roosen von der Technischen Universität München erläuterte jedoch bei einem Workshop des Kompetenznetzes Adipositas und des „Nationalen Genomforschungsnetzes plus" Ende Oktober 2012 in Berlin, dass bei der Fettsteuer ausgerechnet die Höhe der Steuer entscheidend ist, um das Ernährungsverhalten der Bürger zu beeinflussen. "Ökonomische Analysen haben gezeigt, dass die Fettsteuer auf Verbraucherebene wenig Wirkung zeigt. Um eine Verhaltensänderung zu bewirken, sind größere Preisaufschläge notwendig", so Roosen.

Hamsterkäufe im Ausland

Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit zu reagieren: Die Dänen kauften fetthaltige Lebensmittel aus Kostengründen in Deutschland ein und stockten so - möglichst günstig - ihre Vorräte auf.

Nur ein Puzzlestein

"Die Erhebung einer Fett- oder Zuckersteuer kann nur ein Instrument zur Prävention von Adipositas sein", so das Fazit von Roosen beim Adipositas-Workshop. Ebenso kritisch äußert sich Mag. Petra Lehner (Bundesministerium für Gesundheit) im Rahmen des f.eh-Symposiums „Freiheit oder Fremdbestimmung: Wie privat ist Essen?" im Juni 2012 zu fiskalpolitischen Maßnahmen: „Steuern steuern nicht!". Mögliche Effekte durch eine Besteuerung von zucker- und fettreichen Lebensmitteln sind weder belegt noch ist durch sie eine deutliche Änderung des Trink- und Ernährungsverhaltens zu erwarten. Das zeigen nun auch die dänischen Erfahrungen. Dennoch wird die Erhebung von Steuern auf Fett und Zucker in Nahrungsmitteln als gesundheitsfördernde Maßnahme derzeit diskutiert.

Um eine Veränderung des Ernährungsverhaltens zu bewirken, bedarf es in erster Linie mehr Bildung und mehr Bildungschancen. Denn informierte Konsumenten wissen, selbstverantwortlich und situationsbedingt vernünftige (Ess- und Trink-)Entscheidungen zu treffen.

Mehr zum Thema:

ernährung heute 2_2012: Der Preis des Essverhaltens.
Gruber M: Fettkonsum (be-)steuern. ernährung heute 1: 12-13 (2011).

Literatur

Fettsteuer als Präventiosnansatz - Dänemark sagt nein. Aid-Newsletter am 21.11.2012.

Rückblick 8. f.eh Symposium am 10.10.2019
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