07.09.2017 von Elsiabeth Rudolph

Fipronil: Gift, das in den Eiern steckt

Nahezu täglich liest man neue Schlagzeilen über Fipronil. Der Skandal um dieses Mittel breitet sich sukzessive auf immer mehr Staaten aus. In Holland hat es begonnen, Belgien und Deutschland folgten, auch Österreich war über eingeführte Produkte rasch davon betroffen. Wie ist der momentane Stand der Dinge?

Seit kurzem weiß man, Fipronil wurde bislang in 45 Ländern nachgewiesen. 26 der 28 EU Staaten meldeten Rückstände in Ei und Eiprodukten. Auch in der Schweiz, Norwegen und Lichtenstein fanden die Behörden belastete Proben. Neuesten Nachrichten zufolge wurde man auch in den USA, Russland, Südafrika, der Türkei, sowie Irak und Hongkong fündig.

Als Pflanzenschutzmittel eingesetzt

Worum geht es bei dem Skandal eigentlich?
Fipronil ist ein Insektengift und Pflanzenschutzmittel. Bei Haustieren wie Hunden und Katzen wird es gegen Läuse, Flöhe, Zecken und Milben verwendet. Hier ist es erlaubt. Verboten ist es dort, wo Lebensmittel hergestellt werden: In Ställen, in denen Hennen Eier legen, Kühe Milch geben und Tiere zur Fleischproduktion gehalten werden. In der Landwirtschaft ist es nur noch vereinzelt erlaubt, da Fipronil auch für Honigbienen giftig ist. 2013 hat die EU deshalb beschlossen, die Anwendung des Mittels zu beschränken. Auf Maisfeldern z.B. darf die Chemikalie deshalb nicht mehr verwendet werden.

Keine Gefahr durch Eier, Kuchen und Co

Gesundheitsagenturen sind sich einig: Fipronil ist in den vorgefundenen Mengen nicht krebserregend oder erbgutschädigend. Allergien und Hautirritationen löst es ebenfalls nicht aus. Bei den bisher gemessenen Gehalten in den Lebensmitteln geht keine Gefahr für den Menschen aus. Die gute Nachricht ist also: Das Frühstücksei darf auch weiterhin gegessen werden.
Auch eihältige Produkte könnten Fipronil enthalten. Zumindest theoretisch, denn die Werte in Kuchen, Nudeln, Mayonnaise und Co sind zu gering, um von den Messgeräten erfasst zu werden. Geht man von einer minimalen Menge aus, müsste ein Erwachsener etwa drei Kilogramm Eis oder Mayonnaise oder 14 Tortenstücke essen, um sich dem Grenzwert zu nähern.
Der Grenzwert für die Aufnahme des Insektenmittels liegt bei 0,72 mg/kg Körpergewicht. Was bedeutet das? Hier geht es um jene Menge, die tagtäglich mit der Nahrung aufgenommen werden kann, ohne schädlich zu sein. Bei den bisher gefundenen Gehalten in Eiern und Eiprodukten besteht kein Grund zur Sorge. Der höchste Fipronilgehalt wurde in Belgien gemessen und lag bei 1,2 mg/kg Ei. Konkret heißt das nun:  Ein Kind mit rund 16 kg darf etwa zwei Eier pro Tag essen. Ein Erwachsener mit ca. 65 kg kann sogar sieben Eier essen, ohne den Grenzwert zu überschreiten. Würde man mehr davon essen, ist man nicht sofort gesundheitsgefährdet, da ein ausreichend hoher Sicherheitsfaktor eingerechnet wurde.

Wissenswert

Wie der Stoff genau wirkt, hat man nur in Tierversuchen untersucht. Für Tiere ist Fipronil ein Nervengift. Bei älteren Tieren ist die Wirkung umkehrbar. Das Insektenmittel könnte beim Menschen in hohen Dosen ebenfalls das Nervensystem angreifen, Haut und Augen reizen und zu Übelkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen führen. Bei den gemessenen Rückständen besteht jedoch keinerlei Gefahr für den Menschen.

Laufend Kontrollen

Sind Lebensmittel wie Eier oder Eiprodukte mit Fipronil über dem zulässigen Grenzwert belastet, werden sie umgehend aus den Regalen genommen.
Bis Anfang September 2017 wurden 229 Proben bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf Fipronilgehalte gemessen. 79 % der Proben waren rückstandsfrei. Reste fand man in 48 Proben aus dem Großhandel. Die Werte lagen aber um das Zehnfache niedriger, als die bislang gefundenen Höchstwerte in anderen Ländern. Betroffen waren Eiprodukte wie Flüssigei, Eiweißpulver, Eigelb oder Vollei. Die Produkte stammen aus Deutschland, Holland, Belgien und Dänemark. Vor allem die Gastronomie ist davon betroffen, da diese Produkte überwiegend dort verwendet werden. Im Lebensmittelhandel sind hauptsächlich Frischeier aus Österreich erhältlich. 

Wissenswert

Hierzulande sind hauptsächlich Frischeier aus Österreich im Lebensmittelhandel erhältlich.

Ei ist nicht gleich Ei

Wer wissen möchte, woher das gekaufte Ei stammt, kann sich über den „Quick Egg Check“  der österreichischen Eierdatenbank informieren. In Österreich, genauso wie in der gesamten EU, wird jedes Ei mit einem Code gekennzeichnet. Dieser fasst drei wichtige Informationen zusammen: Herkunftsland, Haltungsform und Legehennenbetrieb. Stammt das Ei z.B. aus Österreich, ist es mit dem Länderkürzel „AT“ versehen. Die Zahl dahinter steht für den Betrieb und die Haltungsform. Die Eierdatenbank bezieht sich jedoch nur auf frische Eier.

Wie kam Fipronil ins Ei?

Den Tieren wurde der Wirkstoff nicht verfüttert, denn das ist verboten. Wahrscheinlich gelangte Fipronil über ein Desinfektionsmittel, Dega-16, in die Ställe. Dega-16 soll unerlaubt Fipronil enthalten haben und dadurch besonders wirksam gegen Schädlinge gewesen sein. Über die Haut, das Gefieder aber auch beim Herumpicken ist das Insektengift vermutlich aufgenommen worden. Der Stoff reichert sich im Körper des Tieres relativ schnell an. Bei Hühnern sind vor allem die Eier betroffen: Fipronil ist fettliebend und sammelt sich vor allem im Dotter.

Wissenswert

Dega-16 gilt als „pflanzliches Wundermittel“ gegen Schädlinge, vor allem gegen die Rote Vogelmilbe. Diese Milbenart kriecht auf die Tiere, siedelt sich unter den Flügeln an und saugt das Blut der Tiere. Bei den Hühnern führt das zu Blutarmut, zusätzlich werden über die Milben auch Krankheiten übertragen. Die Rote Vogelmilbe gilt als besonders aggressiv und kann so manche Hühnerbestände ausrotten. Gegen einige Reinigungslösungen haben die Milben bereits Resistenzen entwickelt, deshalb war Dega-16 eine willkommene Alternative.

Fazit

Nach neuestem Stand sind bereits 45 Länder von Fipronilrückständen in Eiern und Eiprodukten betroffen. Die bisher höchsten Gehalte wurden in belgischen Proben gemessen und dienen für die Aufnahmegrenze als Berechnungsgrundlage. Hierzulande untersucht die AGES laufend Lebensmittel auf Rückstände des Wirkstoffs. Bisher wurden Reste des Insektenschutzmittels vor allem in Produkten für den Großhandel gemessen. Davon ist in erster Linie die Gastronomie betroffen, jedoch sind die Gehalte gering und stellen keine Gefahr für den Menschen dar. Im Lebensmitteleinzelhandel sind Frischeier hauptsächlich aus Österreich erhältlich.

Literatur

Bundesinsitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zu Fipronilgehalten in Lebensmitteln tierischen Ursprungs: www.bfr.bund.de/cm/343/fragen-und-antworten-zu-fipronilgehalten-in-lebensmitteln-tierischen-ursprungs.pdf (Letzter Zugriff am 05.09.2017)
Zeit Online: Was Sie über mit Fipronil belastete Eier wissen sollten: www.bfr.bund.de/cm/343/fragen-und-antworten-zu-fipronilgehalten-in-lebensmitteln-tierischen-ursprungs.pdf (Letzter Zugriff am 05.09.2017)
Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES): Pressemeldung vom 04.09.2017: Aktuelles zu Fipronil-Eiern: www.ages.at/service/service-presse/pressemeldungen/aktuelles-zu-fipronil-eiern/ (Letzter Zugriff am 05.09.2017)
derStandard.at: Frage & Antwort: Was ist Fipronil und wie schädlich ist es? derstandard.at/2000062568032/Frage-Antwort-Was-ist-Fipronil-und-wie-schaedlich-ist-es (Letzter Zugriff am 05.09.2017)
derstandard.at: Fipronil-belastete Eier in 45 Staaten gefunden. derstandard.at/2000063608349/EU-Minister-diskutieren-ueber-Eier-Skandal (Letzter Zugriff am 06.09.2017)
Österreichische Eierdatenbank: www.eierdatenbank.at/ (Letzter Zugriff am 06.09.2017)

 

 

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