09.12.2013 von Marlies Gruber

Fragen, Mythen und Irrtümer rund um Alkohol

Zum Thema Alkohol gibt es zahlreiche Fragen, die immer wieder auf den Tisch kommen. Ein kleines Potpourri an geklärten Ungewissheiten für die nächste Diskussion …

Verdampft Alkohol beim Kochen?

Jein. Ja, weil Alkohol verdampft. Nein, weil er nicht in dem Ausmaß verdampft, wie viele annehmen. Alkohol hat einen Siedepunkt von 78 °C. Welche Menge in die Dampfphase übergeht, hängt von Kochdauer, Zugabemenge und den anderen Zutaten ab. So erhöht z. B. Salz den Siedepunkt. Je nach Kochdauer können zwischen 4 und 85 % des Alkohols zurückbleiben. So waren in einem Hühnergericht mit Rotwein nach zehnminütigem Köcheln noch ca. 60 % des zugesetzten Alkohols nachweisbar, in einem Rotweinbraten nach zweieinhalb Stunden im Rohr immer noch 6 %. Verglichen mit dem Glas Wein zum Essen sind die Mengen allerdings fast unerheblich: 0,2 L Wein liefern etwa 20 g Alkohol, eine Portion dieser Speisen dagegen 0,2 bis 3 g.

Bier auf Wein, das lass sein. Wein auf Bier, das rat ich dir?

Das Sprichwort hat seinen Ursprung vermutlich im Mittelalter: Bier war das Getränk des Pöbels, Wein ein Getränk des Adels. Von Bier auf Wein zu wechseln, bedeutete einen Aufstieg, umgekehrt entsprach es einem sozialen Abstieg. Der Ratschlag kann eher als Metapher für die persönliche Entwicklung interpretiert werden und weniger als Katerprophylaxe.

Verstärkt „Durcheinandertrinken“ den Kater?

Wissenschaftlich ist das nicht belegt. Vielmehr kann auch beim Trinken die sensorisch-spezifische Sättigung ins Treffen geführt werden: Bleibt man bei einer Art von Getränk, nimmt der Gusto darauf mit der Zeit ab und die Trinkgeschwindigkeit verlangsamt sich – folglich auch die Trinkmenge. Werden dagegen verschiedene Getränke getrunken, hat der Gaumen eher Appetit auf mehr. Die einzigen „Evidence Based“-Maßnahmen bei Hangover sind übrigens Wasser, Zeit und Ruhe.

Wirkt Schnaps als „Fettspalter“?

Dass Hochprozentiges Fett löslicher machen soll, kommt wahrscheinlich aus der Kleiderreinigung, wenn Fettflecken z. B. mit Alkohol entfernt werden. Bei der Verdauung wurden in einer Untersuchung mit Gin, Wodka, Whisky oder Cognac keine angeregte Magensäuresekretion oder Magenentleerungsrate beobachtet. In diesen Alkoholika fehlen Substanzen wie fermentierte Glukose, Bierwürze oder sekundäre Pflanzenstoffe, die für die Verdauungsförderung verantwortlich gemacht werden. Zudem wird vermutet, dass eine höhere Alkoholkonzentration die Magenschleimhaut schädigt und es somit zu keiner Gastrinausschüttung und Magensäuresekretion kommt. Vermehrt produzierte Prostaglandine hemmen ebenfalls die Sekretion der Magensäure. Nichtsdestotrotz: Kräuterschnaps könnte aufgrund der pflanzlichen Inhaltsstoffe wirken.
Bier und Wein fördern jedenfalls die Ausschüttung von Magensäure und Gastrin. Genauso wie Kaffee. Der klare Schnaps dagegen beschert eher nur ein wohliges, berauschendes Gefühl und lenkt vom Völlegefühl ab.

Warum wirkt das Reparaturseidel?

Ein spezielles Kongener, das für Katerstimmung sorgt, ist Methanol. Ethanol und Methanol unterscheiden sich geringfügig in ihrer chemischen Struktur. So werden beide von den gleichen Enzymen (Alkohol-Dehydrogenase und Aldehyd-Dehydrogenase) metabolisiert. Die Stoffwechselprodukte sind jedoch unterschiedlich. Formaldehyd und Ameisensäure entstehen beim Methanol-Abbau, sie sind toxisch und können in höheren Dosen zu Erblindung und Tod führen. Methanol verweilt länger im Blut als Ethanol: Es wird langsamer und erst nach Ethanol abgebaut, weil Ethanol den Methanol-Stoffwechsel hemmt.
Das könnte der Grund sein, warum das „Aufwärmen“ vorübergehend als angenehmer empfunden wird, als die alkoholischen Konsequenzen durchzustehen. Denn bei einer wiederholten Ethanolaufnahme wird Ethanol wieder bevorzugt abgebaut, die Produktion der Stoffwechselprodukte von Methanol verlangsamt sich und somit wird die Katerstimmung aufgelockert. Angenommen kann jedoch werden, dass das Reparaturseidel nur dann kurzfristig Abhilfe schafft, wenn der Kater aufgrund des Konsums von Fuselalkoholen entstanden ist.

Alkohol und Schwangerschaft

Eine Schwellendosis für eine noch tolerable Alkoholmenge in der Schwangerschaft kann aus wissenschaftlichen Studien nicht abgeleitet werden. Alkohol passiert aufgrund des niedrigen Molekulargewichts und der hohen Wasserlöslichkeit ungehindert die Plazentaschranke und gelangt so zum Fötus. Etwas verzögert wird so auch der Blutalkoholspiegel der Mutter erreicht. Die alkoholabbauenden Enzyme Alkohol-Dehydrogenase und Aldehyd-Dehydrogenase sind beim Embryo erst mit zwei Monaten aktiv, die volle Funktion erreichen sie bei Kindern im Alter von fünf Jahren. Daher wird der Alkohol beim Embryo deutlich langsamer abgebaut, der Körper ist den Wirkungen länger ausgesetzt. Selbst beim Gelegenheitstrinken kann der Embryo in seiner körperlichen und kognitiven Entwicklung beeinträchtigt werden. Daher gilt: am besten abstinent bleiben! Und auch bei Lebensmitteln und zubereiteten Speisen den Alkoholgehalt im Auge behalten!

Gelangt Alkohol in die Muttermilch?

Ja. Die Alkoholkonzentration in der Milch entspricht der Blutalkoholkonzentration der Mutter. In der Muttermilch ist die Alkoholkonzentration zirka 30 bis 90 Minuten nach dem Konsum am höchsten. Alkohol kann zu einer veränderten Schlaf-Wach-Phase des Säuglings und in weiterer Folge zu einer Beeinträchtigung bei der motorischen Entwicklung führen. Solange der Alkohol nicht abgebaut ist, sollte nicht gestillt werden. Wer nicht gänzlich auf Alkohol verzichten möchte, orientiert sich an den Stillmahlzeiten. Am Abend nach dem letzten Stillen ist beispielsweise ein Glas Wein oder Bier durchaus verträglich.

Volumenprozent – Wie viel Alkohol ist drin?

Angaben zum Alkoholgehalt von Getränken erfolgen in Volumenprozent (Vol.-%). Um von Vol.-% auf reinen Alkohol in Gramm umzurechnen, ist folgende Formel zu verwenden:
Menge in mL x Vol.-%/100 x 0,8 = reiner Alkohol in g
Berechnungsbeispiel: ein Seidel Bier
333 mL x 5/100 x 0,8 = 13 g reiner Alkohol

Übersicht Alkoholgehalt

Getränk Enthält reinen Alkohol
Bier - 0,33 L (5 Vol.-%)13 g
Radler - 0,33 L (2,5 Vol.-%)7 g
Glas Sekt - 0,1 L (11 Vol.-%)9 g
Glas Wein - 0,1 L (12,5 Vol.-%)10 g
Longdrink - 0,2 L; 4 cL Wodka (38 Vol.-%)12 g
Marillenschnaps - 4 cL (40 Vol.-%)13 g

Wie viel Promille sind’s?

Promille geben das Mengenverhältnis zwischen dem aufgenommenen reinen Alkohol und der Körperflüssigkeit an (Promille = Alkoholmenge/Körperflüssigkeit). Die Menge der Körperflüssigkeit lässt sich über das Körpergewicht berechnen: Bei Frauen sind es zirka 60 % Körperflüssigkeit, bei Männern 70 %.
Wie viel Promille hat man nach einem Glas Wein mit 13,5 Vol.-%?
Zuerst ist umzurechnen von Vol.-% auf Alkohol in Gramm: 100 mL x 13,5/100 x 0,8 = 10,8 g
Eine Frau mit 33 kg Körperflüssigkeit (60 % von 55 kg Körpergewicht) hat demnach 10,8 g reinen Alkohol/33 kg Körperflüssigkeit = 0,33 Promille. Ein Mann mit 56 kg Körperflüssigkeit (70 % von 80 kg Körpergewicht) dagegen nur 0,19 Promille.
Die Berechnung ergibt nur einen Richtwert. Denn die Blutalkoholkonzentration hängt zudem von Trinkgeschwindigkeit, Mageninhalt und Alkoholabbau im Körper ab. 10 bis 30 % des getrunkenen Alkohols werden bereits im Magen abgebaut („Resorptionsdefizit“). Daher ist die Blutalkoholkonzentration meist etwas niedriger als der berechnete Wert.

Wie lange dauert es, bis der Alkohol komplett abgebaut ist?  

Die Leber baut etwa 95 bis 98 % des Alkohols ab. Der Abbau erfolgt in zwei Schritten: Zuerst entsteht über das alkohoholabbauende Enzym Alkohol-Dehydrogenase (ADH) Acetaldehyd. Dieses wird dann über die Aldehyd-Dehydrogenase zu Essigsäure (Azetat) umgewandelt. Essigsäure wird dann durch die Leber an die Körperflüssigkeit abgegeben, in Kohlendioxid und Wasser umgewandelt und so über Urin, Schweiß und Atem ausgeschieden.
Acetaldehyd und Essigsäure sind jene Substanzen, die nach reichlichem Alkoholkonsum für die körperlichen Veränderungen verantwortlich sind: Acetaldehyd ruft Herzrasen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Zittern hervor. Vermehrt angereicherte Essigsäure wird vorrangig als Energiequelle herangezogen und verringert die Fettverbrennung. Pro Stunde werden im Körper etwa 0,1 bis 0,2 Promille abgebaut. Der Abbau lässt sich weder durch Schwitzen, kaltes Duschen oder Bewegung an der frischen Luft noch mit starkem Kaffee beschleunigen. Die Geschwindigkeit hängt auch vom Gewicht und Geschlecht ab: Bei Frauen dauert der Alkoholabbau etwas länger als bei Männern. Zum einen, weil sie meist weniger wiegen und zum anderen, weil die Abbaurate geringer ist (0,085 g Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde vs. 0,1 g Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde).
Ein Glas Wein hat eine Frau mit 55 kg also in knapp zweieinhalb Stunden abgebaut und der Mann mit 80 kg in weniger als eineinhalb Stunden.  

Ab welcher Menge ist Alkoholkonsum schädlich?

Die Harmlosigkeitsgrenze bezieht sich auf die Alkoholmenge, bis zu der der Konsum von Alkohol als körperlich bedenkenlos eingestuft werden kann. Sie liegt beim Mann bei 24 g reinen Alkohols pro Tag und bei der Frau bei 16 g (laut Definition des Bundesministeriums für Gesundheit).
Als Gefährdungsgrenze wird die Grenze bezeichnet, ab der der Alkoholkonsum als gesundheitsgefährdend eingestuft wird. Sie liegt beim Mann bei 60 g reinen Alkohols pro Tag, bei der Frau bei 40 g.
Als schädlicher Alkoholkonsum wird ein Konsumverhalten definiert, das zu einer Gesundheitsschädigung führt. Die WHO spricht von einem hohen Risiko für akute und chronische Probleme.

Empfehlungen des Gesundheitsministeriums:

  • Die Harmlosigkeitsgrenze sollte nicht überschritten werden.
  • Es sollten mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche eingehalten werden.
  • Die Gefährdungsgrenze sollte unter keinen Umständen überschritten werden.
  • Raucher und Übergewichtige gehören zur gefährdeten Gruppe (für Krankheiten jeder Art) und sollten auf Alkohol weitgehend verzichten.


Literatur

Molenaar EA et al.: Association of Lifestyle Factors with Abdominal Subcutaneous and Visceral Adiposity: The Framingham Heart Study. Diabetes Care 32 (3): 505–510 (2009).
Tolstrup JS: Alcohol Drinking Frequency in Relation to Subsequent Changes in Waist Circumference. Am J Clin Nutr 87: 957–963 (2008).
Bobak M, Skodova Z, Marmot M: Beer and Obesity: A Cross-sectional Study. Eur J Clin Nutr. 57 (10): 1250–3 (2003).
Chari S, Teyssen S, Singer MV: Alcohol and Gastric Acid Secretion in Humans. Gut 34: 843–847 (1993).
Rohsenow DJ et al.: Intoxication With Bourbon Versus Vodka: Effects on Hangover, Sleep, and Next-Day Neurocognitive Performance in Young Adults. Alcoholism: Clinical and Experimental Research 34: 509–518 (2010).

 

 

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