22.03.2017 von Elisabeth Rudolph

Fruktose: Zu Recht am Pranger?

Sie ist süßer als Glukose und kommt natürlicherweise in vielen Nahrungsmitteln vor. In zugesetzter Form und in großer Menge soll sie die Leber schädigen. Die Rede ist von Fruktose, dem Fruchtzucker. Wie sind die Zusammenhänge?

Fruktose oder Fruchtzucker ist ein sogenannter Einfachzucker, im Fachjargon auch Monosaccharid genannt. Er zählt zu den energieliefernden Nährstoffen, den Kohlenhydraten. Fruktose kommt hauptsächlich in Früchten und Honig vor. Haushaltszucker, die Saccharose, besteht als Disaccharid zu gleichen Teilen aus einer Mischung aus Fruktose und Glukose. Beide Zucker liefern die gleiche Energiemenge, werden im Körper jedoch unterschiedlich verwertet.

Fruktose als beliebtes Süßungsmittel

Fruktose schmeckt süß, wird im Körper aber insulinunabhängig aufgenommen. Das macht den Zucker zu einem beliebten Süßstoff. Zusätzlich ist die Süßkraft etwa doppelt so hoch wie beim Haushaltszucker. Süßwaren oder Getränke werden deshalb verstärkt mit Fruktose gesüßt. Dadurch spart man nicht nur mengenmäßig an Zucker ein, man reduziert auch gleichzeitig den Energiegehalt des Produktes. Neben Fruktose wird auch der sogenannte high fructose corn sirup (HFCS) verwendet. Er ist nur geringfügig anders zusammengesetzt als herkömmlicher Haushaltszucker. Er besteht zu 55 % auf Fruktose und 45 % aus Glukose. Klingt alles einfach und unkompliziert. Doch HFCS und Fruktose stehen immer wieder unter Kritik. Sie sollen die Entstehung von Übergewicht, Adipositas, Bluthochdruck und dem metabolischem Syndrom begünstigen und dadurch zur sogenannten nicht-alkoholischen Fettleber (NAFL) führen.

Wissenswert

Mittlerweile zählt die NAFL zum weltweit häufigsten Krankheitsbild. Das Spektrum reicht von einfacher Leberverfettung, der Steatosis hepatis, über die nicht alkoholische Steatohepatitis (NASH) bis hin zur Fettleberzirrhose. In Europa sind bereits 30 % der Bevölkerung von einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung betroffen.

Die Leber mitten im Geschehen

Die Leber wandelt Fruktose in Energie um, die wiederum vom Körper direkt genutzt werden kann. Bei diesem Vorgang wird ganz automatisch auch Fett in die Leberzellen eingelagert. Dabei handelt es sich um einen natürlichen Prozess, der normalerweise unproblematisch und gefahrlos verläuft. Das Fett wird nämlich wieder abtransportiert. Es gibt jedoch Krankheitsbilder, bei denen es zu einer vermehrten Fetteinlagerung in der Leber kommt. In diesem Fall spricht man von einer Fettleber oder einer nicht-alkoholischen Fettleber (NAFL). Diese Form der Erkrankung spielt in jüngster Zeit eine immer größere Rolle. Sie wird auch als Wohlstandskrankheit bezeichnet, denn die meisten Betroffenen sind übergewichtig oder leiden sogar an Folgeerscheinungen wie Diabetes Typ 2 und Insulinresistenz.

Fruktose im Kreuzfeuer der Kritik

Immer wieder wird Fruktose in Zusammenhang mit der nicht-alkoholischen Fettleber gebracht. Ebenso wird Fruktose auch als Dickmacher genannt. Manche Wissenschafter sehen den Einfachzucker sogar als Hauptursache für Leberschäden und Gewichtszunahmen. Das Problem sei die rasche Phosphorylierung der Fruktose in der Leber und diese würde andere, ebenso wichtige Biosynthesen hemmen. Ganz abgesehen davon, wird dieser Zucker insulinunabhängig verstoffwechselt und genau das führe zu keiner Sättigung. Zu all diesen Annahmen fehlen aber aussagekräftige Studien. Denn die alleinige Auswirkung des Fruchtzuckers auf die Leber oder eine vermeintliche Gewichtszunahme herauszufinden, ist schwierig. Fruchtzucker wird in den seltensten Fällen alleine gegessen, viel mehr in Form von Zweifach- oder Mehrfachzuckern.
Eine Meta-Analyse, die Studienergebnisse zur Fruktoseauswirkung zusammenfasste, lieferte folgende Ergebnisse: Fruktose trägt genauso viel oder wenig zum Dicksein bei, wie andere Zuckerarten. Freie Fruktose, wie sie in manchen Studien verabreicht wird, führte in hohen Dosen zu einem moderaten Gewichtsanstieg. Längerfristig verschlechtert das auch die Leberwerte. Das hat aber eher mit den übermäßig verspeisten Kalorien zu tun, weniger mit der Fruktose per se. Interventionsstudien am Menschen lieferten bislang keine aussagekräftigen Hinweise, dass Fruktose alleine für die Leberschädigung verantwortlich ist. Anders ist das in Tierversuchen: Hier zeigen Untersuchungen an Mäusen, dass viel Fruktose, vor allem in Kombination mit hoher Fettzufuhr, eine Fettleber begünstigen.

Wieviel sollte es sein?

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte Zucker nicht mehr als 10 % der Energiezufuhr ausmachen. Das sind in etwa 200 kcal oder 50 g. Ob diese nun von Glukose, Saccharose oder Fruktose stammen, spielt keine Rolle. Laut österreichischem Ernährungsbericht von 2012 werden diese 10 % ziemlich genau erreicht. In Interventionsstudien wird Fruktose meist in größerem Ausmaß, über die 10 % der Energiezufuhr hinausgehend, verabreicht. Hier werden oft 1,5 g/ kg Körpergewicht bis hin zu 3,5 g/kg Körpergewicht getestet. Nimmt man eine etwa 70 kg schwere Person, sind das immerhin 105 g bzw. 245 g Fruktose. Das liegt deutlich über den 10 % der Energiezufuhr.

Fazit

Fruchtzucker steht immer wieder in Verdacht eine nicht alkoholische Fettleber auszulösen. Aufgrund der derzeitigen Studienlage sind jedoch keine klaren Zusammenhänge erkennbar. Die Untersuchungen beschäftigen sich meist mit der Aufnahme an Fruktose, zusätzlich zur normalen Ernährung. Das führt aber unweigerlich zu einer erhöhten Kalorienaufnahme. Dass eine generell zu hohe Energieaufnahme langfristig zu Übergewicht mit allen Folgeerscheinungen beiträgt, steht außer Frage. Mausmodelle zeigen, dass eine erhöhte Fruktose- mit gleichzeitiger Fettaufnahme die Entstehung einer Fettleber begünstigen, wie weit das auf den Menschen zutrifft, ist nicht abzuleiten. Hier fehlen noch weitere Interventionsstudien. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel von Kalorienaufnahme, ausgewogener Ernährung und einem aktiven Lebensstil.

Literatur

Chung M et al: Fructose, high-fructose corn syrup, sucrose, and nonalcoholic fatty liver disease or indexes of liver health: a systematic review and meta-analysis. Am J Clin Nutr. 100: 833-849 (2014)
Sievenpiper J et al: Effect of fructose on body weight in controlled feedig trials: A systematic review and meta-analysis. Ann Intern Med: 156: 291-304 (2012)
Schattenberg M: Nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) und nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH): Pathophysiologie und Ernährungsaspekte. Ernährungs Umschau. 2: M92-M100 (2015)
Die stillen Leiden der Leber: www.medizinpopulaer.at/archiv/medizin-vorsorge/details/article/die-stillen-leiden-der-leber.html (Zugriff 13.3.2017)
Fruchtzucker: www.chemie.de/lexikon/Fruchtzucker.html#_note-1/ (Zugriff 14.3.2017)
Hahn C et al: Fruchtzucker schlecht für die Leber? medizin-transparent.at: www.medizin-transparent.at/fruchtzucker-fructose-leber#ref3 (Zugriff 13.3.2017)
Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Evidenzbasierte Leitlinie. Kohlenhydratzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungmitbedingter Krankheiten. Version 2011: www.dge.de/fileadmin/public/doc/ws/ll-kh/DGE-Leitlinie-KH-ohne-Anhang_Tabellen.pdf (Zugriff am 16.3.2017)
Elmadfa I et al.: Österreichischer Ernährungsbericht 2012. 1. Auflage, Wien (2012).

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