03.02.2015

Gemeinsam Essen – ein Schutzfaktor gegen Übergewicht?

Familienmahlzeiten sind ein wichtiges Ritual für Kinder und Jugendliche. Sie stärken das Gefühl von Zusammengehörigkeit und haben eine positive Wirkung auf das Essverhalten. Diskutiert wird außerdem, dass sie Übergewicht vorbeugen können. Dazu nun neue Daten.

Essen ist ein zentrales Element unseres Lebens. Täglich nehmen wir mehrere Speisen zu uns, um den Körper mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Die Bedeutung des Essens ist jedoch mehr als reine Nahrungsaufnahme. Essen verbindet. Es schafft Nähe und Zusammenhalt, fördert die emotionalen Bindungen zwischen Familienmitgliedern und wirkt sich vorteilhaft auf die seelische Gesundheit aus. Weiters führen gemeinsame Mahlzeiten zu einem Mehrkonsum an Obst und Gemüse und tragen somit zu einem abwechslungsreicheren Ernährungsverhalten bei. Das alles können Gründe sein, warum Familienmahlzeiten potenziell gegen Übergewicht schützen. 

Dazu beleuchteten Valdés et al. 15 Studien, die den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Familienessen und dem Risiko von Übergewicht bei Kindern und Erwachsenen analysierten. Die Ergebnisse waren teils widersprüchlich oder es gab keine Zusammenhänge. Die Autoren bemerkten zudem, dass mögliche Störfaktoren (z. B. soziodemographische Variablen, körperliche Aktivität) meistens nicht einbezogen wurden und folgerten, dass mehr Untersuchungen, v. a. Langzeitstudien oder experimentelle Studien, notwendig sind.

Aktuell gibt es dazu nun Ergebnisse einer US-amerikanischen Langzeitstudie. Die Wissenschaftlerin Jerica Berge und ihr Team von der Universität Minnesota haben 2300 Heranwachsende im Zehn-Jahres-Verlauf untersucht. Sie gingen der Frage nach, ob die Häufigkeit von Familienmahlzeiten im Schulkindalter Übergewicht und Adipositas im jungen erwachsenen Alter vorbeugen kann.

Dabei wurden Daten von Schülern im Alter von rund 13 Jahren und zehn Jahre später, erhoben. Sie wurden nach der Häufigkeit von Familienessen sowie nach Körpergewicht und – größe gefragt. Zudem wurden sozioökonomische, persönliche und familiäre Faktoren erfasst. Die Ergebnisse der Studie zeigen: Wer im Jugendalter ein bis zweimal pro Woche gemeinsam isst, hat gute Chancen zehn Jahre später ein normales Körpergewicht zu haben. Von den Studienteilnehmern, die angaben, dass die Familie nie gemeinsam aß, waren nach zehn Jahren 60 % übergewichtig und jeder Dritte adipös. Von denen hingegen, die mindestens einmal pro Woche mit der Familie gegessen haben, waren knapp die Hälfte übergewichtig (47–51 %) und nur jeder Fünfte adipös.

Warum gemeinsame Mahlzeiten in kleinem Ausmaß Übergewicht vorbeugen können, wurde in dieser Studie nicht genau erfasst. Als schützende Faktoren diskutieren die Autoren die Routine bzw. die in der Kindheit etablierten Familiengewohnheiten, die im jungen Erwachsenenalter weitergetragen werden. Denn gemeinsame Mahlzeiten sind mehr als am Teller sichtbar ist. Mehr dazu hier.

Fazit

Ein- bis zwei gemeinsame Mahlzeiten pro Woche zeigen offenbar langfristige Effekte auf das Essverhalten und Körpergewicht. Eine Investition für die Zukunft!

Literatur

Berge JM, Wall M, Hsueh TF, Fulkerson JA, Larson N, Neumark-Sztainer D: The Protective Role of Family Meals for Youth Obesity: 10-Year Longitudinal Associations. The Journal of Pediatrics, 166: 296–301 (2015). 
Valdés J, Rodríguez-Artalejo F, Aguilar L, Jaén-Casquero MB, Royo-Bordonada MÁ: Frequency of family meals and childhood overweight: a systematic review. Pediatr Obes. 8: E1–E13 (2013).

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