03.06.2014

Gicht - Die Krankheit der Könige

Wer unter Gicht leidet, hat wiederkehrende Schmerzattacken vor allem in Finger- und Zehgelenken. Auslöser sind neben genetischer Vererbung insbesondere ein ungünstiger Lebensstil mit wenig Bewegung sowie hohem Fleisch- und Alkoholkonsum. Deshalb ist es für Betroffene ratsam, Aktivitäts- und Essgewohnheiten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Bis ins 19. Jahrhundert wurde Gicht als "Krankheit der Könige" bezeichnet, da sich nur wohlhabende Personen jene Lebensmittel leisten konnten, die Gicht auslösen. Mittlerweile hat sich die Krankheit in den "Wohlstandsländern" ausgebreitet. In Deutschland haben 2,8 % der Männer und 0,4 % der Frauen Gicht ­– damit erkranken Männer sechs Mal so häufig wie Frauen.

Übeltäter in der Krankheitsentstehung ist die Harnsäure. Sie entsteht beim Abbau der über die Nahrung aufgenommenen Purine. Diese Erbgutbausteine kommen sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Über das Blut transportiert, gelangt die Harnsäure in den Urin und wird so ausgeschieden. Ist die Harnsäurekonzentration im Blut längere Zeit erhöht, fallen Harnsäurekristalle aus. Sie lagern sich nicht nur in der Niere ab, wo sie Harnsäuresteine bilden können, sondern auch in Knochengelenken. Hier verursachen sie häufig so schmerzhafte Entzündungen, dass Betroffenen selbst „ein Betttuch auf dem großen Zeh“ zu viel ist.

Wissenswert

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung mit rheumatischen Beschwerden. Damit zählt sie zur Rheuma-Erkrankung, die ein Überbegriff für mehrere bewegungseinschränkende Leiden ist.

Harnsäure im Blut

Hyperurikämie bezeichnet eine erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut. Der Normwert für Frauen liegt bei 6,0 mg/dL, für Männer bei 7,0 mg/dL. Steigt der Harnsäurewert darüber an, kann das verschiedene Ursachen haben: Wenn die Störung des Harnsäurestoffwechsels angeboren ist, spricht man von primärer Hyperurikämie. Am häufigsten ist dabei die Harnsäureausscheidung über die Niere beeinträchtigt. Zur sekundären Hyperurikämie kann es hingegen durch Nierenfunktionsstörungen oder durch Medikamente kommen, die in der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt werden. Dabei wird die Harnsäure im Blut zurückgehalten.
Ob Hyperurikämie letzendlich zur Gichterkrankung führt, hängt in erster Linie von der Ernährung und dem Lebensstil ab. Im Kampf gegen anschwellende, errötende Knöchel ist bereits viel gewonnen, wenn die Menge an Fleisch und alkoholischen Getränken reduziert wird.

 

Purinarme Diät

Purine sind Bestandteile des Zellkerns. Sie kommen in beinahe allen Lebensmitteln vor (Tabelle). Unverzichtbar bei jeder Gichtbehandlung ist eine purinarme Diät. Dabei ist zu beachten, dass diese nicht nur in Phasen von Gichtanfällen anzuwenden ist, sondern generell eingehalten werden sollte.

Lebensmittelauswahl für Gicht-Patienten

Bevorzugt: purinfreie bzw. -arme Lebensmittel

  • Getreide und Getreideerzeugnisse
  • Kartoffeln
  • Fast alle Gemüsesorten
  • Blattsalate
  • Frisches Obst
  • Fettarme Milch und Milchprodukte sowie Käse
  • Eier

Eingeschränkt: Lebensmittel mit einem mittleren Puringehalt

  • Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen, Sojaprodukte
  • Einige Kohlgemüsearten, z.B. Rosenkohl, Brokkoli, Blumenkohl
  • Spargel, Spinat
  • Gekochter Schinken
  • Fettarmes Rind-, Schweine- oder Geflügelfleisch
  • Wurst wie Sulz, Krakauer, Geflügelmortadella
  • Seefisch, z. B. Kabeljau, Lachs

Meiden: purinreiche Lebensmittel

  • Innereien wie Bries, Leber, Niere, Herz, Lunge, Milz
  • Schweineschwarte
  • Haut von Schwein, Geflügel, Fisch
  • Ölsardinen, Sardellen

Quelle: nach Metternich K: Essen und Trinken bei Hyperurikämie und Gicht (2014).

Alkohol ist in zweifacher Weise für eine hohe Harnsäurekonzentration verantwortlich: Einerseits erhöht er die Harnsäureproduktion, andererseits reduziert er die Harnsäureausscheidung über die Nieren. Er sollte daher nur in kleinen Mengen konsumiert werden. Bier hat darüber hinaus wegen der enthaltenen Hefe einen hohen Puringehalt. Um die Harnsäureausscheidung über die Niere zu fördern, sollten Erkrankte täglich zwei Liter energiearme Getränke aufnehmen (Wasser, Tee, Light-Getränke, etc.).

Da Übergewicht generell einen erhöhten Harnsäurespiegel begünstigt, ist ein Normalgewicht anzustreben. Dabei stehen eine ausgewogene Ernährung und sportliche Aktivität im Vordergrund und keine radikalen Fastenkuren. Sie verschlimmern das Krankheitsbild.

Fasten vermeiden

Wenn keine Nahrung aufgenommen wird, stellt der Körper den Stoffwechsel auf Sparflamme. Die dabei vermehrt gebildeten Ketone verhindern, dass Harnsäure über die Niere ausgeschieden wird. Zusätzlich werden Muskel- und Fettzellen in der Fastenzeit abgebaut, wodurch körpereigenes Purin freigesetzt wird. Der Harnsäuregehalt im Blut steigt und damit das Risiko für einen Gichtanfall.

Die fünf goldenen Regeln bei Gicht

  1. Harnsäure-reduzierende Kost

    •  Maximal 50 g Fleisch, Fisch oder Wurst pro Tag
    •  Keine Innereien
    •  Wenig pflanzliche, purinreiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte und Kohl

  2. Milch, Milchprodukte und Eier als Eiweißquelle
  3. Verzicht auf Alkohol
  4. Mindestens zwei Liter Flüssigkeitszufuhr täglich
  5. Normalisierung des Körpergewichts

 

 

Literatur

Metternich K: Essen und Trinken bei Hyperurikämie und Gicht. Ernährungs Umschau 4:13–16 (2014).
Deutsche Gicht-Liga e.V.: Die 5 goldenen Regeln. www.gichtliga.de/Templates/5_regeln.htm [Zugriff am 03.06.2014].

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