30.10.2013 von Nina Grötschl

Health Claims bekommen Zuwachs

Margarine reich an Omega-3-Fettsäuren oder getrocknete Pflaumen zum Beispiel liefern dem Konsumenten einen gesundheitlichen Zusatznutzen. Produktauslobungen, die darauf hinweisen, sind auf gesamteuropäischer Ebene gesetzlich geregelt und in der Positivliste der Health Claims Verordnung festgehalten. Im Juni 2013 fanden sechs neue gesundheitsbezogene Aussagen Einzug.

Die Health-Claims Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 ist am 19. Jänner 2007 in Kraft getreten und seit 1. Juli 2007 in Geltung. Sie regelt, welche nährwert- und gesundheitsbezogenen Werbeaussagen auf Lebensmittelverpackungen erlaubt sind. Beispielsweise gelten Frühstückscerealien als „Ballaststoffquelle", wenn sie mindestens 3 g Ballaststoffe pro 100 g enthalten und ein „fettduzierter" Joghurt muss mindestens einen 30 % geringeren Fettgehalt aufweisen als das vergleichbare normale Referenzprodukt. Erfüllen Produkte diese Voraussetzungen, darf der Lebensmittelhersteller die nährwertbezogene Angabe auf das Etikett drucken.

Was ist erlaubt?

Gesundheitsbezogene Angaben sagen aus, dass durch den Verzehr eines Lebensmittels die Gesundheit gestärkt bzw. das Risiko einer Krankheit verringert wird. Beispiele hierfür sind „Kalzium verbessert die Knochendichte" bzw. „Kalzium wird für das normale Körperwachstum von Kindern benötigt". Die rechtlich zugelassenen Auslobungen sind in der sogenannten „Positivliste" der Health Claims Verordnung angeführt.

Wissenswert

Die Positivliste der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben wurde Ende Mai 2012 veröffentlicht. Darin genannte Auslobungen dürfen künftig von Lebensmittelunternehmern in der Kennzeichnung und Aufmachung von Produkten verwendet werden; eine weitere Genehmigung durch die Behörden ist nicht notwendig. Untersagt sind alle gesundheitsbezogenen Aussagen, die sich nicht in der Positivliste wiederfinden. Dadurch sollen Verbraucher vor irreführender, wissenschaftlich nicht nachgewiesener Werbung geschützt werden.

Strenge Handhabe

Gesundheitsbezogenen Angaben, die auf allgemeinen wissenschaftlichen Nachweisen basieren, werden auf Vorschlag der EU-Mitgliedstaaten und nach Prüfung der EFSA (Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit) in die Positivliste aufgenommen (Beispiel: „Kalzium erhöht die Knochendichte."). Anders verhält es sich, wenn es um Auslobungen geht, die auf neuen wissenschaftlichen Nachweisen beruhen oder einen Antrag auf Datenschutz enthalten. Sie werden nach einem beschleunigten Verfahren zugelassen. Angaben über die Verringerung eines Krankheitsrisikos sowie Aussagen über die Entwicklung und Gesundheit von Kindern müssen stets ein Einzelzulassungsverfahren durchlaufen, um aufgenommen zu werden.

Antrag angenommen

Die Liste der zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen wächst immer weiter. In der im Juni 2013 erschienenen Verordnung (EU) Nr. 536/2013 hat die Europäische Kommission sechs neue Health Claims zu Omega-3-Fettsäuren, löslichen Ballaststoffen, Fruchtzucker sowie getrockneten Pflaumen zugelassen. Ab dem 2. Jänner 2014 dürfen die neuen Auslobungen auf Lebensmitteletiketten angebracht werden:

„DHA und EPA tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei."

DHA (Decohexaensäure) und EPA (Eicosapentaensäure) sind langkettige Omega-3-Fettsäuren, die natürlich in fettreichen Seefischen wie Makrele, Lachs und Hering vorkommen und sich durch eine Reihe positiver Eigenschaften auszeichnen: Sie wirken entzündungshemmend, verzögern die Blutgerinnung, senken den Blutdruck und verbessern die Fließeigenschaften des Blutes. Damit sind beide Omega-3-Fettsäuren insbesondere für die Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf Erkrankungen von Bedeutung.
Eine tägliche Zufuhr von 3 g DHA und EPA ist notwendig, um besagte Effekte zu erzielen. Das umworbene Produkt muss daher die entsprechende Aufnahmemenge von Omega-3-Fettsäuren gewährleisten. Gleichzeitig dürfen 5 g nicht überschritten werden, da sonst Nebenwirkungen wie mangelnde Blutgerinnung bei einer Verletzung auftreten können. Bei Lebensmitteln, die sich an Kinder richten, ist diese Angabe nicht erlaubt.
Laut D-A-CH-Referenzwert liegt die empfohlene Aufnahme von DHA und EPA bei 250 mg pro Tag bzw. 3,5 g pro Woche, um kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen. Der wöchentliche Bedarf an Omega-3-Fettsäuren wird jedoch bereits mit einer Portion Margarine (3 g DHA und EPA) und 100 g Bachforelle (0,6 g DHA und EPA) erreicht.

„DHA und EPA tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Triglyceridspiegels im Blut bei." und „DHA trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Triglyceridspiegels im Blut bei."

Sowohl DHA und EPA in Kombination als auch DHA alleine reduzieren die Serumkonzentration von Blutfetten. Omega-3-Fetsäuren greifen aktiv in den Fettstoffwechsel ein, indem sie beispielsweise die Fettsynthese in der Leber hemmen oder die Fettverbrennung fördern. Wirkungseffekte zeigen sich bei einer Aufnahme von 2 g DHA und EPA bzw. 2 g DHA pro Tag. Die Auslobung auf Produktverpackungen darf lediglich bei Lebensmittel verwendet werden, deren täglicher Verzehr eine Aufnahme von 2 g DHA und EPA bzw. DHA gewährleisten.

„Der Verzehr von Alpha-Cyclodextrin als Bestandteil einer stärkehaltigen Mahlzeit trägt dazu bei, dass der Blutzuckerspiegel nach der Mahlzeit weniger stark ansteigt."

Alpha-Cyclodextrin entsteht durch den enzymatischen Abbau von Stärke und kommt als löslicher Ballaststoff beispielsweise in Getränken, Frühstückscerealien oder Backwaren zum Einsatz. Lösliche Ballaststoffe binden im Verdauungstrakt Wasser und quellen auf. Dadurch verweilt die aufgenommene Nahrung länger in Magen und Darm; der Blutzuckerspiegel steigt langsamer an. Um diesen Effekt zu erzielen, müssen mindestens 5 g Alpha-Cyclodextrin pro 50 g Stärke in einer Portion als Teil einer Mahlzeit enthalten sein.

„Der Verzehr von Lebensmitteln, die Fruktose enthalten, führt zu einem geringeren Glukoseansteig im Blut im Vergleich zu Lebensmitteln, die Sucrose oder Glukose enthalten."

Fruktose (Fruchtzucker) wird langsamer in den Blutkreislauf aufgenommen als herkömmlicher Haushaltszucker (Sucrose oder Saccharose), benötigt für die Verstoffwechselung kein Insulin und führt damit zu einem langsameren Blutzuckeranstieg. Bei zuckergesüßten Lebensmitteln und Getränken, die diese gesundheitsbezogene Auslobung tragen, wurde Glukose und/oder Saccharose gegen Fruktose ausgetauscht. Dabei müssen die Anteile von Glukose und/oder Saccharose um mindestens 30 % geringer sein als bei entsprechenden Referenzprodukten.

„Getrocknete Pflaumen tragen zu einer normalen Darmfunktion bei."

Dass die dunkelviolette Steinfrucht darmregulierende Eigenschaften hat, ist seit Großmutters Zeiten bekannt. Getrocknete Pflaumen sind reich an Ballaststoffen und kurbeln die Verdauung an. Die gesundheitsbezogene Auslobung darf nur für Lebensmittel verwendet werden, deren Verzehr eine tägliche Aufnahme von 100 g Trockenfrüchte gewährleistet.

Literatur

(EU) Nr. 536/2013 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern.

Verordnung (EU) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel.

EU Register on nutrition and health claims. Online verfügbar. URL: http://ec.europa.eu/nuhclaims/?event=search&CFID=755788&CFTOKEN=61518e80f0096c06-C095CF62-EE07-C4F0-B16F22373FD5EE94&jsessionid=921226871d38fc720ba055616279313a2044TR [Zugriff am 16.10.2013].

Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 1. Auflage, 4. korrigierter Nachdruck. Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt an der Weinstraße (2012).

Souci S, Fachmann W, Kraut H: Die Zusammensetzung der Lebensmittel Nährwert-Tabellen. 7. revidierte und ergänzte Auflage. Medpharm Scientific Publishers, Stuttgart (2008).

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