06.04.2016 von Angela Mörixbauer

Hülsenfrüchte: nicht nur am Teller ein Hit!

Hülsenfrüchte sind nach Orchideen und Korbblütlern die drittgrößte Pflanzenfamilie der Welt. Dennoch hielt sich das Interesse für sie bislang in Grenzen. Dabei sollten wir uns nicht nur wegen ihrer gesundheitlichen Vorteile, sondern auch wegen ihrer Bedeutung für eine nachhaltigere Landwirtschaft für sie interessieren. Nicht zuletzt deswegen hat die FAO 2016 zum „Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte“ ausgerufen. Und knüpft damit thematisch nahtlos an das Internationale Jahr des Bodens 2015 an.

„Hülsenfrüchte sind wichtige Feldfrüchte für die Ernährungssicherheit weiter Teile der Bevölkerung, besonders in Lateinamerika, Afrika und Asien, wo sie Bestandteil traditioneller Ernährungsweisen sind und häufig von Kleinbauern angebaut werden“, betont José Graziano da Silva, Generaldirektor der Welternährungsorganisation FAO. Die FAO streicht jedoch nicht nur den Gesundheitsaspekt heraus (mehr dazu hier), sondern auch das Potenzial von Hülsenfrüchten für Klimaschutz, Bodengesundheit und Biodiversität.

Reduktion mineralischer Dünger

Hülsenfrüchte (Leguminosen) können den globalen Einsatz von Mineraldünger nachhaltig verringern. Ausschlaggebend dafür ist ihre Fähigkeit, Luftstickstoff zu binden. Stickstoff ist für Pflanzen ein lebensnotwendiger Nährstoff, der in der Landwirtschaft in Form von Ammoniumnitrat oder anderen mineralischen Düngern dem Boden zugeführt wird. Durch vermehrten Anbau von Leguminosen kann ein erheblicher Energieaufwand und CO2-Ausstoß verringert werden, der im Rahmen von Produktion, Transport und Ausbringung von Stickstoffdüngern aufgewendet werden muss.

Von der stickstoffbindenden Eigenschaft der Hülsenfrüchte profitieren auch andere Pflanzen. Wenn in Fruchtfolgen alle paar Jahre Hülsenfrüchte angebaut werden, zehren auch die nachfolgenden Kulturen von diesem Stickstoff im Boden, wodurch zusätzlich Dünger eingespart wird. Denn nach der Ernte der Hülsenfrüchte bleiben stickstoffreiche Wurzelstrukturen als Humus im Boden erhalten.

Man schätzt, dass die weltweit rund 190 Millionen Hektar mit Leguminosen fünf bis sieben Millionen Tonnen Stickstoff im Boden bereitstellen. Ackerböden werden dadurch produktiver und tragen gleichzeitig dazu bei, die CO2-Emissionen zu verringern und das Klima zu schützen. Nicht nur durch den gesunkenen Bedarf an mineralischen Düngern, sondern auch, weil Leguminosen Glukose an die Knöllchenbakterien abgeben und damit Kohlenstoff im Boden gebunden wird.

Wissenswert

Behilflich bei der Stickstoffbindung sind den Leguminosen Bodenbakterien, v. a. der Gattung Rhizobium, mit denen sie in Symbiose leben. Diese sogenannten Knöllchenbakterien verwachsen mit den Wurzelzellen der Pflanzen und können den molekularen Stickstoff aus der Luft (N2) mit speziellen Enzymen in Ammonium (NH3) umwandeln. Dieses steht dann den Leguminosen als Nährstoff zur Verfügung. Im Gegenzug gibt die Leguminose 12–17 % der gebildeten Glukose an die Symbionten ab, was gleichzeitig eine Verringerung der Treibhausgasemissionen bedeutet.

Hülsenfrüchte als Bodenschützer

Als Bodendecker, etwa im Herbst nach der letzten Ernte auf Feldern angebaut, verringern Leguminosen die Bodenerosion. Zudem können manche Hülsenfrüchte bodengebundenen Phosphor freisetzen sowie die mikrobielle Biomasse und Aktivität im Boden erhöhen, wodurch wiederum die Bodenstruktur und Nährstoffverfügbarkeit im Boden gesteigert werden. Eine große Bodenbiodiversität macht den Boden insgesamt widerstandsfähiger gegenüber Störungen.

Gesteigerte Biodiversität

Hülsenfrüchte sind ein wichtiger Teil von Mischkulturen, Zwischenfruchtbau, Fruchtwechselwirtschaften und Feldwaldbau. Diese landwirtschaftlichen Systeme sind wesentlich vielfältiger als Monokulturen, das Fruchtartenspektrum wird erweitert und enge Fruchtfolgen aufgelockert.

Blühende Leguminosen bieten zudem eine vortreffliche Nahrungsgrundlage für nektarsammelnde, bestäubende Insekten, wie etwa Bienen. Insbesondere mehrjährige Leguminosen führen zu einer Zunahme der Begleitflora und -fauna und stärken damit die biologische Vielfalt im Allgemeinen und den Schutz bedrohter Arten im Besonderen.

Wissenswert

Klimaexperten gehen davon aus, dass steigende Durchschnittstemperaturen und Hitze die größte Gefahr für die Leguminosenproduktion in den nächsten Jahrzehnten sein werden. Wissenschafter am International Center for Tropical Agriculture in Kolumbien arbeiten daher an der Züchtung von hitzeresistenteren Leguminosenarten, die über den Temperaturen ihrer normalen „Komfortzone“ gedeihen

Der Anbau von Leguminosen…
•    lockert enge Fruchtfolgen auf – erhöht die Agrobiodiversität
•    liefert zusätzliche Trachten für Honig- und Wildbienen
•    reduziert den Einsatz von Stickstoffdüngemitteln, dadurch wird weniger CO2 ausgestoßen und die Energieeffizienz steigt
•    verbessert die Bodenfruchtbarkeit
•    steigert die Humusanreicherung, wodurch mehr CO2 gebunden wird.
•    leistet einen positiven Beitrag zum integrierten Pflanzenschutz
•    verbessert das Wasserhaltevermögen der Böden
•    erhöht die Drainageleistung des Bodens
•    steigert die Regenwurmpopulation
•    sorgt für eine tiefe Durchwurzelung, schließt Bodenschadverdichtungen auf

Verringerung von Lebensmittelabfall

Zu guter Letzt: Das steigende Ausmaß an Lebensmittelabfall ist ein aktuelles Problem unserer Wohlstandsgesellschaft. Entlang der gesamten Nahrungskette landen nach Schätzungen etwa ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel im Müll. Hülsenfrüchte dagegen sind Nahrungsmittel, die nur wenig Abfall verursachen. Auch deshalb, weil sie sehr lange – oft jahrelang – haltbar sind und ohne nennenswerten Verderb gelagert werden können.

Mit reichlich Hülsenfrüchten fördern wir daher gleichzeitig den Klimaschutz, eine gesteigerte Biodiversität sowie die Boden- und menschliche Gesundheit. Also Bohnen, Linsen & Co rein in den Kochtopf!

NameLat. BezeichnungAndere Bezeichnungen
ZuckererbsenPisum sativum L. convar. Axiphium ALEF.Kaiserschoten, Kiefelerbsen, Kefen, Gartenerbsen, Speiseerbsen
KichererbsenCicer arietinum LEchte Kicher, Römische Kicher, Venuskicher, Felderbse
GartenbohnePhaseolus vulgaris L.Grüne Bohne, Fisole (österr.), Strankerl (im Südosten Österr.), Kidney-Bohne
MungobohneVigna radiata L.Mungbohne, Jerusalembohne, Lunjabohne, Mung Dal, Mung Daal
AckerbohneVicia faba L.Saubohne, Schweinsbohne, Favabohne, Dicke Bohne, Große Bohne, Pferdebohne, Viehbone, Faberbohne, Puffbohne
AugenbohneVigna unguiculata L.Kuhbohne, Schwarzaugenbohne, Schlangenbohne, black-eyed peas (engl.); je nach Wuchsform auch Buschbohne oder Stangenbohne
SojabohneGlycine max (L.) MERR
AdzukibohneVigna angularis (Willd.)
ReisbohneVigna umbellata (Thunb.)
ErdbohneMacrotyloma geocarpum (Harms.)
LimabohnePhaseolus lunatus LMondbohne
KäferbohnePhaseolus coccineus L.Feuerbohne, Prunkbohne, Blumenbohne, Schminkbohne, Türkische Bohne, Arabische Bohne
JackbohneCanavalia ensiformis L.
LinsenLens culinaris L.Küchenlinse
Weiße LupineLupinus albus L.
Gelbe LupineLupinus luteus L.
Anden LupineLupinus mutabilis SWEET
ErdnüsseArachis hypogaeaAschanti-, Arachis- oder Kamerunnuss, Spanisches Nüssli (schweizerisch)

 

Literatur

BMELV (Bundeministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz): Eiweißpflanzenstrategie des BMELV, Berlin (2012). Internet: www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Pflanzenbau/Ackerbau/_Texte/Eiweisspflanzenstrategie.html (Zugriff: 3.4.2016)

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft: Boden und Klima – Einflussfaktoren, Daten, Maßnahmen und Anpassungsmöglichkeiten. Wien (2015). Internet: www.bmlfuw.gv.at/land/produktion-maerkte/pflanzliche-produktion/boden-duengung/BodenundKlima.html (Zugriff: 3.4.2016)

FAO: 2016 International Year of Pulses. Internet: www.fao.org/pulses-2016/en/ (Zugriff: 3.4.2016)

FAO: Fact Sheet „Pulses and Biodiversity“ (2016). Internet: www.fao.org/pulses-2016/communications-toolkit/fact-sheets/en/ (Zugriff: 3.4.2016)

FAO: Fact Sheet „Pulses and Climate Change“ (2016). Internet: www.fao.org/pulses-2016/communications-toolkit/fact-sheets/en/ (Zugriff: 3.4.2016)

Russel N: Beans that can beat the heat. International Center for Tropical Agriculture (CIAT), Cali/Kolumbien (2015). Internet: ciat.cgiar.org/position-crops/beans-that-can-beat-the-heat (Zugriff: 3.4.2016)

Walter A: Hehre Hülsenfrüchte (Teil 1): Von wegen nicht die Bohne. Zukunftsblog der ETH Zürich. Internet: www.ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2016/01/hehre-huelsenfruechte-teil-1-von-wegen-nicht-die-bohne.html (Zugriff: 3.4.2016)

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