09.10.2009

Hungern nach Erfolg und Anerkennung

Schlankheit verspricht Schönheit, Selbstkontrolle, Beifall, Popularität, Macht. Eine fatale Liaison, die dazu beiträgt, dass immer mehr junge Menschen, vor allem Mädchen, unter Essstörungen leiden.

Schönheit und Schlankheit gelten heutzutage als Garanten für Glück und Erfolg. Durch Werbung und Mode wird eine überkritische Haltung dem Körper gegenüber gefördert, was viele Menschen tief verunsichert. Das Streben nach dem Schönheitsideal ist oft gekennzeichnet durch einen jahrelangen Leidensweg zwischen fehlgeschlagenen Diäten, Hungerkuren, Schlankheitsoperationen und Medikamenten. Nicht selten endet dieser Kampf um jedes Kilogramm in Magersucht oder Ess-Brechsucht, auch Bulimie genannt.
Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge erkranken nahezu 5 % aller Frauen zumindest einmal im Leben an einer Essstörung. Dabei ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen bei Magersucht 1 zu 10, bei Bulimie 1 zu 100. Die Dunkelziffer jener Personen, deren Symptome nicht für die klinische Diagnose einer Essstörung ausreichen, wird in Österreich auf 550 000 geschätzt.

Früher Beginn

Charakteristisch ist, dass Essstörungen etwa mit 14 Jahren, zu Beginn der Pubertät, einsetzen. Ein zweiter Gipfel ist dann im Alter von 18 Jahren, mit dem Start der Selbstständigkeit, zu beobachten. Ein typischer Verlauf beginnt zunächst mit Magersucht (Anorexie) und setzt sich dann bei gut einem Viertel der Patientinnen mit Bulimie (Ess-Brechsucht) fort.
Sieht man sich den Verlauf der beiden Krankheiten genauer an, so zeigt sich, dass zehn Jahre nach der Diagnose Anorexie rund 73 % der Patienten als vollständig genesen gelten und nahezu 10 % an dieser Krankheit sterben. Bei Bulimie gelten nach zehn Jahren rund 60 % der Fälle als geheilt, bei 30 % kommt es zu einer deutlichen Verbesserung. Die Sterblichkeit liegt mit 0,5 % deutlich unter der von Magersucht.
Sowohl Veranlagung, als auch Umweltfaktoren spielen eine wesentliche Rolle bei der Krankheitsentstehung. Das macht die Ursachenforschung sehr komplex. Keinesfalls richtig ist eine eindimensionale Eingrenzung z. B. auf die Eltern.

Krankheitsanzeichen

Als erstes Merkmal gilt plötzlich verändertes Essverhalten jeder Art. Wenn zudem Nahrungsvorräte auf unerklärliche Art verschwinden, Informationsmaterial über Diäten, Appetitzügler oder Abführmittel angesammelt wird, oder Klagen über Figurprobleme zunehmen, bestehen erste Hinweise auf eine ernsthafte Essstörung. Während Magersüchtige anfänglich eine strenge und extrem knappe Kaloriengrenze einhalten, werden im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit Mahlzeiten sogar ganz ausgelassen.
Bei Bulimie wird Erbrechen als Ausweg für Figurprobleme gesehen: sowohl nach normalen Mahlzeiten als auch nach Heißhungerattacken. Nicht selten werden bei den auftretenden „Fressattacken" bis zu 10 000 kcal aufgenommen. Die Attackenfrequenz reicht von ein bis zweimal pro Woche bis zu mehrmals täglich.
Schon nach kurzer Zeit entwickelt sich in den meisten Fällen ein Teufelskreis, aus dem Betroffene ohne Hilfe nicht mehr herauskommen. Für die Familie bricht damit eine problematische Zeit an. Oftmals fühlen sich die Angehörigen hilflos oder gar mitschuldig. Zu helfen gestaltet sich schwierig, weil die Betroffenen oft gereizt auf Fragen reagieren und Normalität simulieren. Erst spät, nach mehreren Jahren "Leidensdruck", wollen sie selbst etwas unternehmen.

Fachliche Hilfe

Angehörige sollten in solchen Fällen die Betroffene direkt auf das Problem ansprechen. Dabei sollte das Gespräch nicht auf das Essverhalten fixiert sein, sondern Hintergründe der Erkrankung in den Vordergrund stellen. Wichtig ist vor allem, die Betroffene spüren zu lassen, dass Hilfe lediglich angeboten und nicht aufgezwungen wird. Nur so kann man Kranke irgendwann dazu motivieren, die letztendlich notwendige professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Weitere Tipps zum Erkennen und richtigen Umgang mit Essstörungen finden Sie hier.
Hilfe kann in Form psychologischer Behandlung in Einzel- oder Gruppentherapien stattfinden. Auch Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen oder Frauengesundheitszentren können helfen, krankhafte Essstörungen zu überwinden. Denn gesundes Essverhalten kann schrittweise wieder gelernt, die Angst vor Gewichtszunahmen abgebaut, die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper erhöht und das Selbstvertrauen gestärkt werden. Gemeinsam werden bei den essgestörten Patienten die Auslöser für Heißhungerattacken erarbeitet, die oft in Depressivität, Mangelernährung, beruflichen und privaten Belastungen zu suchen sind.
Weiterführende Links zum Thema Essstörungen finden Sie hier.

Literatur

De Zwaan M: Der Beitrag der Mediziner/Innen zur Früherkennung von Essstörungen (2007). www.essstoerungshotline.at/export/sites/fsw/essstoerung/downloads/dokumente/Dezwaan_Martina.pdf (Zugriff am 22.9.2009).
Clemens A: Der Gedanke zu essen macht mich wahnsinnig - die wichtigsten Fakten zur Ess-Störung. www.thieme.de/viamedici/wettbewerb/schreibwettbewerb/bulemie.html (Zugriff am 22.9.2009).
Hörndler M: Wissenschaftliche Zahlen und Daten zu Essstörungen (04/2007).
Schauder P, Ollenschläger G: Essstörungen. In: Schauder P, Ollenschläger G (Hrsg.): Ernährungsmedizin. Urban & Fischer, München: 934-952 (2006).

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