04.10.2018 von Elisabeth Rudolph

Immer noch beliebt: Die Schulmilch

Milch ist wichtiger Bestandteil unserer Ernährung. Kinder benötigen für das körperliche Wachstum besonders viel davon. Damit Mädchen und Jungs regelmäßig Milch trinken können, gibt es bereits seit 1930 die Schulmilchaktion. Seit knapp 40 Jahren wird sie von der Europäischen Union finanziell unterstützt. Lesen Sie mehr über das Projekt, wie man überhaupt zur Schulmilch kommt und welche Kriterien gelten.

Schulmilchprodukte werden in Österreich von ca. 100 Schulmilchbauern und etwa vier bis fünf Molkereien angeboten. In ländlichen Gegenden beliefern oft Nahversorger Schulen und Kindergärten mit den Produkten. Rund 4000 österreichische Bildungsanstalten nehmen am Schulmilchprogramm teil. Um die Organisation zu erleichtern, wurde im Schuljahr 2017/18 das EU-Schulmilchprogramm und das EU-Schulobst zusammengelegt und läuft nunmehr unter dem Namen EU Schulprogramm für Obst, Gemüse und Milch. „Das bringt doppelten Nutzen“, erklärt die Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Köstinger anlässlich der Präsentation. Denn Ziel des von der EU geschaffenen Programms ist, gesunde Ernährungsgewohnheiten zu fördern und die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Herkunft und Herstellung von Lebensmitteln, Landwirtschaft und Umwelt zu verstehen. Dazu werden begleitend auch Materialien für den Schulunterricht zur Verfügung gestellt.

Wie kommt man zur Schulmilch?

Kinder österreichischer Kindergärten und Schulen haben die Möglichkeit, Schulmilch zu beziehen. Die Marktordnungsstelle der Agrarmarkt Austria (AMA) wickelt die Schulmilchbeihilfe ab. Teilnehmende Ausbildungsstätten müssen im Vorfeld eine Verpflichtungserklärung an die AMA abgeben. Sie erklären sich damit bereit, z.B. einen Höchstpreis bei Schulmilchprodukten einzuhalten und die Milchprodukte nur an jene Kinder abzugeben, die regelmäßig die öffentliche Einrichtung besuchen. Mit der Schulmilch dürfen darüber hinaus keine Mahlzeiten zubereitet werden. Die Einrichtungen werden ausschließlich mit pasteurisierten Milchprodukten beliefert. Die Menge von 250 ml pro Kind und Schultag soll dabei nicht überschritten werden. Des Weiteren ist in den teilnehmenden Kindergärten und Schulen das Poster „Schulprogramm der Europäischen Union“ gut sichtbar aufzuhängen. Kontrollorgane überprüfen stichprobenartig, ob die genannten Punkte eingehalten werden. Die Schulen geben die Bestellungen an den Milchlieferanten weiter, der die Bildungseinrichtungen direkt beliefert. Leergebinde, egal ob Flaschen, Becher oder Kartonverpackungen, nimmt die Molkerei wieder zurück.
Die Basis des Schulmilchprogramms ist Vollmilch und Kakao. Zusätzlich bieten die Lieferanten regional unterschiedliche Produkte an, wie Erdbeer-, Bananen- oder Vanillemilch, Fruchtmolke oder Trinkjoghurts. Kakao zählt nach wie vor zu den Favoriten unter den Milchgetränken: Jedes zweite Kind trinkt ihn am liebsten.

Wissenswert

Milch ist Kalziumlieferant Nummer eins. Die österreichische Ernährungspyramide sieht drei Portionen Milch und Milchprodukte täglich vor. Ideal sind zwei Portionen weiß, also Milch, Joghurt, Hüttenkäse und eine Portion gelb, z.B. Käse. Bereits ein Viertel Liter Milch, ein Joghurt und zwei Scheiben Käse decken den Tagesbedarf an Kalzium. Jugendliche von 13 bis 18 Jahren benötigen aufgrund des starken Wachstums mengenmäßig am meisten davon. Laut Österreichischem Ernährungsbericht 2012 liegen Mädchen mit durchschnittlich rund 700 mg/d und Jungen mit knapp 800 mg/d unter den Empfehlungen von 900 mg/d (7-10-Jahre) und 1100 mg/d (10-13-Jahre). Lesen Sie hier mehr über Milch als Kalziumlieferant.

Schulmilchbeihilfe abhängig vom Zuckergehalt

Um die Schulmilchprodukte günstiger anzubieten, dürfen Lieferanten im Rahmen des EU-Schulmilchprogramms eine sogenannte Schulmilchbeihilfe beantragen. Die Beihilfe ist an verschiedene Voraussetzungen geknüpft, z.B. dass eine bestimmte Höchstgrenze an Zucker nicht überschritten werden darf. Jene Produkte, die von der EU unterstützt werden, lassen sich in drei Kategorien einteilen:

  • Kategorie 0 (100 % Milchanteil): Trinkmilch und laktosefreie Trinkmilch ohne Zusätze, Naturjoghurt und andere fermentierte oder gesäuerte Milcherzeugnisse ohne Zusätze.
  • Kategorie I (90 % Milchanteil): Getränke auf Milchbasis mit Kakao, Fruchtsaft oder natürlich aromatisiert. Fermentierte Milcherzeugnisse mit Fruchtsaft, natürlich aromatisiert oder nicht aromatisiert.
  • Kategorie II (75 % Milchanteil): Fermentierte oder nicht fermentierte Milcherzeugnisse mit Fruchtzusatz, natürlich aromatisiert oder nicht aromatisiert (z.B. Fruchtjoghurt).

Getränken der Kategorie I und II darf Zucker nur in einem bestimmten Ausmaß zugesetzt werden. Bei Kakao oder ähnlichen Milchprodukten sind derzeit maximal 5,5 % Zucker erlaubt, bei Produkten der Kategorie II höchstens 6,5 %. Das Ziel der Europäischen Union ist, den Zuckergehalt in den Schulmilchprodukten schrittweise zu senken, bereits jetzt werden erste Schritte gesetzt. Bis zum Schuljahr 2022/2023 soll der Zuckergehalt bei Produkten der Kategorie I, also Kakao, Erdbeer- oder Vanillemilch, auf 3,5 % gesenkt werden. Bei Produkten der Kategorie II, also Fruchtjoghurts, auf 5,5 %.

Wissenswert

Milch ist aufgrund seines Energiegehaltes als Nahrungsmittel und nicht als Getränk zu betrachten. Für Kinder, die zuhause nicht gefrühstückt haben, sind Schulmilchprodukte oft die erste Mahlzeit des Tages. Neben anderen Jausensnacks, wie Vollkornbrot, Obst, Gemüse oder Nüsse, beugen sie Konzentrationsschwächen und Heißhungerattacken vor.

Projekt Wasserschulen

Parallel zum Schulmilchprogramm startete mit Beginn des neuen Schuljahres das Projekt H2NOE-Wasserschulen in Niederösterreich. Ziel ist, Kinder anzuregen, mehr Wasser zu trinken – konkret pro Schultag mindestens einen halber Liter. Darüber hinaus sollen Kinder in ihren Familien als Multiplikatoren wirken. Das regelmäßige Wasser trinken verhindert vor allem Müdigkeit und Konzentrationsschwächen.
Teilnehmende Schulen erhalten Trinkflaschen, Trinkpässe und Trinkplakate zugesandt. Im Moment befindet sich das Projekt in der Pilotphase und wird an 22 Schulen aus unterschiedlichen Schulbezirken Niederösterreichs getestet. Die Initiative „Tut gut“ betont, dass durch das Trinkprojekt das altbewährte Schulmilchprogramm weiterhin seinen Platz an den Schulen haben soll.

Fazit

Milch ist ein Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte, darüber hinaus wichtigster Kalziumlieferant. Nachdem Kinder in Österreich mit dem Knochenbaustein unterversorgt sind, bietet Milch eine ideale Möglichkeit, um die Kalziumversorgung zu verbessern. Durch die Förderung der EU können Kinder kostengünstig Milch und Milchprodukte in den Bildungseinrichtungen beziehen. Durch die schrittweise Zuckersenkung werden zudem die Süßrezeptoren am Gaumen nicht überbelastet.

Weiterführende Information rund um Milch:
ernährung heute 1_2015: Milchmädchenrechnung
Erfahren Sie mehr über das EU-Schulprogramm in diesem Video.

Literatur

Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Toursimus: EU-Schulprogramm für Obst, Gemüse und Milch. www.bmnt.gv.at/land/lebensmittel/qs-lebensmittel/ernaehrung/initiativen_lb_ernaehrung/schulobst.html (Zugriff am 6.10.2018)
Landwirtschaftskammer Niederösterreich: Regierung startet Trinkmilch-Aktion für Erstklässler. noe.lko.at/regierung-startet-trinkmilch-aktion-f%C3%BCr-erstkl%C3%A4ssler+2500+2786214 (Zugriff am 6.10.2018)
Landwirtschaftskammer Niederösterreich: Wie komme ich zur Schulmilch? www.fil-idf.org/wp-content/uploads/2016/05/promoteschoolmilk_Austria.pdf (Zugriff am 5.10.2018)
Agrarmarkt Austria (AMA): Schulmilch. Vorabinformation-Schuljahr 2017/2018

 

 

 

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