31.10.2012 von Nina Grötschl

Intoleranzen häufiger als Allergien

Etwa jeder Fünfte reagiert auf den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel mit Bauchschmerzen, Hautirritationen, Übelkeit oder Kopfschmerzen. Schnell wird eine Lebensmittelallergie vermutet. Die Beschwerden gehen jedoch häufiger auf Nahrungsmittelintoleranzen zurück, die allerdings schwerer zu diagnostizieren sind.

„Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelintoleranzen sind zwei Unterformen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten", erklärt Professor Dr. med. Stephan Bischoff, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Neueren Studien zufolge leiden 1 bis 2 % der Erwachsenen in Deutschland an einer Nahrungsmittelallergie, der eine Beteiligung des Immunsystems zugrunde liegt. „Bei Kindern ist die Häufigkeit der Erkrankung mit 4 bis 8 % deutlich höher", erläutert Bischoff. „Diese frühen Allergien verschwinden jedoch meist spontan bis zur Einschulung." Weniger bekannt, aber deutlich häufiger verbreitet, sind die Nahrungsmittelintoleranzen. Bei diesen rebelliert der Körper gegen eine bestimmte Substanz - ohne Beteiligung des Immunsystems.

Wenn Milch, Obst oder Käse Probleme machen

Nahrungsmittelintoleranzen äußern sich sehr vielfältig: Bei einer Milchzucker- oder Laktoseintoleranz, von der rund 15 % der Deutschen betroffen sind, kommt es nach dem Konsum von Milchprodukten häufig zu Blähungen und Durchfall. Ursache ist das Fehlen des Laktose-spaltenden Enzyms Laktase. Ein Enzymdefekt ist auch der Grund dafür, dass einige Menschen den Nahrungsbestandteil Histamin nicht vertragen. Histamin, das unter anderem in Käse, Rotwein, Fisch und Sauerkraut enthalten ist, wird normalerweise durch das Enzym Diaminooxidase rasch abgebaut. Fehlt das Enzym, führt das mit der Nahrung aufgenommene Histamin im Körper zu ähnlichen Symptomen wie eine Nahrungsmittelallergie: Betroffene leiden an Hautrötungen, Hitzewallungen, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden.
Grundsätzlich sind zunächst eine sorgfältige Anamnese und Ausschlussdiagnostik erforderlich. Zum Nachweis von Allergien stehen anschließend unter anderem einfache Hauttests zur Verfügung. „Beim Prick-Test bringen Allergologen mögliche Allergene in die Haut ein und untersuchen dann die lokale Reaktion", so Bischoff. Zur Diagnostik von Nahrungsmittelintoleranzen gibt es nur wenige objektive Testverfahren. Besonders mit Atemluft-Untersuchungen können die Mediziner den Kreis der verdächtigen Nahrungsmittel jedoch eingrenzen.

Reflexion und Ausschlussdiät

Die entscheidende Rolle bei der Suche nach dem Auslöser einer Nahrungsmittelunverträglichkeit spielt bis heute ein „Low-Tech"-Instrument: Mithilfe eines Ernährungstagebuches versuchen Arzt oder Ernährungsberater und Patient, dem krankmachenden Nahrungsbestandteil auf die Spur zu kommen. Steht ein bestimmtes Nahrungsmittel unter Verdacht, kann der Patient für eine Weile darauf verzichten oder es bewusst zu sich nehmen. „Mit etwas Geduld gelingt es so meist, den Auslöser zu identifizieren", erklärt Bischoff. Die Therapie liegt dann auf der Hand: Der Übeltäter wird gänzlich vom Speiseplan gestrichen.

Fazit

Patienten, die an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden, sind mit einer eingehenden Ernährungsberatung gut beraten: Betroffene müssen lernen, ihre Ernährung ihren Bedürfnissen entsprechend zu gestalten. Voraussetzung hierfür ist, neben der hohen Motivation, eine gute Schulung.

Mehr zum Thema:

ernährung heute 4_2008: "Überempfindliche Reaktion"

Literatur

Wenn Essen krank macht - Nahrungsmittelintoleranzen häufiger als -allergien. Pressemeldung der DGVS (Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten) am 30.11.2012.

Bischoff SC: Nahrungsmittelunverträglichkeiten - Update. Gastroenterologie up2date 08(02): 143-161 (2012).

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