27.02.2017 von Elisabeth Rudolph

Kalium, Natrium, Chlorid: Drei, die einander brauchen!

Meist treten sie zu zweit auf, oft gesellt sich noch ein Dritter dazu. Sie können nicht ohne einander und doch ist das Miteinander oft schwierig und manchmal bringt es sie gehörig durcheinander. Klingt wie eine komplizierte Dreiecksbeziehung und in der Tat ist es das. Die Rede ist hier nicht von Menschen, sondern von drei lebenswichtigen Mengenelementen: Natrium, Chlorid und Kalium. Wie hängen sie zusammen und warum wurden die Zufuhrempfehlungen aktualisiert? Ein Update zu den drei Nährstoffen.

Natrium, Chlorid und Kalium zählen zu den wichtigsten Elektrolyten in unserem Körper. Beim Stichwort Elektrolyte denken viele sofort an Schwitzen, Durchfall und Erbrechen. Denn scheiden wir zu viel von ihnen aus, ist der Wasser- und damit der Elektrolythaushalt gestört. Das kann massive gesundheitliche Folgen haben.

Wofür brauchen wir sie konkret?

Die Mengenelemente Natrium und Chlorid kommen natürlicherweise in Kochsalz (NaCl) vor und werden so über die Nahrung aufgenommen. Im Körper sind sie hauptsächlich außerhalb der Zelle zu finden, regulieren den Blutdruck und den Flüssigkeitshaushalt und sind für die Muskel- und Nervenfunktionen verantwortlich. Natrium ist darüber hinaus an aktiven Zelltransporten beteiligt und fördert so die Aufnahme von Glukose und Aminosäuren. Chlorid kommt auch in Salzsäure (HCl) vor und ist somit Bestandteil des Magensaftes. Hier hat es die Aufgabe, Krankheitserreger abzuwehren. 

Kalium wiederum spielt überall dort eine Rolle, wo Natrium und Chlorid wichtig sind. Dabei wirken Salz und Kalium genau in die entgegengesetzte Richtung. Kalium leitet ebenso Nervenimpulse weiter und ist deshalb wichtig für Muskel- und Herzfunktionen und reguliert auch den Blutdruck. Es befindet sich im Gegensatz zu Natrium und Chlorid hauptsächlich in der Zelle, vor allem in der Muskulatur.
Damit alles reibungslos funktioniert, ist die Balance der Elemente entscheidend. Doch klarerweise hat die körpereigene Regulation seine Grenzen und diese sind sogar sehr eng gesteckt. Salzen wir zu viel und nehmen zu wenig Kalium auf, antwortet der Körper mit Bluthochdruck und Schlaganfall.

Kalium als Blutdrucksenker
Früher hatte man nur Natrium und damit die Kochsalzaufnahme in der Debatte um Bluthochdruck im Visier. Das nicht zu Unrecht, denn manche Personen reagieren sehr empfindlich auf Salz. Bei diesen salzsensitiven Menschen steigt der Blutdruck durch zu viel Salz rasch an. Umgekehrt senkt ihn eine salzarme Ernährung, wenngleich nur in geringem Maßstab. Heute weiß man, dass weitere Faktoren zu Bluthochdruck beitragen: Übergewicht, wenig Bewegung und Stress. Nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird auch Kalium in den Vordergrund gerückt. Denn wer kaliumreich isst, senkt den Blutdruck. Dieser Effekt ist bei Personen mit hohem Blutdruck deutlicher zu sehen als bei jenen mit niedrigem. Ob sich neuerdings durch eine salzarme und kaliumreiche Ernährung das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen senken lässt, ist noch nicht restlos geklärt.Will man also Bluthochdruck den Kampf ansagen, sollte man viel Obst und Gemüse essen. Diese enthalten besonders viel Kalium. Sehr gute Lieferanten sind: Marillen, Bananen, Karotten, Kohlrabi, Avocado, Tomaten, Kartoffel, ebenso Haselnüsse, Cashewkerne, Mandeln und Erdnüsse. Große Mengen des Elements findet man in konzentrierter Form auch in Trockenobst. 

Akualisierte Referenzwerte: Nun angemessene Schätzwerte
Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr sind notwendig, um eine ausgewogene Ernährung umzusetzen. Sie beinhalten Richtwerte, Schätzwerte und Empfehlungen. Ihr Ziel ist, eine ausreichende Zufuhr von Energie, Nähr- und Ballaststoffen bei nahezu allen Menschen zu ermöglichen. Von Zeit zu Zeit werden diese Empfehlungen überarbeitet. Wissenschaftliche Erkenntnisse bilden die Basis dafür. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat aus diesem Grund die Referenzwerte für Natrium, Chlorid und Kalium überarbeitet. Bisher gab es für die drei Mengenelemente nur Schätzwerte für eine minimale Zufuhr. In der überarbeiteten Version der Zufuhrempfehlungen werden zwar immer noch Schätzwerte angegeben, jedoch für eine angemessene Zufuhr. Wo liegt der Unterschied? Die minimale Zufuhr bezieht sich auf jene Menge, die man braucht, um natürliche Verluste über Urin, Schweiß und Stuhl zu ersetzen. Die nunmehr angemessene Zufuhr bezieht Sicherheitszuschläge ein und beschreibt Mengen des Nährstoffs, die mitunter präventive Effekte haben. 

Wissenswert

Schätzwerte werden dann angegeben, wenn der Bedarf für einen bestimmten Nährstoff nicht genau genug angegeben werden kann und keine Daten für einen durchschnittlichen Bedarf vorliegen. Die Schätzwerte werden entweder experimentell ermittelt, oder aus dem Verzehr gesunder und gut ernährter Personengruppen herangezogen. Sie werden lediglich abgeleitet und sollen Hinweise auf eine angemessene und vor allem gesundheitlich unbedenkliche Zufuhr geben.

Die Schätzwerte zur angemessenen Zufuhr sind im Vergleich zu den alten Werten für alle drei Elemente höher angegeben. Für Natrium wurden sie anhand von Bilanzstudien abgeleitet. Hier wurde das Verhältnis von Aufnahme und Verlusten bei unterschiedlichen Natriumzufuhrmengen bestimmt. Daraus wurde ein Schätzwert für eine angemessene Zufuhr von 1500 mg pro Tag für Personen ab 15 Jahren angegeben. Das sind knapp 4 g Kochsalz pro Tag. Als angemessene Chlorid-Zufuhr beziffern die Fachleute 2300 mg pro Tag für Personen ab 15 Jahren. Diese Werte wurden aus den Schätzwerten für Natrium abgeleitet, da diese beiden Mengenelemente meist im Doppelpack vorkommen. Bei Kalium wurden die beobachtete Zufuhr von gesunden Personen herangezogen und auch die präventiven Aspekte bezüglich Bluthochdruck und Schlaganfall berücksichtigt. Dadurch ergaben sich 4000 mg pro Tag, Stillende haben einen erhöhten Bedarf von 4400 mg. Damit hat sich der Wert im Vergleich zu den alten Werten verdoppelt.

Nun ist es gar nicht so leicht, den neuen Empfehlungen nachzukommen. So kann man es dennoch schaffen die Empfehlungen abzudecken:

  • Zum Frühstück: 1 Becher Joghurt mit Banane und Haferflocken, 1 Glas Orangensaft
  • Als Snack zwischendurch: Eine Handvoll Trockenfrüchte, 1 Stück Obst
  • Zu Mittag: 1 Portion Lachs oder Hering mit Gemüse (Kohl, Karotten, rote Rüben, Brokkoli, Fenchel) und Kartoffeln
  • Als Snack: 1 Stück Obst, 1 Handvoll Nüsse
  • Zum Abendessen: 2 Scheiben Vollkornbrot mit Käse, Salat, Avocadodip

 

Fazit 

Stimmt das Verhältnis von Natrium, Kalium und Chlorid zueinander nicht, hat das gesundheitliche Folgen. Während Salzeinsparungen nicht allen hilft, hat eine hohe Kaliumzufuhr durch die Bank positive Effekte. Denn wer viel Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte isst, ernährt sich somit kaliumreich und ganz automatisch präventiv gegen Bluthochdruck. Im Einklang mit ausreichender Bewegung ist man überhaupt bestens gewappnet.

Literatur

DGE: Presseinformation: DGE aktuell 01/2017: DGE aktualisiert die Referenzwerte für Natrium, Chlorid und Kalium: www.dge.de/presse/pm/dge-aktualisiert-die-referenzwerte-fuer-natrium-chlorid-und-kalium/ (Zugriff am 14.2.2017)
Medizin Transparent: Salz als Blutdrucktreiber. www.medizin-transparent.at/salz-als-blutdruck-treiber (Zugriff am 21.2.2017)
D-A-CH-Referenzwerte der DGE, ÖGE, SGE/SVE: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr 1 (2015)
European Food Safety Authority (EFSA): Dietary reference values for potassium. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2016.4592/pdf
Souci SW, Fachmann W, Kraut H: Die Zusammensetzung der Lebensmittel Nährwert Tabellen. 8. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbh (2015).

 

 

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