05.06.2014

Karies in Österreich

Jedes Kind weiß: „Zähneputzen schützt vor Karies“. Dennoch war in den 1990ern die Bakterienerkrankung der Zähne weit verbreitet. Heute sieht die Situation deutlich besser aus. Regelmäßige Zahnstatuserhebungen zeigen den Vergleich.

Im Rahmen der Strategie „Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert“ fordert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Senkung der Kariesfälle. Bis zum Jahr 2020 sollen mindestens 80 % der Sechsjährigen kein Karies aufweisen, Zwölfjährige sollen weniger als 1,5 kariöse Zähne haben und Achtzehnjährigen keine Zähne fehlen – so die Hauptziele der WHO für Kinder und Jugendliche. Um dies zu erreichen, müssen die Mitgliedsländer gezielte Vorsorgemaßnahmen durchführen. Ob sie erfolgreich dazu beitragen, die Zähne der Bevölkerung gesünder zu halten, überprüfen regelmäßig durchgeführte Zahnstatuserhebungen.

Da die EU-Länder die Alterskategorien unterschiedlich wählen, ist ein direkter Vergleich untereinander nicht möglich. Die Werte der in Sachen Zahngesundheit führenden, skandinavischen Ländern ähneln den österreichischen Daten. Sie lassen vermuten, dass Österreich auf einem hohen Niveau liegt.

Auf den Zahn gefühlt

In den zehn Jahren von 1998 bis 2008 hat sich die Zahngesundheit der Jugendlichen in Österreich deutlich verbessert: Seit der Erhebung im Jahr 1998 sank bei den Achtzehnjährigen das Auftreten von Karies um 34 %. Lediglich 3 % der jungen Erwachsenen verlieren ein oder mehr kariöse Zähne – 97 % haben ein lückenloses, natürliches Gebiss. Die WHO definiert hier als Ziel für 2020, dass Achtzehnjährige noch alle Zähne haben sollten. Die durchschnittliche Anzahl der wegen Karies gezogenen Zähne liegt in Österreich derzeit bei den Achtzehnjährigen bei 0,05.

Ein anderer Indikator, um die Zahngesundheit zu beschreiben, ist der D3MFT-Index. Er beschreibt die Anzahl der kariösen, wegen Karies gezogenen oder gefüllten Zähne. Von ursprünglich 5,5 (1998) sank der D3MFT-Wert bei Achzehnjährigen auf 3,6 (2008). Damit hat diese Altersgruppe derzeit 1,9 weniger kariesbefallene Zähne. Ebenso markant fiel der Anteil der behandlungsbedürftigen jungen Menschen: Während früher 20 % der Zahn gefüllt wurde, waren es 2008 nur mehr 12 %.

Zwölfjährige Kinder

Die zwölfjährigen österreichischen Teenager haben die Kriterien der WHO erfüllt. Für sie gilt das Ziel: Der D3MFT-Index soll nicht größer sein als 1,5. Dass unsere Kinder darunter liegen, ergab die bundesweite Zahnstatuserhebung 2012. Die untersuchten Kinder erzielten einen D3MFT von 1,4. An einem gesunden Gebiss erfreut sich heute jedes zweite zwölfjährige Kind. Rund ein Viertel der Kinder mit Karies ist nicht in zahnärztlicher Behandlung. Mit einem oberflächlichen Eingriff oder einer Füllung könnten die bestehenden Löcher jedoch schnell geheilt werden. Dieser ausstehende Behandlungsbedarf ist nicht unerheblich. Aus kieferorthopädischer Sicht stehen übrigens auch bei jedem dritten Zwölfjährigen die Zähne zu eng. Es ist mehr Zahnmaterial vorhanden, als in den knöchernen Kieferbögen Platz ist.

Die Karies-Schere

Diese positive Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine immer kleiner werdende Bevölkerungsgruppe mit sehr kranken Gebissen lebt. Gut ein Viertel der untersuchten Zwölfjährigen hat doppelt soviel Karies wie der Durchschnitt. Betroffen sind vorwiegend Kinder aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien. Sie bedürfen besonderer Aufmerksamkeit.

Zukünftige Strategien

Die Ergebnisse der aktuellen Zahnstatuserhebungen zeigen, dass die Zähne der jungen Menschen stetig gesünder werden. Ansporn genug, den Weg einer präventionsorientierten Zahnheilkunde in Richtung Zahnerhalt vor Zahnersatz weiter zu verfolgen. Ein früh erkannter kariöser Zahn kann mit Fluorid aufgebaut, versiegelt oder gefüllt werden und so die Zahngesundheit verbessern. Wer regelmäßig Zähne putzt, die Zahnzwischenräume säubert und den Zahnarzt kontrollieren lässt, kann Karies vermeiden.

Wissenswert

Im Erwachsenenalter ist erwiesenermaßen der häufigste Grund für Zahnverlust Parodontitis (Zahnbettentzündung). Die WHO richtet das Augenmerk daher bei Erwachsenen nicht auf Karies, sondern auf die Vollständigkeit des Gebisses und parodontale Gesundheit.


Literatur

Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG): Länder-Zahnstatuserhebung 2012: Zwölfjährige in Österreich (2014).

Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG): Zahnstatus bei Achtzehnjährigen 1998-2008.

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