27.02.2017 von Nina Grötschl

Kinder, immer in Bewegung bleiben!

Seit nun mehr als 13 Jahren untersucht die KiGGs Studie die Beweglichkeit von Kindern. Aktuelle Ergebnisse zeigen, dass die motorischen Fähigkeiten der Sprösslinge und ihre Freude an Bewegung zunehmen. Damit dieser Aufwärtstrend erhalten bleibt, muss an der Motivation der Kleinen gekurbelt und gezielte Bewegungsimpulse gesetzt werden.

Outdoor-Freizeitaktivitäten stehen im harten Konkurrenzkampf mit „Heim-Sportarten“ wie Computer spielen und Fernsehen. Das hat Folgen: Störungen des Bewegungsapparates und Haltungsschäden nehmen bereits im Volkschulalter zu. Vier von zehn Schülern leiden unter Wirbelsäulenveränderungen, eines von zehn Kindern weist Fuß- und Beindeformationen auf. Das geht aus dem Wiener Kindergesundheitsbericht von 2012 hervor. Ein Zuwenig an Bewegung führt auch dazu, dass die grobmotorischen Leistungen der Kinder nachlassen.  

Defizite nachgewiesen
Fast die Hälfte der erwachsenen Österreicher ist der Meinung, dass der Nachwuchs zu wenig aktiv ist. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Meinungsforschungsinstituts IMAS. Laut 35 % der Befragten ist der Computer an der kindlichen Bewegungsarmut schuld. Drei von zehn Personen zeichnen das Handy sowie den Fernsehapparat dafür verantwortlich und zwei von zehn glauben, dass das Internet die Kinder von Sport und Bewegung abhält. Bewegungsdefizite wies auch das Motorik-Modul MoMo (2003-2006) im Rahmen des Kinder- und Jugendsurveys nach. Im Fokus standen damals die motorische Leistungsfähigkeit und die körperlich-sportlichen Aktivitäten von Kindergarten- und Volksschulkindern.

„Bewegender“ Aufwärtstrend              

Die Daten der Momo-Folgeuntersuchung ließen deutliche Leistungsverbesserungen erkennen, vor allem bei Volkschulkindern: Aus dem Stand sprangen Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren um ca. 3 cm weiter, Volkschulkinder verzeichneten eine Steigerung um 6 cm. Beim Balancieren rückwärts leisteten die Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren im Durchschnitt drei Schritte mehr. Auch beim seitlichen Hockespringen steigerten sie sich um zwei bis fünf Sprünge. Bei der Testaufgabe „Liegestütze“ zeigten sich bei Volkschulkindern ebenfalls leichte Steigerungen. Innerhalb von 40 sek leisteten sie einenhalb Bewegungen mehr.
Die Auswertung der nächsten KiGGs-Welle folgt 2017. „Sport und Spiel haben heutzutage wieder einen hohen Stellenwert im Kindesalter“, betont Kristin Manz, vom Robert-Koch-Institut. Kinder üben zunehmend Sport in Vereinen aus, nehmen an Bewegungsprogrammen teil und auch die Achtsamkeit der Eltern und Erzieher ist gestiegen. Nichtsdestotrotz ist es weiterhin wichtig, Bewegung und Sport im Kindesalter zu fördern, damit sich dieser Aufwärtstrend nachhaltig etabliert. Der Grundstein dafür wird schon im Kleinkindalter gelegt.

Wissenswert

Kinder sollten  mindestens 60 Minuten pro Tag „bewegt“ verbringen, das sagen die österreichischen Bewegungsempfehlungen. Einen Überblick über generelle Bewegungsempfehlungen gibt die f.eh-Bewegungspyramide.

Mit gutem Beispiel vorangehen         

Genauso wie bei Ernährungsgewohnheiten wird  auch der Grundstein für Bewegungsgewohnheiten bereits im frühen Kindesalter gelegt. Kinder lernen durch das „Vorleben“ von Bewegung innerhalb der Familie. Gewohnheiten werden genau beobachtet, übernommen und oft in späteren Lebensjahren beibehalten. Der Familie kommt also eine wichtige Vorbild-Rolle zu. Schon zu Beginn der 1990er-Jahre hat eine Studie gezeigt, dass sich Kinder inaktiver Eltern auch selbst am wenigsten bewegten. Bei einem aktiven Elternteil stieg die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder sportlich aktiv sind, auf das 3,5-fache, bei zwei aktiven Eltern sogar auf das 5,8-fache.

Wichtig ist, dass Kinder vielfältige Bewegungs- und Sinneserfahrungen machen. Bewegung sollte spielerisch gestärkt werden und vor allem Spaß machen. Denn Freude an der Bewegung ist die stärkste Motivation, um langfristig aktiv zu bleiben. 

Wissenswert

Das forum. ernährung heute hat bereits vor Jahren auf das Bewegungsmanko bei Kindern und Jugendlichen aufmerksam gemacht. Das Modellprojekt „Schule bewegt. Bewegte Schule“ vermittelte Schülern, dass Sport und Bewegung eng mit Spaß und Lebensfreude verknüpft sein können. Lesen Sie hier mehr dazu.

Wie Eltern Freude an Bewegung vermitteln:

  • Leben Sie „Freude an Bewegung“ vor, sowohl im Alltag als auch beim Sport. Denn Kinder imitieren gerne ihre Eltern und gemeinsam bewegt es sich leichter!
  • Planen Sie gemeinsam verbindliche Bewegungszeiten in den Alltag ein.
  • Sorgen Sie alle 20 Minuten für Sitzunterbrechungen und lassen Sie Kinder täglich mindestens eine Stunde im Freien spielen.
  • Verstärken Sie das Bewegungsverhalten Ihres Kindes positiv.  Gehen Sie großzügig mit Lob um  und vermeiden Sie Bestrafungen, Tadel oder Bloßstellen vor den anderen.
  • Legen Sie die Betonungen auf die eigenen Fertigkeiten des Kindes, nicht auf den Vergleich mit anderen.
  • Bieten Sie – wenn möglich – Raum zum Ausprobieren und Bewegungsangebote unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad. Kinder sollen selbständig wählen können, egal ob es sich um Klettern, Radfahren, Reiten oder Ballsport handelt.
  • Auch der Alltag strotzt nur so vor „Bewegungschancen“: Zu Fuß Einkaufen gehen; eine Strassenbahnstation zu Fuß marschieren; Treppensteigen, anstatt mit dem Lift zu fahren 
  • Halten Sie Kinderzimmer frei von Computern und Fernsehapparaten und begrenzen Sie Mediennutzungszeiten altersgerecht.

 

Wissenswert

Um Kinder und Eltern spielerisch den Zusammenhang von körperlicher Aktivität und Ernährung zu vermitteln, entwickelte das forum. ernährung heute das Bewegungspiel [ess-be] mit Quizfragen rund um Ernährung. Im Vordergrund steht der Spaßfaktor, der Lerneffekt stellt sich nebenbei ein.

Ob sich Kinder gerne und oft bewegen, wird aber auch durch kindliche Vorlieben, „Verführungen“ und Bestärkungen im Kindergarten, in der Schule sowie im Freundeskreis beeinflusst. Die Plattform peb erarbeitete deshalb Handlungsempfehlungen u.a. für Eltern und Erzieher, Kindergärten sowie Schulen. Dabei lautet das Credo: Sitzzeiten reduzieren, unterbrechen und für mehr Bewegung sorgen!

 

 

Literatur

Robert-Koch-Institut Deutschland (Hrsg.) KiGGS: Eckdaten zur „Studie zur Gesundheit von Kindern in Deutschland“ KiGGS (2016).
BKK – Kindergesundheit. Mit gutem Beispiel voran. Eltern sind Vorbilder.
IMAS Report international: Gesellschaftspolitik/Jugend: Computer, Smartphone und Fernsehen fressen die Bewegung. 7:1-5 (2017).
Moore L et al.: Influence of parents’ physical activity levels on activity levels of young children. Journal of Pediatrics 118 (2): 215–219 (1991).
BMG: Österreichischer Kinder- und Jugendgesundheitsbericht. 2016.
Würth S: Zu Bewegung motivieren – aber wie? ernährung heute 6: 6 (2006).
Plattform Ernährung und Bewegung e. V. (peb): Aufruf! Mehr Bewegung und weniger Sitzen im Alltag von Kindern. Pressemitteilung am 23.4.2014.
Stadt Wien, MA15 – Gesundheitsdienst der Stadt Wien (Hrsg.): Wiener Gesundheitsbericht. 2012. 

 

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