19.09.2013 von Nina Grötschl

Kindliche Ernährung - Eltern stehen zu ihrer Vorbildrolle

Die Mehrheit der Eltern nimmt sich selbst in die Pflicht und steht zu ihrer Verantwortung, wenn es um die Ernährungserziehung des Nachwuchses geht. Das ermittelte das Forschungsinstitut TNS aus Bielefeld in einer repräsentativen Umfrage.

Immer wieder wird medial die Vorbildrolle der Eltern diskutiert, wenn es um die Ernährung der Kinder geht. In einer Online-Umfrage wurden ca. 1000 Mütter und Väter von Kindern unter 16 Jahren befragt, die für den Einkauf zu Hause verantwortlich sind. Die Ergebnisse der Umfrage sind eindeutig (siehe Abb. 1): 91 % aller Elternteile sind davon überzeugt, selbst die Verantwortung dafür zu tragen, was und wie viel ihre Kinder essen. Auch Eltern übergewichtiger und fettleibiger Kinder nehmen sich bei der Ernährungserziehung selbst in die Pflicht. 85 % der Erziehungsberechtigten übergewichtiger Mädchen und Buben sowie 79 % der Eltern fettleibiger Kinder machen in erster Linie sich selbst für die Ernährungserziehung der Kleinen verantwortlich. Lediglich 4 % aller Befragten delegieren die Verantwortlichkeit für die Ernährungserziehung der Kinder an die Gesellschaft. 3 % der Eltern zeichnen die Lebensmittelhersteller dafür verantwortlich und jeweils 1 % gibt die Verantwortlichkeit an Schuleinrichtungen sowie die Politik weiter.

Abb. 1: Bei wem liegt die Verantwortung der Ernährungserziehung?

Zudem wurden die Eltern nach den Hauptgründen für kindliches Übergewicht befragt (siehe Abb. 2). Die elterliche Vorbildrolle beim Essen und Trinken ist hier mit 66 % Spitzenreiter. Knapp ein Drittel der Eltern bemängelt das geringe Ausmaß an Schulsport und fehlende Spielplätze. Für 26 % der Eltern sind ein zu unruhiger Alltag und zu wenig Zeit für gemeinsame Mahlzeiten ausschlaggebend für überschüssige Kilos bei den Kindern. Lediglich 5 % der Eltern sehen den Einfluss bei den Freunden, 7 % machen die Lebensmittelwerbung verantwortlich.

Tab. 2: Hauptursachen für Übergewicht bei Kindern

Mütter und Väter sind sich einig, wie Übergewicht im Kindesalter ein Riegel vorgeschoben werden kann: Neun von zehn Befragten meinen, dass sie selbst mehr Ernährungserziehung übernehmen sollten, ebenfalls neun von zehn Personen sprechen sich für mehr Bewegungsmöglichkeiten und ein ausgewogenes Speisenangebot in Schulen sowie in Kinderbetreuungseinrichtungen aus.

Vorbild in puncto Ernährung

Der familiäre Hintergrund prägt, wenn es ums Essen und Bewegen geht. Das Verhalten der Eltern überträgt sich meist auf die Kinder und beeinflusst, ob sie Speisen- und Bewegungsangebote annehmen. Wichtig ist, bereits beim Frühstück anzuknüpfen. Denn die Mahlzeit am Morgen fördert nicht nur die schulischen Leistungen der Kinder, sondern wirkt sich auch positiv auf das Körpergewicht aus. Amerikanische Forscher fanden einen Zusammenhang zwischen Frühstücksgewohnheiten bei Jugendlichen und deren Körpergewicht. Im Durchschnitt wogen Mädchen und Burschen, die täglich frühstückten um 2,3 kg weniger als jene, die unregelmäßig oder nie frühstückten. Ebenso kamen mehrere Langzeitstudien zu dem Ergebnis, dass der Verzicht auf die morgendliche Mahlzeit die Wahrscheinlichkeit für späteres Übergewicht ansteigen lässt. Es lohnt sich also, am Morgen Zeit fürs (gemeinsame) Frühstück einzuplanen.

Mit Beispiel vorangehen

Wachsen Kinder in einem körperlich aktiven Umfeld auf, werden sie dieses Verhalten eher annehmen als jene mit körperlich inaktiven Eltern. Ist ein Elternteil sportlich, steigt die Wahrscheinlichkeit körperlicher Betätigung bei Kindern auf das 3,5-fache an. Sind beide Elternteile aktiv, ist die Wahrscheinlichkeit um das 6-fache erhöht. Es muss jedoch nicht gleich ein Sportkurs sein, wenn es darum geht, das kindliche Bewegungspensum zu steigern.
Eltern können auch im Alltag als „Bewegungsvorbild" dienen, indem sie beispielsweise kleine Strecken zu Fuß gehen, anstatt mit dem Auto zu fahren, Treppen steigen statt den Lift zu nehmen oder im Garten oder Park mit den Kleinen fangen spielen. Mit dem [ess-be]-Spiel lernen Kinder übrigens ganz spielerisch über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Bewegung.

Literatur

ZAW (Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft): Übergewichtige Kinder - Eltern stehen zu ihrer Verantwortung. Presseinformation 9. September 2013.

Whitaker RC et al: Predicting Obesity in young Adulthood from Childhood and parental Obesity. The new England Journ of med. 337: 869-973 (1997).

Timlin MT, Pereira MA, Story M, Neumark-Sztainer D: Breakfast Eating and Weight Change in a 5-Year Prospektive Analysis of Adolescents. Project EAT (Eating among Teens). Pediatrics 121: e638-e645 (2008).

Utter J, Scragg R, Schaaf D, Mhurchu CN: Relationships between frequency of family meals, BMI and nutritional aspects of the home food environment among New Zealand adolescents. The international journal of behavioral nutrition and physical activity: 5: 50 (2008).

Rampersaud GC, Pereira MA, Girard BL, Adams J, Metzl JD: Breakfast Habits, Nutritional Status, Body Weight, and Academic Performance in Children and Adolescents. Journal of the American Dietetic Association 105: 743-760 (2005).

Berkey CS, Rockett HRH, Gillman MW, Field AE, Colditz GA: Longitudinal study of skipping breakfast and weight change in adolescents. International Journal of Obesity 27: 1258-1266 (2003).

Ausblick 8. f.eh Symposium am 10.10.2019
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