23.03.2017 von Elisabeth Rudolph & Martin Kugler

Klare Fakten rund um Wasser

 „Wasser ist das Prinzip aller Dinge. Denn Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück.“ Der Philosoph Thales von Milet hat es bereits in der Antike beschrieben: Wasser ist das grundlegendste Element der Natur und das wichtigste Gut für den Menschen. Egal ob als Nahrungsmittel oder Alltagsressource. Grundlegendes und Wissenswertes rund um das kühle Nass lesen Sie in unserem Faktencheck. 

H2O

Die wohl bekannteste chemische Formel H2O ist eine relativ junge Entdeckung. 1805 veröffentlichten Joseph Louis Gay-Lussac und Alexander von Humboldt, dass Wasser aus zwei Teilen Wasserstoff und einem Teil Sauerstoff besteht.

Wasserkreislauf 

Jährlich fallen rund 115 000 km3 Niederschläge auf die Landoberfläche der Erde. Rund ein Drittel davon ist Süßwasser (in Flüssen, Seen und im Grundwasser), das im Endeffekt ins Meer fließt. Zwei Drittel der Niederschlagsmenge verdampfen an der Landoberfläche, vor allem durch den Stoffwechsel von Pflanzen. Das Wasser, das im Wasserkreislauf umgeschlagen wird, ist nur ein sehr kleiner Teil des Süßwassers auf der Erde: Weit über 95 % befinden sich in gefrorener Form in der Antarktis, in fossilen Grundwasserschichten oder als Wasserdampf in der Atmosphäre.

Süss- und Salzwasser 

Etwa 70 % der Erdoberfläche werden vom Meer, also Salzwasser, bedeckt. Nutzbares Süßwasser macht nur etwa 2,5 % der Erdoberfläche aus. Dabei können nur etwa 0,3 % der gesamten Süß- wasservorräte aktiv vom Menschen genutzt werden. Der Rest ist in Gletschern, Eis oder im Bodenwasser gebunden und nicht verfügbar.

<< 2010 haben die Vereinten Nationen den Anspruch jedes Menschen auf sauberes Trinkwasser zum Menschenrecht erklärt. >>

Weltwassertag

Ziel des Internationalen Weltwassertages ist es, auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage für die Menschheit aufmerksam zu machen. Der Weltwassertag jährt sich am 22. März. Heuer steht er unter dem Leitthema "Wasser und Abwasser". Der österreichische Trinkwassertag am 21. Juni soll das Bewusstsein für Wasser als wertvolles Gut schärfen und die Leistungen der heimischen Wasserversorger ins Rampenlicht rücken.

. Gobaler Wasserverbrauch

Im 20. Jahrhundert hat sich der globale Wasserverbrauch ungefähr versechsfacht. Die Nachfrage nach Wasser ist damit doppelt so schnell gewachsen wie die Bevölkerung. Bis zum Jahr 2050 erwartet die UNO ein weiteres Ansteigen der Weltbevölkerung um rund ein Drittel. Der Wasserbedarf werde um mehr als die Hälfte zunehmen, erwarten die Experten.

 

. Wasserverbrauch des Menschen

Nur ein Bruchteil des Wassers wird für die unmittelbaren Lebensbedürfnisse des Menschen - für Kochen und Trinken - genützt: In Österreich sind das pro Tag bei einem durchschnittlichen Verbrauch von rund 135 L Wasser etwa 5 L. 63 L fließen hingegen durch Bad, Dusche und Toilette, 17 L in die Wohnungs-, Auto- und Gartenpflege.  

Trinkwasser in Österreich...

Altlast mit unangenehmen Folgen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden ausschließlich Bleirohre für Wasserleitungen in Wohnhäusern verwendet. In Wien wurden bereits 2007 alle Hausanschlussleitungen, die noch aus Blei waren, von den Wiener Wasserwerken getauscht, nicht aber die Steigleitungen in den Wohnhäusern. Deshalb gibt es in vielen Altbauten immer noch Bleirohre. Der maximal erlaubte Bleigehalt im Wasser ist mit einem Grenzwert geregelt. Trinkt man über längere Zeit bleihaltiges Wasser, kann das zu Nervenschäden führen und die Blutbildung beeinträchtigen. Gerade Säuglinge und Kleinkinder sollten daher kein Wasser aus Bleileitungen trinken. 

Mensch und Wasser

Der menschliche Körper besteht zu einem Großteil aus Wasser. 75 % sind es beim Säugling, 60 % bei Männern, 50 % bei Frauen. Die Angaben schwanken, weil der Wassergehalt mit dem Fettgehalt zusammenhängt: Je weniger Fettgewebe, desto mehr Wasser ist im Körper.

Was passiert, wenn man zu wenig trinkt?

Ein trockener Mund ist das erste Anzeichen für Flüssigkeitsmangel. Die Folgen sind Schwäche, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Bei diesen Anzeichen fehlen bereits ca. 4 % des Körpergewichtes an Wasser. Fehlen 5 %, kann man das Bewusstsein verlieren. Bei Verlust von ca. 10 % kann der Wassermangel nicht mehr ausgeglichen werden und endet tödlich.

ALTE LEUTE TRINKEN ZU WENIG!

Das stimmt leider, da das Durstgefühl mit dem Alter abnimmt. Das kann mitunter kritische Zustände wie Schwindel oder Kreislaufkollaps verursachen, vor allem, wenn bereits Flüssigkeitsmangel herrscht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt älteren Menschen, täglich 1,3 L Flüssigkeit zu trinken, jüngeren Erwachsenen ca. 1,5 L. Weitere Trinktipps finden sie hier.

  

TOD DURCH ZU VIEL WASSER TRINKEN?
Schwitzt man durch Sport oder an heißen Tagen, verliert man viel Wasser und damit Mineralstoffe. Beides muss ersetzt werden. Trinkt man zu viel reines, natriumarmes (Leitungs-)Wasser auf einmal, kann dies in sehr seltenen Fällen zur sogenannten Wasservergiftung führen. Die Zellflüssigkeit wird dabei so stark verdünnt, dass ein Ungleichgewicht entsteht. Der Natriumgehalt im Blut sinkt stark, die Zellen quellen regelrecht auf. Ab 3 L in der Stunde kann das passieren, führt zu Kopfschmerzen sowie Übelkeit und endet im schlimmsten Fall tödlich. Isst man Salziges wie Brot, Wurst oder Käse, bekommt der Körper ausreichend Natrium. Bei Extremsportlern wird bei Wettbewerben das Wasser ggf. zusätzlich mit Kochsalz versetzt. 


Wassersorten im Überblick

Quellwasser

Im Unterschied zu Mineralwasser braucht Quellwasser keine amtliche Anerkennung, stammt jedoch ebenfalls aus einer unterirdischen Quelle. Es muss hygienisch einwandfrei sein, dafür gelten dieselben Kriterien wie für Mineralwasser. Die chemische Zusammensetzung muss der von Trinkwasser gleichen. Es darf nicht weiter behandelt werden und muss ebenfalls am Quellort (oder in der Nähe) abgefüllt werden.

Tafelwasser

Es handelt sich um Trinkwasser oder Mineralwasser. Tafelwasser muss den Richtlinien für Trinkwasser entsprechen und mindestens eine der folgenden Zutaten enthalten: Sole, Salze oder Salzlösungen und Kohlensäure. Im Unterschied zu Mineralwasser kann es überall hergestellt und abgefüllt werden. Sind mehr als 4 g Kohlensäure pro Liter enthalten, kann Tafelwasser auch als Sodawasser bezeichnet werden. 

Mineralwasser

Natürliches Mineralwasser stammt ursprünglich aus einer unterirdischen, geschützten Quelle. Diese muss sowohl rein als auch mikrobiologisch und chemisch einwandfrei sein. Mineralwasser muss entweder direkt am Quellort oder in unmittelbarer Nähe in Flaschen abgefüllt werden. Bevor es verkauft werden darf, muss natürliches Mineralwasser vom Bundesministerium für Gesundheit anerkannt werden. Es dürfen weder weitere Stoffe zugesetzt werden noch darf es zusätzlich behandelt werden. liegt der natürliche Gehalt an Kohlensäure über 250 mg/L, bezeichnet man das Wasser als Säuerling. 

Flavoured Mineralwasser

Das Wasser wird mit natürlichen Aromastoffen versetzt, die als Destillat aus Früchten gewonnen werden. Da natürliches Mineralwasser keine weiteren Zusätze enthalten darf, zählen Flavoured Mineralwässer rechtlich zu den Limonaden.

Grander-Wasser & Co

Wissenschaftlich ist nicht belegt, dass Wasser Informationen speichern kann und „ein Gedächtnis“ hat oder Schwingungen aufnehmen und abgeben kann. Ebenso wenige Belege gibt es für einen etwaigen gesundheitlichen Nutzen von mit Sauerstoff angereichertem Wasser. Beim Grander-Wasser handelt es sich um „belebtes“ Wasser. Der Erfinder, Johann Grander, behauptete, dass Wasser ein Immunsystem besitzt, das beim Transport durch die Leitungen zerstört wird. Er selbst hat ein Gerät erfunden, mit dem das Wasser wieder aktiviert werden kann. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge gibt es keinen Unterschied zwischen normalem und aktiviertem Wasser bzw. keinen Nachweis für eine vermeintlich positive Wirkung des Grander-Wassers. Einem Entscheid des Oberlandesgerichts Wien aus 2006 zufolge darf es sogar als „esoterischer Unfug“ bezeichnet werden.

Heilwasser

Natürliches Wasser, das nachweislich therapeutischen Nutzen besitzt (z. B. bei Darmbeschwerden, Reizmagen…), darf als Heilwasser bezeichnet werden. Erfahren Sie mehr dazu hier.

Trinkgewohnheiten der Österreicher

⇒ Der Mineralwasserkonsum in Österreich belief sich 2014 auf rund 92 L/Kopf und Jahr,
   1970 waren es nur 6 L/Kopf und Jahr.
⇒ Im Schnitt trinken Erwachsene in Österreich insgesamt rund 2,6 L pro Tag.

Frauen trinken...

1,1 L Trinkwasser und 290 ml Mineralwasser = 1,4 L Wasser / 780 ml Tee und Kaffee / 
116 ml Obst- und Gemüsesäfte / 86 ml Softdrinks / 82 ml Milch / 80 ml Bier und Wein

Männer trinken...

870 ml Trinkwasser und 550 ml Mineralwasser = ca. 1,4 L Wasser / 490 ml Tee und Kaffee / 148 ml Obst- und Gemüsesäfte / 190 ml Softdrinks / 87 ml Milch / 340 ml Bier und Wein


Mehr zum Thema Wasser lesen Sie in der ernährung heute 2/2016 "Dimension Wasser"

Literatur

Kugler M: Wasser rund um den Globus. ernährung heute. 2: 2-8 (2016).  

Österreichische Vereinigung für Gas- und Wasserfach (ÖVGW): Rund 167.000 Kilometer Trink- und Abwasserleitungen garantieren sichere Wasserversorgung in Österreich. Presseinformation am 20.03.2017. 

 

 

 

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