12.11.2018 von Elisabeth Rudolph

Krebs: Ganzheitlicher Ansatz gefragt

Seit knapp 25 Jahren beschäftigt sich der World Cancer Research Fund (WCRF) mit den Zusammenhängen von Ernährung, Körpergewicht, Bewegung und Krebs. Nun wurde der dritte Bericht dieser Serie veröffentlicht. Wir haben uns die Überarbeitung und die neuen Erkenntnisse genauer angesehen.

Jeder sechste Todesfall weltweit ist durch Krebs verursacht. Für das Jahr 2018 rechnet die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) mit 9,6 Mio. Krebstoten und 18,1 Mio. Neuerkrankungen. Bei Männern ist Lungenkrebs die häufigste tödliche Krebserkrankung, bei Frauen Brustkrebs. Rund 30-50 % aller Krebserkrankungen gelten als vermeidbar. Ein Drittel der Neuerkrankungen ist bereits auf den Lebensstil zurückzuführen. Die Hälfte aller Krebserkrankungen weltweit treten in Asien auf. Somit sind auch immer mehr Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen betroffen.

Bereits eine umgesetzte Empfehlung senkt das Risiko

Bei der zweiten und dritten Ausgabe des Reports wurden Empfehlungen abgegeben, um das persönliche Krebsrisiko zu reduzieren. Die Experten weisen darauf hin, dass Krebsprävention bereits dann beginnt, wenn zumindest eine dieser Empfehlungen eingehalten wird. Den größten Nutzen hat jeder Einzelne jedoch, wenn alle zehn Empfehlungen als Gesamtpaket berücksichtigt werden. Dazu zählen neben der Ernährung auch die körperliche Aktivität, genauso wie Nichtrauchen oder übermäßige Sonnenbestrahlung.

Die Key-Messages lauten:

  • Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht und vermeiden Sie eine Gewichtszunahme im Erwachsenenalter.
  • Seien Sie körperlich aktiv: gehen Sie mehr und sitzen Sie weniger. Verfolgen Sie die nationalen Bewegungsempfehlungen: Mindestens 150 Minuten Bewegung bei moderater Intensität pro Woche.
  • Essen Sie reichlich Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte.
  • Begrenzen Sie den Konsum von verarbeiteten Lebensmitteln und Fastfood, die reich an Fett, einfachen Kohlenhydraten oder Zucker sind.
  • Begrenzen Sie den Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch: Essen Sie maximal drei Portionen rotes Fleisch und Fleischprodukte/Woche.
  • Begrenzen Sie den Konsum von zuckergesüßten Getränken. Trinken Sie als Durstlöscher vor allem Wasser und ungesüßte Getränke.
  • Begrenzen Sie den Alkoholkonsum: Für die Krebsprävention ist es am besten, keinen Alkohol zu trinken. Wenn Alkohol getrunken wird, sollten die maximal tolerierbaren Mengen der nationalen Empfehlungen nicht überschritten werden. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt die akzeptable tägliche Alkoholmenge bei 10 g für Frauen und 20 g für Männer. 20 g Alkohol entsprechen ca. 0,5 L Bier, oder 0,25 L Wein bzw. Sekt pro Tag.
  • Verwenden Sie zu Krebsprävention keine Nahrungsergänzungsmittel: Ziel sollte sein, den Nährstoffbedarf allein durch Lebensmittel zu decken.
  • Für Mütter: Wenn möglich, stillen Sie ihr Kind. Das hat zusätzlichen schützenden Effekt auf die Entstehung von Brustkrebs.
  • Nach einer Krebsdiagnose: Befolgen Sie nach Möglichkeit die Empfehlungen des WCRF, holen Sie sich den Rat des Arztes ein oder konsultieren Sie Diätologen.


Ganzheitlicher Ansatz

Anders als in den beiden ersten Ausgaben des Reports werden nicht einzelne Nährstoffe wie Ballaststoffe oder einzelne Lebensmittel wie verarbeitetes Fleisch für ein erhöhtes Risiko an Krebs zu erkranken verantwortlich gemacht. Da Lebensmittel selten isoliert konsumiert werden, geht es in der dritten Ausgabe vielmehr um den ganzheitlichen Ansatz. Denn die Experten des WCRF stellten fest, dass unterschiedliche Ernährungsmuster und körperliche Aktivität die Entstehung oder den Fortschritt einer Krebserkrankung prägen. Das hat unter anderem mit Veränderungen der genetischen Anlage zu tun, die sehr stark über die Ernährung, die Umwelt, die Mitmenschen und den Lebensstil geprägt wird.

Salzaufnahme nicht mehr im Vordergrund

Eine wesentliche Änderung zum zweiten Report betrifft die Salzaufnahme. Im zweiten Report wird empfohlen, gesalzene oder daraus hergestellte Lebensmittel zu vermeiden. Die Experten vermuteten einen Zusammenhang mit der Entstehung von Magenkrebs. Im Report 2018 wird in den Empfehlungen nicht explizit darauf hingewiesen, salzhaltige Lebensmittel zu vermeiden. Die Experten gehen von folgender Überlegung aus: Halten sich die Menschen an die Empfehlungen des WCRF, so ist es sehr wahrscheinlich, dass sie von salzigen, genauso wie fettreichen Lebensmitteln weniger essen. Damit leisten sie einen Beitrag, um die Risikofaktoren für Krebs, aber auch für andere nicht übertragbare Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, zu reduzieren.

Obst, Gemüse und Bewegung als Krebsschutz

Bereits seit zehn Jahren existieren die Empfehlungen zur Krebsprävention. Dabei zeigt sich: Je mehr Leute sich an die Richtlinien halten, desto eher reduzieren sie ihr persönliches Krebsrisiko.
Die Qualität der erhobenen Daten hat sich im Laufe der Zeit erheblich verbessert. Das führt auch zu einer noch besseren und sicheren Auswertung der Daten, vor allem wenn es um die Dosis-Wirkung-Beziehung bestimmter Lebensmittel geht. Als Beispiel führen die Experten den Obst- und Gemüsekonsum an. Je mehr Obst und Gemüse gegessen wird, desto geringer ist das Risiko. Dieser Zusammenhang gilt als gesichert.
Körperliche Aktivität reduziert das Krebsrisiko. Die Zusammenhänge sind mittlerweile gut erklärbar. Körperfett, vor allem das viszerale Fett, wird als eine der Hauptursachen für die Entstehung von Krebs gesehen. Bewegung hilft, schlank zu bleiben und Körperfett zu reduzieren. Der Insulin- und Östrogenspiegel werden durch körperliche Aktivität gesenkt. Das verringert das Risiko an Brustkrebs zu erkranken. Durch regelmäßige Bewegung wird der oxidative Stress reduziert und Schäden an der DNA repariert. Beides reduziert die Krebsentstehung. Als gesichert gilt ebenso, dass Alkohol und Krebs eng zusammenhängen.

Überlebenschancen steigen

Erfolge konnten auch in der Überlebensrate der Krebspatienten erzielt werden. Dennoch sehen die Experten in vielen Bereichen weiteren Forschungsbedarf. Vor allem wenn es um biologische Mechanismen geht, wie genau Ernährung und körperliche Aktivität Krebs beeinflussen. Bis zum Jahr 2025 sollen frühzeitige Todesfälle durch nicht übertragbare Krankheiten wie Krebs um 25 % reduziert werden. Dazu werden auch politische Maßnahmen benötigt. Sie sollen helfen entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, die bei der Umsetzung der Empfehlungen förderlich sind.

Fazit

Die Empfehlungen des bereits dritten Reports des WCRF zielen auf eine gesamtheitliche Betrachtung der Lebensmittel, der Ernährung und der körperlichen Aktivität ab. Anders als beim vorangegangen Report werden nicht mehr isolierte Nährstoffe auf das Krebsrisiko betrachtet, vielmehr das Zusammenspiel des kompletten Lebensstils. Das spiegelt sich auch in den zehn Empfehlungen wider, die praktische und leicht verständliche Anhaltspunkte für jeden Einzelnen sein sollen. Die Experten sind sich einig, dass jene Menschen, die sich an mindestens eine der Empfehlungen halten, das persönliche Krebsrisiko reduzieren können.

Die 10 Empfehlungen zusammengefasst als Infographic hier zum Download.

Literatur

World Cancer Research Fund. Diet, Nutrition, Physical Activity and Cancer: a Global Perspective. Continuous Update Project Expert Report 2018. www.wcrf.org/sites/default/files/Summary-third-expert-report.pdf (Zugriff am 12.11.2018)

 

 

 

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