06.03.2008

Krebs - weitgehend vermeidbar

Der zweite WCRF-Report ist eine der maßgeblichsten wissenschaftlichen Auswertung von Studien über Ernährung, körperliche Aktivität und Übergewicht und deren Auswirkungen auf das Krebsrisiko. Eine Zusammenfassung lesen Sie hier.

Nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Krebs die zweithäufigste Todesursache an nichtinfektiösen Krankheiten. Obwohl auch eine genetische Veranlagung nicht ausgeschlossen werden kann, gilt Krebs im Allgemeinen als weitgehend vermeidbare Krankheit. Die Zahl der erblich bedingten Krebsfälle liegt nur bei ca. 5 %.

Übergewicht - einer der wichtigsten Risikofaktoren

Das Risiko, an Krebs zu erkranken, kann laut dem zweiten Bericht des World Cancer Research Fund (WCRF) durch das Meiden von Tabakrauch und durch eine entsprechende Lebensweise stark gesenkt werden. Besonders Übergewicht und Adipositas steigern nicht nur das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen, sondern auch für eine Reihe anderer Krankheiten wie erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck und Schlaganfall, Diabetes mellitus Typ 2 und koronare Herzkrankheiten.

Übergewichtige Kinder sind mit großer Wahrscheinlichkeit auch übergewichtige Erwachsene. Laut dem WCRF-Bericht ist die wichtigste Maßnahme zur Prävention von Krebserkrankungen das Körpergewicht ein Leben lang im Normalbereich zu halten (BMI 19-25). Auch die richtige Ernährungsweise und regelmäßige körperliche Aktivität sind ein relativ einfaches und preiswertes Mittel zur Prävention, die jedermann nützen kann. Dazu ist es jedoch notwendig, die Menschen ausreichend zu informieren und das Potenzial der Eigenverantwortung zu nutzen. Dieses Ziel verfolgt der zweite Bericht des World Cancer Research Fund.          

Grundlegender Leitfaden zur Krebsprävention

Seit dem Erscheinen des ersten Reports "Ernährung und Krebsprävention: Eine globale Perspektive" 1997 diente das Werk weltweit als eine der wichtigsten wissenschaftlichen Informationsquellen zum Thema Ernährung und Krebsprävention. Ab Mitte der 1990er Jahre hat der Umfang der wissenschaftlichen Literatur im Bereich Ernährung, körperliche Aktivität, Körpergewicht und Krebsrisiko erheblich zugenommen. Außerdem wurden neue Methoden zur Analyse und Bewertung von wissenschaftlichen Daten entwickelt. All dies machte einen neuen Report notwendig. Im Jahr 2001 begann die internationale Zusammenarbeit des WCRF (World Cancer Research Fund) und des AICR (American Institute for Cancer Research) zur Erstellung des zweiten Reports, der im November 2007 veröffentlicht wurde.

Allgemein verständliche Botschaften

Der zweite Report "Ernährung, körperliche Aktivität und Krebsprävention: Eine globale Perspektive" ist das Ergebnis eines fünfjährigen Arbeitsprojekts durch einen Ausschuss weltweit führender Wissenschafter. Dabei wurden 497.350 wissenschaftliche Veröffentlichungen ermittelt, von denen 22.100 ausgewertet und 7000 in die Endbewertung einbezogen wurden.                  

« Keine einzelne Studie kann beweisen, dass ein einzelner Faktor die ausschließliche Ursache für eine Krankheit ist. »

Aus dem umfangreichen wissenschaftlichen Datenmaterial formulierte der WCRF-Ausschuss zehn Empfehlungen zur Senkung des Krebsrisikos und setzte sie in allgemein verständliche Botschaften um. Im Vergleich zum ersten Report enthält der zweite Report auch Befunde über den gesamten Lebenszyklus sowie Daten von Krebsüberlebenden. Die Empfehlungen sind außerdem abgestimmt mit denen zur Prävention anderer Krankheiten und berücksichtigen auch soziale und Umweltursachen. Sie sollen als Entscheidungsgrundlage für Experten, Gemeinden, Familien und Individuen dienen.

Empfehlungen für Individuen und die ganze Bevölkerung

Der Report beschreibt den Wandel von Nahrungsproduktion und -konsum, körperlicher Aktivität und Köperfettmasse. Studien zeigen durchgehend, dass sich Krebshäufigkeiten mit zunehmender Migration, Verstädterung und Industrialisierung verändern. Für die Zukunft wird erwartet, dass die Zahl der Krebserkrankungen insgesamt ansteigen wird. Überzeugende wissenschaftliche Daten zeigen, dass bereits das Wachstum und die Entwicklung im Kindesalter wichtig für die Krebsprävention sind und daher der gesamte Lebenszyklus berücksichtigt werden muss. Für 17 Krebsarten wurden wissenschaftliche Daten zusammengefasst und beurteilt.

Der letzte Teil - das Kernstück des WCRF-Reports - beschreibt die Ziele für die Gesundheit der Bevölkerung und gibt Empfehlungen auf persönlicher Ebene. 

Empfehlungen des WCRF-Reports

  1. Körperfettmasse
    Es wird empfohlen, so schlank wie möglich zu bleiben, und zwar innerhalb des normalen Körpergewichts.
  2. Körperliche Aktivität
    Körperliche Aktivität sollte ein Teil des täglichen Lebens sein.
  3. Lebensmittel und Getränke, die eine Körpergewichtszunahme fördern
    Der Verzehr energiedichter Lebensmittel sollte begrenzt werden.
  4. Pflanzliche Lebensmittel
    Es wird empfohlen, überwiegend pflanzliche Lebensmittel zu verzehren.
  5. Lebensmittel tierischer Herkunft
    Es wird empfohlen, den Verzehr von rotem Fleisch zu begrenzen und den Verzehr von verarbeitetem Fleisch zu vermeiden.
  6. Alkohol
    Empfohlen wird eine Begrenzung des Konsums alkoholischer Getränke.
  7. Haltbarmachung, Verarbeitung, Zubereitung
    Der Verzehr von verschimmelten Getreide oder Hülsenfrüchten ist zu vermeiden. Empfohlen wird eine Begrenzung des Salzkonsums.
  8. Nahrungsergänzungsmittel
    Der Nährstoffbedarf sollte ausschließlich durch Lebensmittel gedeckt werden.
  9. Spezielle Empfehlung 1: Stillen
    Mütter sollten stillen; Säuglinge sollten gestillt werden.
  10. Spezielle Empfehlung 2: Krebsbetroffene
    Es gelten die Empfehlungen zur Krebsprävention.

Quelle: WCRF-Report 2007

Die detailierten Empfehlungen lesen Sie hier.

Wissenswert

Der vollständige Bericht umfasst 517 Seiten und liegt in englischer, spanischer und chinesischer Sprache vor. Er kann direkt unter www.dietandcancerreport.org/ bestellt werden.    

Verbindung mit nationalen Empfehlungen sinnvoll

Die Ziele und Empfehlungen des WCRF-Ausschusses beziehen sich auf die weltweite Bevölkerung. Einige Empfehlungen sind deshalb nur in begrenzten geografischen Regionen relevant wie z. B. der Verzehr von gesalzenem Fisch auf kantonesische Art in Südchina. Außerdem wird betont, dass auf nationaler Ebene eine Verbindung mit den jeweils bereits bestehenden Empfehlungen der Regierung sinnvoll ist. So sollte z. B. in Ländern mit Menschen, die im Durchschnitt relativ klein sind und zu einem höheren Körperfettanteil neigen (z. B. in einigen asiatischen Ländern), ein durchschnittlicher BMI von 21 angestrebt werden. In allen anderen Ländern ist ein durchschnittlicher BMI von 23 wünschenswert. Ein weiteres Beispiel ist die unterschiedlich empfohlene Ballaststoffmenge im WCRF-Report von 25 g im Vergleich zu den D-A-CH Richtwerten von 30 g pro Tag. In vielen Ländern liegen die Richtwerte für Ballaststoffe deutlich niedriger als im deutschsprachigen Raum, da unter anderem der bei uns wichtige Ballaststoffträger Vollkornbrot unbekannt ist. Für die globale Perspektive war daher ein Kompromiss auf 25 g Ballaststoffe pro Tag erforderlich, in einzelnen Ländern gelten dennoch die nationalen Empfehlungen.

"Make the healthier choice the easier choice"

Der WCRF-Report zur Krebsprävention ist ein Leitfaden für politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger, Vertreter des Gesundheitswesens aber auch für jeden Einzelnen. Die richtige Ernährungsweise, das Vermeiden von Übergewicht und Tabakrauch sowie körperliche Aktivität spielen dabei die Hauptrollen. Was und wie viel wir essen und trinken, bestimmen aber nicht nur persönlichen Wünsche, sondern die gesamten Lebensumstände. Ähnliche Bedingungen gelten auch für die körperliche Aktivität. Um Gesundheitsrichtlinien für eine nachhaltige Prävention zu entwickeln, müssen neben den physiologischen Aspekten daher auch wirtschaftliche, ökologische, soziale und vor allem auch kulturelle Faktoren mit einbezogen werden. Diese Thematik ist Gegenstand eines weiteren Reports, der Ende 2008 erscheinen wird.

Mehr zum Thema:

Wie enorm das Potenzial für eine wirksame Krebsprävention ist, können Sie auch in unserem Magazin "ernährung heute"  2_2007 lesen.

Literatur

World Cancer Research Fund, American Institute for Cancer Research: Ernährung, körperliche Aktivität und Krebsprävention: Eine globale Perspektive. Zusammenfassung. London (2007).

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