07.05.2015

Lebensmittelverpackung: eine multifunktionale Hülle

Flaschen, Kisten, Schachteln, Container, Steigen, Dosen, Beutel oder Tüten – Lebensmittelverpackungen werden oft als das notwendige Übel gesehen. Doch im Grunde übernehmen sie eine vielfältige Funktion. Und selbst „unverpackt“ ist manchmal nur „ausgepackt“. 

 „Erst mit Hilfe einer Verpackung können wir unsere Lebensmittel sammeln, transportieren, lagern und vor schädlichen Einflüssen schützen. Lebensmittel und ihre Verpackung gehören zusammen, schon seit der Steinzeit, als die Menschen Blätter zu Tüten gedreht oder Tierhaut zu Beuteln gebunden haben, um ihre Versorgung mit Lebensmitteln zu sichern“, sagt Thomas Reiner vom Deutschen Verpackungsinstitut e.V. (dvi) in Berlin. In der Antike und im Mittelalter waren Amphoren, Ballen, Kisten, Körbe und Fässer die Grundlage für den sich entwickelnden Handel mit Lebensmitteln.

Heute ist die Vielfalt an Nahrungs- und Genussmitteln auch auf den globalen Handel zurückzuführen. Kaffee und Tee, Schokolade, Früchte, Gemüse, Fisch  und Fleisch werden rund um den Erdball transportiert. Nach Zahlen des deutschen Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft stehen in den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels über 160.000 verschiedene Produkte. Weltweit ist die Menge der transportierten Lebensmittel in den vergangenen 20 Jahren um 90 % gestiegen.

Zudem führen demografische Faktoren dazu, dass die Zahl der eingesetzten Lebensmittelverpackungen steigt. So müssen immer mehr Menschen in städtischen Ballungsräumen mit Nahrung versorgt werden. Dazu kommt eine steigende Zahl von kleinen Haushalten, die andere Portions- und Packungsgrößen erforderlich machen. Laut Statistik Austria bestanden 1985 schon 54 % der Haushalte in Österreich aus maximal zwei Personen. Bis 2014 stieg diese Zahl auf 67 %, bis 2050 rechnet man mit einem Anstieg auf über 70 %. Spezielle Bedürfnisse hat aber auch die wachsende Zahl älterer Menschen. Sie benötigen Produkte, die sich ohne größeren Kraftaufwand und einfach öffnen und wiederverschließen lassen.

Ein weiterer Punkt sind die veränderten Essgewohnheiten. In Deutschland isst unabhängig von der Einkommensgruppe knapp jeder Zweite mindestens einmal am Tag etwas zwischendurch. Der „to-go“-Markt nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. „Fertige Salate, geschnittenes Obst, Kaffee im Pappbecher, Sushi oder Chinanudeln aus der Box sind allgegenwärtig. In den USA machen Snacks schon fast 40 % der gesamten, verpackten Lebensmittel aus“, so Reiner.

Smart Packaging

Verpackungen müssen daher  „immer leistungsfähiger und gleichzeitig individueller werden.“ Innovationen, Know-how und Kreativität sind dabei gefragt, um Handhabung und Hygiene weiter zu verbessern, Materialeinsatz zu verringern, Haltbarkeit zu verlängern, Restentleerung und Wiederverwertung zu optimierten.

Zudem hat  in den letzten Jahren das sogenannte „Smart Packaging“ an Bedeutung gewonnen. Dabei greifen aktive oder intelligente Verpackungen aktiv ein, um zum Beispiel die Haltbarkeit zu verlängern und die Qualität für den Konsumenten zu garantieren. So versetzen moderne Transportcontainer ihre Lebensmittel über Klimakontrolle in einen künstlichen Winterschlaf. Schutzverpackungen mit MAP-Technik (Modified Atmosphere Packaging) schützen vor dem Kontakt mit Sauerstoff und verlängern nicht nur die Haltbarkeit der Lebensmittel, sondern bewahren gleichzeitig deren Aroma und Farbe. Zudem beugen sie bei Frischeprodukten aus Milch und Fleisch der Keimbildung vor. Bei Obst und Gemüse absorbieren spezielle Folien und Kartonbeschichtungen die Feuchtigkeit oder das - zum Beispiel von Äpfeln abgegebene -„Reifegas“ Ethylen. „Intelligente“ Etiketten überwachen die Temperatur der verpackten Lebensmittel und schlagen Alarm, wenn Qualität oder Haltbarkeit in Gefahr sind. Über aufgedruckte Chips und Codes können Wege vom Erzeuger bis zum Verbraucher lückenlos dokumentiert werden. Hightech-Siegel garantieren, dass es sich nicht um eine Produktfälschung handelt oder die Ware bereits geöffnet wurde. Der US-Marktforscher MarketsandMarkets schätzt, dass der weltweite Markt für intelligente Verpackungen 2015 bereits 24 Milliarden US-Dollar schwer ist.

80 % werden recycelt

Neben Schutz, Transport und Lagerung haben heutige Lebensmittelverpackungen noch weitere Aufgaben. Verpackungen informieren über Menge, Herkunft und Inhaltsstoffe, sind Werbeträger und markenbildend, ein eigener Kommunikationskanal, der mitunter schon recht überladen ist. Am Ende ihres Lebenszyklus werden nach Auskunft der deutschen Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung rund 80 % aller Verpackungen recycelt. Nicht uninteressant, auch Lebensmittelgeschäfte, die unter dem Label „zero packaging“ oder „unverpackt“ werben, wären ohne Verpackungen leer. Die Ware käme dort erst gar nicht an. Und ganz ohne kommt kein Handel aus: Flaschen, Körbe, Weckgläser, Steigen, Kanister oder Papiertüten sind die immer mehr werdenden und eigentlich traditionellen Alternativen. Selbst die Lebensmittel, die lose angeboten werden, sind in Wirklichkeit eher ausgepackt als unverpackt. Irgendwie mussten sie auch transportiert werden…

Über den Tag der Verpackung

Seit 2015 findet jährlich der Tag der Verpackung statt. Unternehmen, Institute und Verbände aus der gesamten Wertschöpfungskette der Verpackung wollen über die Bedeutung der Verpackung und die Leistungsfähigkeit ihrer Akteure informieren und öffnen dafür ihre Türen.
Mehr dazu unter:  www.tag-der-verpackung.org 


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