03.02.2015

Magen-Darm-Infekt mit Alkohol vorbeugen?

Gerade noch ein köstliches Beef Tartar, Carpaccio oder Tiramisu genossen – schon zwickt es im Magen. Was soll man tun? Kann Alkohol das ungute Magengefühl besänftigen? Falls ja, reicht ein Glas Wein oder muss es schon etwas Hochprozentiges sein? Eine spanische Studie liefert Antworten.

Schon beim Anblick von Tiramisu oder Mayonnaisesalat klingeln bei vielen sofort die Alarmglocken: Rohe Eier – hoffentlich ist das frisch zubereitet! Auch kulinarische Erlebnisse auf Reisen lassen einen häufig bangen: Ob man Ungewohntes verträgt? Einen rebellierenden Magen und schmerzende Bauchkrämpfe möchte man vermeiden. In solchen Situationen könnte ein Schnaps helfen. Immerhin wirkt Alkohol auf Arbeitsflächen und Händen desinfizierend, wieso dann nicht beim Essen?

Schaut man sich die Datenlage zu dieser Fragestellung an, gibt es nicht viele Studien. Als bei einem Großevent in Spanien 40 % der Gäste an einer Salmonellenvergiftung erkrankten, nutzen Wissenschaftler die Chance und befragten sie ausführlich. Schuld war eine Mayonnaise, die im Kartoffelsalat und auf Thunfischbrötchen zum Einsatz kam. 90 Personen gaben an, ob und welche Symptome sie hatten, was sie gegessen und von welchen Getränken sie wieviel konsumiert hatten. Von den 51 Probanden, die von den kontaminierten Speisen aßen, ergab die Datenauswertung: Wer keinen Alkohol trank, war am schlechtesten dran.
95 % der Abstinenzler bekamen eine Magen-Darm-Infektion. Diejenigen, die 1–40 g Alkohol zu sich nahmen, verringerten das Risiko zu erkranken nur leicht. Den besten Schutz boten
40 g Alkohol oder mehr. Soviel steckt in vier Gläsern Schnaps, einem halben Liter Wein oder drei Seiterl. Von der Wirkung der Keime blieb jeder zweite Schluckspecht verschont. Rechnet man die Daten hoch, so ist das Risiko für eine Salmonellose für Trinker von mehr als 40 g Alkohol um knapp die Hälfte geringer als für Abstinenzler.

Ob Wein besser half als Bier oder ob Schnaps den besten Effekt zeigte, ist nicht bekannt. Die Unterschiede zwischen den Alkoholika waren nur gering. Neben dem Alkohol könnten auch sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe oder ein gesenkter Magen-pH-Wert schützend sein. Eine amerikanische Arbeitsgruppe untersuchte genauer, wodurch Wein die Bakterien hemmt. Dabei nahmen sie drei Komponenten unter die Lupe: Alkohol, organische Säuren (Weinsäure, Apfelsäure) und niedrigere pH-Werte. Heraus kam, dass eine Kombination aus allen dreien am effektivsten Krankheitsverursacher abtötete. Je höher der Alkoholanteil war, desto besser. Im Vergleich schnitt Wein mit 15 Vol.-% besser ab als jener mit 10 Vol.-%.

Fazit

Alkohol tötet Bakterien ab – und das offenbar auch im Magen-Darm-Trakt. Fraglich bleibt, wie viel getrunken werden muss und in welchem Zeitraum. In der präsentierten Studie waren diejenigen am besten vor einer Salmonellose geschützt, die 40 g Alkohol oder mehr über den Abend verteilt konsumierten.

 

Literatur

Bellido-Blasco JB et al.: The Protective Effect of Alcoholic Beverages on the Occurrence of a Salmonella Food-Borne Outbreak. Epidemiology 13:228–230 (2001).

Møretrø T & Daeschel MA: Wine is Bactericidal to Foodborne Pathogens. Journal of Food Science 69:251–257 (2004).

 

 

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