29.06.2011 von Nina Grötschl

Mehr Lebensqualität im hohen Alter

Im Schnitt werden die Menschen in Europa immer älter. Doch können sie künftig auch länger fit bleiben und eine höhere Lebensqualität genießen? An der Universität Wien forscht ein interdisziplinäres Team mit dem Ziel, ein aktives sowie möglichst schmerz- und medikamentenfreies Altern zu ermöglichen.

2010 nahm der 99-jährige Fauja Singh aus London am Staffellauf beim Frankfurt-Marathon teil. Obwohl er zu den Ausnahmen zählt, zeigt sein Beispiel, dass hohes Alter kein Grund für einen inaktiven Lebensstil, Gebrechlichkeit und Schmerzen sein muss.
Wie Ernährung und Bewegung  den Gesundheitsstatus und die Mobilität von alten Menschen beeinflussen, will die Forschungsplattform „Active Ageing" ergründen. Unter der Leitung von ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Karl-Heinz Wagner vom Department für Ernährungswissenschaften setzt ein interdisziplinäres Team der Universität Wien aus den Bereichen Ernährungswissenschaften, Sportwissenschaften und Pharmakognosie (Drogenkunde, Teilgebiet der Pharmazeutischen Biologie) speziell auf die Zielgruppe 80 plus zugeschnittene Bewegungs- und Ernährungsprogramme um. Diese werden über einen zweijährigen Zeitraum beobachtet und analysiert. Das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser ermöglicht zu diesem Zweck den Kontakt zu den Senioren.
Im Juni 2014 kam die Zusage, dass das Projekt um weitere drei Jahre verlängert wird. Gestartet ist es im Jänner 2011.

Wissenswert

Die Lebenserwartung für einen österreichischen Mann lag im Jahr 2013 bei 78,5 Jahren und somit um 6,3 Jahre höher als im Jahr 1990. Bei Frauen stieg die Lebenserwartung im gleichen Zeitraum um 4,7 Jahre auf mittlerweile 83,6 Jahre.

Mit Bewegung zu höherer Lebensqualität

Muskelabbau, auch Sarkopenie genannt, ist eines der häufigsten Probleme das alten Menschen zu schaffen macht. Daraus resultieren medizinische Komplikationen wie Oberschenkelhalsbrüche, die fast jeder in seinem Familien- oder Bekanntenkreis kennt. Der Abbau der Muskel- und Knochenmasse beginnt beim Menschen in der Regel bereits mit 30 Jahren, aber ab 60 wird es „dramatisch". Graduell dazu steigt der Körperfettgehalt. Sport und Ernährung können den Prozess verlangsamen.
Vor allem durch Bewegung kann selbst bei fortgeschrittenem Muskelschwund wieder mehr Lebensqualität für die Betroffenen erreicht werden. Um deutliche Effekte messen zu können, versucht man im Projekt auch sportlich inaktive Personen für ein individuell abgestimmtes Kraft- und Ausdauertraining zu gewinnen. Gearbeitet wird vor allem mit dem eigenen Körpergewicht, zwei- bis dreimal pro Woche.

Altersbedingte Unterversorung

Neben der Sarkopenie wird im Alter auch die Nährstoffaufnahme zum Problem. Magenprobleme sowie Kau- und Schluckbeschwerden können zu einer Unterversorgung an Nährstoffen führen. Laut Karl-Heinz Wagner gehören Vitamin B12, Folsäure, Ballaststoffe sowie teilweise Vitamin C zu den Risikonährstoffen. Bei diesem Projekt nehmen die Studienteilnehmer ein Trinkbrause mit den benötigten Nährstoffen zu sich, da eine Ernährungsumstellung im Alter nur schwer realisierbar ist.

Mehr Gesundheit erhofft

Bei der Studie werden insgesamt ca. hundert Senioren in vier Gruppen betreut: Eine Gruppe nimmt am Bewegungsprogramm teil, eine weitere bekommt eine nährstoffangereicherte Trinkbrause, eine dritte Gruppe ist an beiden Programmen beteiligt. Die Teilnehmer der vierten Gruppe, der „Placebogruppe", verändern ihren Lebensstil nicht. Gemessen werden, wie sich der Stoffwechsel und die Muskelmasse ändern und welche Effekte sich möglicherweise auf die Mobilität und Gesundheit zeigen. Durch die „Intervention" erhoffen sich die Wissenschaftler auch eine Reduktion der Medikamentengabe.
Außerdem will das Department für Pharmakognosie in diesem Projekt untersuchen, ob sich die Zellen älterer Personen bei Stressbelastung anders verhalten als die junger Menschen. Dabei werden z. B. Lymphozyten isoliert, die mit Wasserstoffperoxid gestresst werden.

Mehr zum Thema:

www.activeageing.univie.ac.at

Literatur

Forschungsnewsletter Universität Wien. Alter in Bewegung. 58, Juni 2011. https://forschungsnewsletter.univie.ac.at/fileadmin/fnl/201106_FNL_Juni.pdf (Zugriff am 29.08.2014).

Research Platform Active Ageing: Forschungsplattform: Verlängerung um weitere 3 Jahre bewilligt. http://activeageing.univie.ac.at/press/pm-singleview/article/forschungsplattform-verlaengerung-um-weitere-3-jahre-bewilligt/?tx_ttnews[backPid]=163400&cHash=b5e820c6126e410cfa3bf67ae6acd951 (Zugriff am 29.08.2014).

Statistik Austria: Bevölkerung. http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/ (Zugriff am 29.08.2014).

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