17.06.2012 von Nina Grötschl

Mit Schlaf gegen Übergewicht

Wer wenig schläft, hat mehr Appetit und greift gerne ein weiteres Mal in die Naschlade oder zum Mitternachtssnack. Das liegt aber nicht nur daran, dass man mehr Zeit zum Essen hat. Denn bei kurzem Schlaf verändert sich auch der Hormonspiegel.

„Eine chronisch kurze Nachtruhe ist in modernen Gesellschaften weit verbreitet", erklärt Dr. Karine Spiegel von der Universität in Lyon. Viele Menschen denken, dass sie mehr Energie verbrauchen, wenn sie weniger schlafen. Studienergebnisse sprechen jedoch dagegen: Wer länger aufbleibt, isst und trinkt mehr. Das ist nicht nur eine Frage der Zeit. Durch den Schlafentzug spielen Hunger und Sättigung steuernde Hormone verrückt. Der Leptinspiegel im Blut sinkt, die Konzentration von Ghrelin steigt.

So können längere Wachphasen zu einer erhöhten Energieaufnahme von ca. 250-500 Kalorien pro Tag führen. Wer wenig schläft, tut sich daher auch beim Abnehmen schwer.

Wenig Schlaf - mehr Appetit       

Kurzschläfer sind auch empfänglicher für Nahrungsreize, das zeigt eine amerikanischen Studie. 26 Probanden schliefen sechs Tage lediglich vier Stunden pro Nacht. Anschließend wurde die Schlafdauer für weitere sechs Tage auf neun Stunden pro Tag erhöht. Nach jeder Schlafphase wurden den Teilnehmern Bilder von Lebensmitteln gezeigt, gleichzeitig wurde ihre Gehirnaktivität mittels Magnetresonanztomografie gemessen. Das Ergebnis: Nachteulen haben verstärkt Appetit und essen folglich auch mehr.

Erhöhtes Risiko für Übergewicht          

Epidemiologische Untersuchungen und Querschnittsstudien weisen darauf hin, dass weniger als sechs Stunden Schlaf pro Tag das Auftreten von Übergewicht begünstigen. Zwei groß angelegte Metaanalysen, in die Daten von mehr als 600.000 Erwachsenen und 30.000 Kindern weltweit einflossen, bestätigten den Effekt von kurzem Schlaf auf das Übergewichtsrisiko. Das trifft vor allem bei Kindern zu. Schlafen sie weniger als zehn Stunden pro Tag, steigt das Adipositasrisiko um 58-89% an. Gegenüber einer normalen Schlafdauer (7-8 Stunden) nimmt das Übergewichtsrisiko bei Erwachsenen bei kurzem Schlaf (5-6 Stunden) um 72 % zu.

Erhöhtes Diabetesrisiko durch Schlafmangel

Wissenschafter an der Harvard Medical School untersuchten den Zusammenhang zwischen Diabetes und Schlafmangel bei 21 normalgewichtigen Teilnehmern. Drei Wochen vor Studienbeginn schliefen die Probanden zehn Stunden pro Tag. In den darauffolgenden drei Wochen verkürzten sich die Schlafphasen auf etwa fünf Stunden. Dabei sank die Insulinausschüttung um 32 %, bei manchen Teilnehmern erreichte der Blutzuckerspiegel Werte, die bereits als Vorstufe von Diabetes gelten.

Fazit

Zu wenig Schlaf kann an der Entstehung von Übergewicht und Diabetes beteiligt sein. Bleibt man länger wach, isst man mitunter bedeutend mehr pro Tag. Das könnte sich in einem ordentlichen Körpergewichtsplus niederschlagen, wenn man sich nicht mehr bewegt.

Literatur

Could extending sleep in those who are sleep-deprived battle obesity epidemic? ECO (European Congress on Obesity) Presseinformation 2012.
ST-Onge M et al: Sleep restriction leads to increased activation of brain regions sensitive to food stimuli. Am J Clin Nutr. 95: 818-824 (2012).
Buxton O.M. et al: Adverse Metabolic Consequences in Humans of Prolonged Sleep Restriction Combined with Circadian Disruption. Science Translational Medicine 4: 129-143 (2012).

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