18.12.2014

Natürlicher Winterspeck an kurzen Tagen

Die gute Nachricht vorweg: eine leichte Gewichtszunahme während der Wintermonate ist kein Grund, nervös zu werden. Mit den Jahreszeiten verändern sich die Nahrungsaufnahme sowie die körperliche Aktivität und damit auch das Körpergewicht. Der Winterspeck ist demnach eine natürliche Antwort auf kurze Tage und Kälte. Dennoch gilt: Die saisonale Gewichtsschwankung ist keine Ausrede für Völlerei und Nichtstun im Winter.

Die Nahrungsaufnahme unterliegt saisonalen Schwankungen: Verglichen mit dem Frühjahr nehmen wir im Herbst und Winter täglich rund 90 bis 200 kcal mehr auf. Doch nicht nur die allgemeine Energieaufnahme variiert mit den Jahreszeiten, sondern auch die Verteilung von Fett und Kohlenhydraten. Während im Herbst und Winter kohlenhydratreiche Lebensmittel am höchsten im Kurs stehen, greifen wir am häufigsten zu Lebensmitteln mit einem hohen Fettanteil, wenn die Tage wieder länger werden - also gegen Ende des Winters und im Frühjahr. Als Grund dafür wird vermutet, dass kohlenhydratreiche Speisen den niedrigen Serotoninspiegel an dunklen Tagen ausgleichen und so die Stimmung heben.

Weniger Bewegung und mehr Schlaf

In den westeuropäischen Ländern schwankt die Energiebilanz hauptsächlich aufgrund des veränderten Bewegungsverhaltens. Der Bewegungsdrang ist im Winter am niedrigsten. Mit dem verminderten Aktivitätslevel sinken die Muskelkraft und -masse, der Anteil an Körperfett, der Blutdruck sowie die Blutfettwerte steigen dagegen an. Obwohl über das Frühjahr bis zum Sommer das Ausmaß an körperlicher Aktivität wieder zunimmt, sind die physiologischen Veränderungen nicht immer vollständig reversibel. Möglich ist daher eine winterbedingte Zunahme des Körperfetts von Jahr zu Jahr, vor allem dann, wenn das durchschnittliche Jahres-Bewegungspensum gering ist. Kommt man mit der Länge der Tage jedoch wieder richtig in Schwung, sollte sich das vorwinterliche Körpergewicht wieder einpendeln.

Neben dem Appetit steigt im Winter auch das Schlafbedürfnis an. Von beiden Faktoren sind nicht nur diejenigen betroffen, die an der sogenannten Winterdepression leiden, sondern die gesamte Bevölkerung. Weil die Uhren wie gewohnt weiterticken, ist das Risiko für Schlafmangel im Winter höher und damit auch jenes für eine Gewichtszunahme. Denn: Die am Hunger- und Sättigungsmechanismus beteiligten Hormone, Ghrelin und Leptin, sind bei Schlafentzug fehlgesteuert. Ghrelin wird vom Magen produziert und löst Hungergefühle aus. Leptin wird von den Fettzellen gebildet und vermittelt ein Sättigungsgefühl. Wenn mit Schlaf gespart wird, steigt die Ghrelin-Konzentration, der Leptin-Spiegel dagegen sinkt. Eine zu kurze Schlafdauer kurbelt daher Hunger und Appetit an, wobei sich dann der Gusto verstärkt auf kalorienreiche Lebensmittel richtet. Dahinter stecken die Veränderungen der Hormonspiegel, die mit Schlafentzug einher gehen.

Fazit

Die naturgegebenen Gewichtsschwankungen im Jahreszyklus halten sich sehr in Grenzen und machen nur etwa ein halbes Kilo aus. Herbst und Winter dienen also nicht als Ausrede für eine wenig aktive, aber übermäßig kalorienreiche Lebensweise.
Wer an grauen Wintertagen nicht über die Stränge schlägt, regelmäßig aktiv ist und sich sein Schlafpensum gönnt, braucht sich um eine Gewichtszunahme im Winter keine Sorgen machen.

 

Literatur

Shepard RJ, Aoyagi Y: Seasonal variations in physical activity and implications for human health. Eur J Appl Physiol 107 (3): 251-271 (2009).

Ma Y et al.: Seasonal variation in food intake, physical activity and body weight in a predominantly overweight population. Eur J Clin Nutr 60 (4): 519-528 (2006). 

Weterterp-Plantenga MS: Effects of extreme environments on food intake in human subjects. Proc Nutr Soc 58 (4): 791–798 (1999).

Spiegel K, Tasali E, Penev P, Van Cauter E: Brief Communication: Sleep Curtailment in Healthy Young Men Is Associated with Decreased Leptin Levels, Elevated Ghrelin Levels, and Increased Hunger and Appetite. Ann Intern Med 141: 846-850 (2004).

Fisher Wilson J: Is Sleep the New Vital Sign? Ann Intern Med 142: 877-880 (2005).

 

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