08.02.2012 von Nina Grötschl

Obst und Gemüse: Weiß ist Trumpf?

Bunte Obst- und Gemüsesorten verwöhnen das Auge und liefern wertvolle Inhaltsstoffe. Einer Untersuchung zufolge sollen aber auch weiße Früchte präventives Potenzial aufweisen - womöglich gegen Schlaganfall.

Bis dato rückten nur sehr wenige Studien die farblichen Aspekte von Früchten in den Mittelpunkt. Anhand einer Langzeitstudie über zehn Jahre untersuchten niederländische Wissenschafter, wie sich unterschiedlich färbige Obst- und Gemüsesorten auf die Gesundheit auswirken. Sie beleuchteten den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Obst und Gemüse mit unterschiedlicher Fruchtfleisch- und Schalenfarbe und dem Auftreten von Schlaganfällen und Hirninfarkten.

Farbenfrohe Trennung

Die Wissenschafter befragten ca. 20 000 gesunde Personen im Alter von 20 bis 65 Jahren dazu, wie häufig und welches Obst und Gemüse sie verzehrten. Bei der Auswertung wurden die konsumierten Gemüse- und Obstsorten in vier Farbklassen eingeteilt. Denn die Pigmentierung der Früchte ist aufgrund deren unterschiedlichen Mengen an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen nicht immer gleich, womit sich auch das gesundheitsförderende Potenzial unterscheidet - so die Annahme. Ziel war es schließlich, zu eruieren, ob und wie die Fruchtfarbe das Herz-Kreislauferkrankungsrisiko beeinflusst.

Wissenswert

Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe sind Farbstoffe, Wachtumsregulatoren, Abwehrstoffe gegen Schädlinge und Krankheiten sowie Duft- und Aromastoffe. Die gesundheitsfördernden Effekte zeigen sich beispielweise in der Krebsprävention und der Vorbeugung von Herz- und Kreislauferkrankungen. Untergruppen von sekundären Pflanzeninhaltsstoffen sind u. a.: Polyphenole, Glucosinolate, Carotinoide sowie Phytoöstrogene und Phytosterine. Die europäische Datenbank "Phenol-Explorer" gibt Auskunft über mehr als 500 verschiedene Polyphenole, deren Gehalt in Lebensmittel und vieles mehr. So ist es möglich, die durchschnittliche Tagesaufnahme zu berechnen und die eigene Ernährung zu optimieren.

Schutz vor Schlaganfall

Die Studienauswertungen ergaben, dass vor allem der Verzehr von „weißem" Obst und Gemüse vor Schlaganfällen schützen soll. Die Teilnehmer, welche täglich mehr als 170 g weiße Früchte aßen (z. B. eine kleine Banane oder eine halbe Gurke oder einen Apfel), halbierten das Schlaganfallrisiko im Gegensatz zu denjenigen, die weniger als die Hälfte (80 g) weißes Obst und Gemüse aufnahmen. Pro täglich und über zehn Jahre 25 g verzehrter Äpfel, Birne etc. verringerte sich  das Schlaganfallrisiko um 9 %. Eine ähnlich positive Wirkung wiesen weiße Obst- und Gemüsesorten in Bezug auf das Hirninfarktrisiko auf. Hingegen zeigten Früchte aus anderen Farbgruppen keine deutliche Wirksamkeit gegenüber Schlaganfällen. Die niederländische Forscherin Linda M. Oude Griep schließt daraus, dass es hilfreich ist, viel weißes Obst und Gemüse zu essen, um einen Schlaganfall vorzubeugen.

Farbe von Obst und Gemüse und Auswirkung auf das Schlaganfallrisiko

FarbeZugehörigkeitErgebnis
grünBrokkoli, Kohl, Spinat, Wirsing, Chinakohl, Grünkohl, Sauerkraut, Endivie, Fisolen Ochsenherz-Tomate, grüner Paprika, Kiwi, Honigmelone Kein nachweisbarer Einfluss auf das Schlaganfallrisiko
orange/gelbGrapefruit, Orange, Pfirsich, Manderine, Zitrusfruchtsäfte, Karotte, KarottensaftKein nachweisbarer Einfluss auf das Schlaganfallrisiko
rot/violett

Trauben, Beeren- und Traubensaft, Erdbeere, Kirsche, Rote Beete, Tomate, Tomatensaft- und Soße, Rotkohl, roter Paprika

Kein nachweisbarer Einfluss auf das Schlaganfallrisiko
weißKnoblauch, Zwiebel, Lauch, Karfiol, Gurke, Chicorée, Pilze, Apfel, Birne, Apfel- und Birnensaft, Banane Deutlicher Effekt: das Schlaganfallrisiko wurde um bis zu 
9 % reduziert

Quelle: Oude Griep L, Verschuren M, Kromhout D, Ocké M, Geleijnse JM (2011).

Die Studienautoren führen die Reduktion des Schlaganfallrisikos von weißem Obst und Gemüse zum Einen auf die blutdrucksenkende Wirkung der darin enthaltenen Ballaststoffe zurück. Zum Anderen scheint im Flavonoid Quercetin, wie auch anhand anderer Studien belegt, präventives Potenzial gegenüber Herz-Kreislauferkrankungen zu stecken. Sieht man sich Quercetin genauer an, so zeigen sich vielfältige Wirkungen.

Quercetin - bioaktive Kraft

Weißes Obst und Gemüse enthalten Quercetin in hohen Mengen. Quercetin zählt unter den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen zur Gruppe der Flavonoide. Es trägt als hellgelber Farbstoff nicht nur zur Pigmentierung von Obst und Gemüse bei, sondern bildet auch eine wichtige Geschmackskomponente. Die gesundheitliche Wirkung des Flavonoids ist gut erforscht. Schwedische Wissenschafter untersuchten an mehr als 1600 Männern und Frauen die Wirkung von Quercetin auf die Entstehung von Magenkrebs. Eine tägliche Quercetindosis von 6-8 mg (entspricht z. B. einer Viertel Zwiebel oder zwei Äpfeln) reduzierte das Krebsrisiko um 50 %. Weiters lieferte eine finnische Studie an über 10 000 Testpersonen Hinweise auf ein mögliches präventives Potenzial von Quercetin gegenüber Asthma. Studienautoren der New Yorker Cornell Universität zufolge, wirkt der Pflanzeninhaltsstoff zudem auch schützend gegen den neuronalen Zellabbau und damit gegen Alzheimer. Was den Quercetingehalt anbelangt, sind Chicorée, Birne und Lauch ganz vorne mit dabei. Sie werden nur von der Zwiebel übertrumpft.

Wissenswert

Quercetin und andere wertvolle Inhaltsstoffe sitzen bei Obst und Gemüse verstärkt in der Schale. Durch den Kochvorgang wird das Flavonoid nicht beeinträchtigt.

Quercetingehalt ausgewählter weißer Obst- und Gemüsesorten pro 100 g 

Obst/GemüseQuercetingehalt pro 100 g
Zwiebel (in den äußersten Schalenteilen)bis 35,0 mg
Chicorée   4,8 mg
Birne4,0 mg
Lauch3,0-23,0 mg
Apfel3,6 mg
Apfelsaft2,5 mg

Fazit

Täglich zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse - so lautet die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Dass vor allem der Verzehr von weißem Obst und Gemüse das Schlaganfallrisiko senken soll, zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Langezeitstudie aus den Niederlanden.
Trotz der neuesten Forschungsergebnisse warnen die Studienautoren jedoch davor, den Verzehr andersfärbiger Obst- und Gemüsesorten zu verringern. Den Leitsatz „An apple a day keeps the doctor away!" untermauern die Ergebnisse aber allemal. Denn ein Apfel hat im Durchschnitt rund 170 g - also jene Menge, ab der die positiven Wirkungen beobachtet wurden. Der Verzehr von Früchten aller Art sollte dennoch nach wie vor ein wichtiges Puzzlestück einer ausgewogenen Ernährung sein.

Literatur

Oude Griep L, Verschuren M, Kromhout D, Ocké M, Geleijnse JM: Colors of Fruit and Vegetables and 10-Year Incidence of Stroke. Journal of the American Heart Association 42: 1-6 (2011).

Oude Griep L, Verschuren M, Kromhout D, Ocké M, Geleijnse JM: Raw and Processed Fruit and Vegetable Consumption and 10-Year Coronary Heart Disease Incidence in a Population-Based Cohort Study in the Netherlands. European Journal of Clinical Nutrition 65: 791-799 (2011).

Ekström AM et al.: Dietary quercetin intake and risk of gastric cancer: results from a population-based study in Sweden. Annals of Oncology 22: 438-443 (2011).

Hamm M., Cremer M., Zeuch B: Vegamin-Power. Schültersche Verlagsgesellschaft, Hannover (2007).

Knet P et al.: Flavonoid intake and risk of chronic diseases. American Journal of Clinical Nutrition 76: 560-568 (2002).

Heo HJ, Lee CY: Protective Effects of Quercetin and Vitamin C against Oxidative Stress - Induced Neurodegeneration. J. Agric. Food Chem 52: 7514-7517 (2004).

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