10.01.2017 von Elisabeth Rudolph

Ran an den Herd!

„Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald“. Was in den 1980er-Jahren als Werbespruch für willkommene Alternative sorgte, ist heutzutage zu einem fixen Bestandteil unseres Essverhaltens geworden. Immer weniger stehen selbst am Herd. Welche Folgen sind davon zu erwarten? Was kann man tun, damit der Kochlöffel nicht zum Staubfänger wird?

Die Gesellschaft für Konsumentenforschung (GfK) hat 27.000 Teilnehmer aus 22 Ländern zu ihrem Kochverhalten befragt. In diesen Ländern wird im Durchschnitt knapp 6,5 Stunden pro Woche gekocht. Spitzenreiter sind Indien und Ukraine, die über 13 Stunden am Herd stehen. Dieser Umfrage nach kochen die Deutschen nicht besonders gerne, nämlich knapp fünf Stunden. Im Ländervergleich belegen sie damit nur den viertletzten Platz. Noch größere Kochmuffel sind Südkoreaner, die nur drei Stunden in der Woche kochen. Österreich war bei dieser Länderbefragung nicht dabei.

Immer weniger können kochen

Fast wöchentlich gibt es neue Kochsendungen. In den Buchhandlungen sind Kochbücher in Hülle und Fülle und zu jedem Thema erhältlich. Kochen ist modern. Dennoch greifen in Deutschland immer weniger Leute selbst zum Kochlöffel. Die Folgen davon sind nachhaltig: Viele können gar nicht mehr Speisen zubereiten und wissen mit den Rohstoffen nichts anzufangen. Das Wissen rund um Küchenfertigkeiten geht verloren. Auch das Kaufverhalten ändert sich, denn wer weniger kocht, kauft auch weniger dafür ein. Dabei steht gutes Essen für Genuss und Lebensqualität. Kochen macht Spaß und schafft Ausgleich. Wer selbst kocht, weiß auch am besten, woraus die Speisen bestehen. Mit diesem Wissen kann man auch Fertigprodukte einschätzen.

Familienessen rücken in den Hintergrund

Kocht man weniger, isst man öfter außer Haus und greift häufiger zu fertigen Produkten. Viele Eltern arbeiten, ihre Kinder werden im Kindergarten oder in der Schule verpflegt. Bei den 3- bis 5 - jährigen macht das bereits 60 % der Mittagsmahlzeiten aus. Die meisten der deutschen Studienteilnehmer geben jedoch an, wenigstens am Wochenende gemeinsam zu essen und sich dafür bewusst Zeit zu nehmen. Dadurch bleibt auch ein wichtiger Treffpunkt mit der Familie erhalten, bei dem Erlebnisse, Neuigkeiten, Sorgen oder Probleme des Tages besprochen werden.

Wissenswert

Eine amerikanische Langzeitstudie zeigt, dass gemeinsame Mahlzeiten im Kindes- und Jugendalter vor späterem Übergewicht schützt. Warum gemeinsame Mahlzeiten Übergewicht vorbeugen, ist nicht ausreichend geklärt. Vermutlich hat es jedoch mit der Mahlzeitenroutine und dem damit verbundenen strukturiertem Tagesrhythmus zu tun. Lesen Sie hier mehr dazu.

Ältere kochen lieber

Laut Umfrageergebnisse der GfK-Studie kochen Deutsche über 50 Jahre öfter und nehmen sich dafür auch mehr Zeit. Sie geben an, mehr als sechs Stunden pro Woche in der Küche zu stehen. Das ist ein Drittel länger als die jüngeren Teilnehmer bis 29 Jahre. Die Generation ab 50 Jahre schätzt sich selbst auch viel leidenschaftlicher ein, wenn es um das Thema Küche und Nahrungsmittel geht. Ein Umstand, der wahrscheinlich mit Zeit und Erfahrung zu tun hat. Rund ein Viertel der Befragten beurteilt das eigene Kochwissen mit gut.

Kochgewohnheiten der Österreicher

Um herauszufinden wie es die Österreicher mit Küche und Co halten, hat marketmind eine Studie zum Thema „So kocht Österreich“ an 1100 Teilnehmern im Alter von 18 bis 80 Jahren durchgeführt. Laut dieser Studie sind die Österreicher alles andere als Kochmuffel. Sie stehen gerne am Herd. Für die Hälfte der Leute steht dabei der Genuss im Vordergrund. Knapp ein Drittel findet es wichtig, dass die Speisen in erster Linie gut schmecken. Der Kaloriengehalt spielt dabei eine nebensächliche Rolle. Die Befragten lieben Selbstgemachtes und zeigen sich traditionell: Hausmannskost steht an erster Stelle, gefolgt von der mediterranen und italienischen Küche. Neben Genuss ist für die Teilnehmer das Kochen wichtig, um über die Zutaten Bescheid zu wissen. Knapp die Hälfte der Befragten meint, selbst gemachte Speisen seien gesünder. Übrigens, mehr als die Hälfte gibt an, mit den selbst zubereiteten Menükreationen andere verwöhnen zu wollen. Das Kochen im und für den Freundeskreis steht also voll im Kurs.

Richtiger Zugang

Es ist noch niemand als Sternekoch vom Himmel gefallen. Das ist auch nicht notwendig, denn oft reichen einfache und schnelle Gerichte, um in die Kochwelt einzusteigen. Lieferungen des Einkaufs bis vor die Haustüre oder das Kochen mithilfe sogenannter Kochboxen nehmen die letzte Hürde. Diese ermöglichen den Konsumenten aus frischen Zutaten schnelle Mahlzeiten zu zaubern. Der Vorgang ist ganz einfach: Man wählt ein Menü oder einzelne Gerichte aus. Die Ingredienzien werden bereits abgewogen, für die jeweilige Personenanzahl vorbereitet und gemeinsam mit dem Rezept geliefert. Man muss nur noch die Anweisungen befolgen und hat im Nu eine Mahlzeit zubereitet. Dabei kann kaum etwas schief gehen.

Tipps, um das Kochen attraktiv zu machen:

    •  Doppelte Mengen kochen: Viele Suppen und Eintöpfe schmecken am nächsten Tag oft  
       noch besser.
    •  Vorräte anlegen: Hat man genügend Grundnahrungsmittel zuhause, lässt sich ein einfaches
       Essen schnell zubereiten. Gewürze zum Verfeinern sollte man sich  ebenfalls  zulegen.
    •  Keep it simple: Einfach Gerichte sind meist auch schnell zubereitet.
    •  Gemeinsam statt einsam: Mit Freunden oder der Familie zu kochen macht deutlich mehr
       Spaß als alleine den Kochlöffel zu schwingen. Kochen wird damit zu einem  kommunikativen Erlebnis.
    •  Gutes Küchenwerkzeug verwenden: Gemüse und Co mit einem scharfen Messer zu
       schneiden, fällt deutlich leichter als mit einem stumpfen. Messer gehören von Zeit zu Zeit nachgeschliffen.



    Literatur

    Deutsche Fleischwirtschaft: Deutsche stehen zu selten am Herd. www.fleischwirtschaft.de/wirtschaft/nachrichten/GfK-Studie-Deutsche-stehen-zu-selten-am-Herd-30956?crefresh=1 (Zugriff am 15.12.2016)
    Markt- und Meinungsforschung: Die Kochgewohnheiten der Österreicher. www.marktmeinungmensch.at/studien/merkur-studie-die-kochgewohnheiten-der-oesterreich/ (Zugriff am 15.12. 2016)
    Der Standard: Österreicher kochen gerne selbst. www.derstandard.at/2000018655391/Oesterreicher-kochen-gerne-selbst (Zugriff am 15.12.2016)

     

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