27.10.2014 von Nina Grötschl

Restl-los einkaufen

In privaten Haushalten landen viele Lebensmittel im Mist, obwohl sie noch genießbar sind. Wie wir mit Lebensmittel umgehen, sie lagern und verarbeiten, kann dazu beitragen, Lebensmittelabfälle nachhaltig zu reduzieren und zu vermeiden. Diesmal dreht sich alles um den Einkauf.

Jährlich landen rund 175.000 Tonnen Lebensmittel sowie Speisereste in der Mülltonne. Diese Menge entspricht etwa 19 kg Lebensmittelmüll oder 300 Euro pro Person. In Summe entfallen davon etwa 114.000 Tonnen im Jahr auf vermeidbare Abfälle. Dabei handelt es sich um original verpackte oder angebrochene Lebensmittel, die zu diesem Zeitpunkt noch uneingeschränkt zum Verzehr geeignet wären. Etwa jedes vierte Produkt aus der Kategorie Brot, Süß- und Backwaren (28 %) wird weggeschmissen; ebenso wie bei Gemüse und Obst (27 %). Von Milchprodukten und Eiern werden 12 % (meist noch verschlossen) entsorgt.

Was täglich im Müll landet, entscheiden wir u. a. durch unser Einkaufsverhalten, unsere Essgewohnheiten und die Art und Weise, wie wir den Haushalt organisieren. Viele Menschen entsorgen z. B. Milchprodukte, die abgelaufen sind, ohne darauf zu achten, ob sie noch genießbar sind. Oft wird zu viel gekocht, Essen bleibt übrig und bevor die Reste verwertet werden, landen sie im Abfall. Unnötige Lebensmittelverschwendung können wir reduzieren und vermeiden, indem wir unsere eigenen Gewohnheiten im Alltag ändern. 

Wann ist ein Produkt abgelaufen?

Die Mindesthaltbarkeitsangabe beschreibt den Zeitpunkt, bis zu dem das Lebensmittel seine typischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch, Konsistenz oder Farbe behält. Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist folgendermaßen angegeben:
„mindestens haltbar bis +Tag"
„mindestens haltbar bis Ende +Monat oder Jahr"

Viele Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bereits abgelaufen ist, sind oft noch einige Tage oder Wochen danach genießbar (z. B. Teigwaren oder Sauermilchprodukte). Hier lohnt es sich, die Lebensmittel zu testen und auf die Sinne zu vertrauen!

Bei sehr leicht verderblichen Waren wie Fisch, Fleisch, Faschiertem oder Rohmilch wird nicht das Mindesthaltbarkeitsdatum, sondern das Verbrauchsdatum angegeben:
„zu verbrauchen bis +Datum"
Wurde das Verbrauchsdatum überschritten, eignen sich die Produkte nicht mehr zum Verzehr! Folgende Lebensmittel müssen kein Mindesthaltbarkeitsdatum aufweisen: Frisches Obst und Gemüse; Backwaren, die innerhalb eines Tages verzehrt werden; Essig; Speisesalz; Zucker in fester Form; Zuckerwaren; Kaugummi; portioniertes Speiseeis und Getränke mit mindestens 10 %Vol Alkohol.

Wissenswert

Es ist nicht erlaubt, das Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum zu verlängern. Waren, deren MHD abgelaufen ist, dürfen aber trotzdem noch verkauft werden, sofern auf die abgelaufene Frist deutlich hingewiesen wird. Zudem müssen die Produkte nach bestem Wissen und Gewissen des Verkäufers noch genießbar sein. Produkte mit einem überschrittenen Verbrauchsdatum dürfen keinesfalls mehr angeboten werden.

Gezielt gekauft ist halb gewonnen

1. Wochenmenüs planen          
Überlegen Sie (mit der Familie), worauf Sie im Laufe der Woche Gusto haben könnten. Sichten Sie vor dem Einkauf die Vorräte in Kühlschrank, Speisekammer, Tiefkühltruhe oder Vorratsschrank; oft sind Basiszutaten wie Mehl oder Beilagen bereits vorhanden. Bauen Sie gezielt saisonale Obst- und Gemüsesorten in die Mahlzeiten ein. Zudem sollten Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum in Kürze abläuft, bewusst integriert werden.

2. Der gute alte Einkaufszettel
Notieren Sie die benötigten Zutaten nach deren Standort im Supermarkt (falls bekannt). So vermeiden Sie Impulseinkäufe. Für Smartphoneaffine bieten sich zahlreiche Apps zur unkomplizierten Einkaufsplanung per Mausklick an. So hat man den Einkaufszettel jederzeit parat.

3. Nicht hungrig einkaufen gehen!       
Wenn der Magen knurrt und es z. B. in der Frischkostabteilung köstlich duftet, sind die Augen meist groß und man kauft mehr als man benötigt. Wissenschafter aus Harvard fanden heraus, dass sich spontanes Zugreifen vermeiden lässt, wenn man vor dem Einkauf einen Happen zu sich nimmt.

4. „Nimm 3 und zahl 2"               
Sonder- und Rabattaktionen sowie Familienpackungen verführen im Supermarkt zum spontanen Zugreifen. Für Familien sind Großpackungen nützlich, bei einem kleineren Haushalt wandert das gekaufte Produkt früher oder später oftmals in den Mist. Falls Sie nicht alles aufbrauchen, teilen Sie Großpackungen mit Familienmitgliedern, Freunden oder Nachbarn oder frieren Sie einen Teil (wenn möglich) ein.          

5. Bewusst gekauft
Bereits im Supermarkt kann man gezielt zugreifen: Für Semmelknödel können z. B. Gebäck und Brot vom Vortag genommen werden und ein Joghurt, das bald gegessen wird, muss kein Mindesthaltbarkeitsdatum aufweisen, das noch in weiter Ferne liegt.

Verpackungsmüll reduzieren  

Verpackungen schützen die Lebensmittel beim Transport und sind daher unumgänglich,  das steht außer Frage. Doch meist sind Produkte „über"verpackt; eine Schutzschicht umhüllt die nächste. Versuchen Sie unnötige Verpackungen zu vermeiden, wenn es möglich ist. Verzichten Sie auf Mini-Portionsverpackungen und Kartonschachteln. Bei loser Ware bieten sich mitgebrachte Beutel für den Heimweg an. Achten Sie zudem auf Mehrwegverpackungen und nutzen Sie Nachfüllpackungen.
Anstatt vor Ort Plastiksackerl zu kaufen, nehmen Sie einen Einkaufskorb, eine Klappbox oder mehrere Stoffsackerl mit. Bei Tiefkühlwaren eignet sich eine Kühltasche zum Transport, damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird. 

Fazit

In Österreich werden jährlich 114.000 Tonnen Lebensmittel entsorgt, die zu diesem Zeitpunkt noch einwandfrei genießbar wären.
Um Lebensmittelverschwendung nachhaltig zu reduzieren, lässt sich bereits bei der Einkaufsplanung ansetzen:

    • Überlegen Sie, was auf dem Speiseplan stehen soll und checken Sie vorhandene Vorräte sowie deren Mindesthaltbarkeitsdatum!
    • Schreiben Sie einen Einkaufszettel; so lassen sich Impulskäufe im Supermarkt vermeiden!
    • Achten Sie beim Kauf auf das Mindesthaltbarkeitsdatum der Produkte!
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