19.09.2013 von Nina Grötschl

Risikolebensmittel während der Schwangerschaft

Für werdende Mütter ist es wichtig, darauf zu achten, was auf dem täglichen Speiseplan steht. Fleisch, Fisch, Alkohol und übermäßiger Koffeinkonsum können die Entwicklung des Ungeborenen negativ beeinflussen. Lesen Sie hier, warum Schwangere auf Sushi, Schwammerln und Rohmilch lieber verzichten sollten.

Während der Schwangerschaft ist auch bei der Lebensmittelauswahl an beide zu denken: Gewöhnliche Nahrungsbestandteile wie Chinin oder Koffein erreichen über das mütterliche Blut den empfindlichen Organismus des Fötus und können ihn nachhaltig beeinträchtigen. Ebenso ist es wesentlich, Sauberkeit und Hygiene in der Küche groß zu schreiben, denn Infektionen mit Salmonellen, Listerien oder Toxoplasmose-Erregern können das Ungeborene schwer schädigen.

Kaffee und Cocktail für zwei?

Zwei bis drei Häferl Kaffee (á 120 ml, 80-120 mg Koffein) pro Tag sind für Schwangere durchaus erlaubt. Mehr als 200 mg Koffein täglich sollten es aber nicht sein, weil das Koffein über das mütterliche Blut und den Mutterkuchen in den Blutkreislauf des Babys gelangt. Der Koffeinabbau erfolgt langsamer als bei der Mutter, da im kindlichen Organismus weniger koffeinabbauende Enzyme vorliegen. Dadurch steigt das Risiko für Frühgeburten, Missbildungen, geringes Geburtsgewicht und Verhaltensstörungen des Kindes an. Energydrinks und Energy-Shots sind für Schwangere aufgrund der hohen Koffeindosen jedoch nicht geeignet. Koffeingehalten verschiedener Getränke finden Sie ­Tabelle 1.

Koffeingehalt in Lebensmitteln

LebensmittelKoffeingehalt

Cola

33 mg/330 ml Dose

Energy Drinks

80 mg/250 ml Dose

Eistee

16-28 mg/330 ml Dose

Schwarztee

42 mg/250 ml Tasse
Grüntee36 mg/250 ml Tasse

Mate-Tee

25-50 mg/250 ml Tasse

Entkoffeinierter Kaffee

3-7 mg/250 ml Tasse

Instant-Kaffee

33-117 mg/250 ml Tasse

Gebrühter Kaffee

50-167 mg/250 ml Tasse

Espresso

40 mg/30 ml Tasse

Cappuccino

40 mg/120 ml Tasse

Latte Macchiato

40 mg/330 ml Glas

Halbbitterschokolade

50-110 mg/100 g

Vollmilchschokolade

3-35 mg/100g

Quelle: Modifiziert nach Hey E: Coffee and pregnancy (2007).

Bei Alkohol dagegen gibt es keine zu definierende Konsumationsgrenze. Denn durch den mütterlichen Alkoholkonsum kann das Wachstum des Babys geringer ausfallen, Gewebe- und Nervenzellen können geschädigt werden, was Auswirkungen auf die Intelligenz, Aufmerksamkeit und soziale Reifung hat. Deshalb gilt für Schwangere ein absolutes Alkoholverbot, da eine risikolose Alkoholmenge anhand der verfügbaren Daten nicht ableitbar ist.

Nachteilige Wirkung

Nicht nur Koffein und Alkohol können sich nachteilig auf die Gesundheit des Winzlings auswirken, auch Chinin birgt Risiken für das Ungeborene. Chinin ist ein Alkaloid und wird aus der Rinde des Chinarindenbaums gewonnen. Als Geschmacksstoff kommt es vor allem in Tonic Water und Bitter Lemon zum Einsatz. Chinin kann bei Schwangeren frühzeitig Wehen auslösen, indem es die Kontraktion der Gebärmutter anregt. Aus diesem Grund sollten chininhältige Getränke während der Schwangerschaft vermieden werden.

Risikolebensmittel

Schwermetalle wie Quecksilber reichern sich häufig in wild-wachsenden Schwammerln, Innereien und Raubfischarten wie Thunfisch, Hecht oder Schwertfisch an. Diese Metallverbindungen können ungehindert über die Plazenta in das Blut des Ungeborenen gelangen und neuronale Entwicklungsstörungen verursachen. Zudem besteht bei wild gedeihenden Pilzen die Gefahr, dass sie mit Radioaktivität belastet sind. Verschimmelte Lebensmittel wandern besser in den Müll, da sie Giftstoffe enthalten. Ein Ausschneiden der grau-grünen Stellen ist jedenfalls nicht ausreichend, weil sich der Pilz auch „unsichtbar" im Produkt ausbreitet.

Gefahr: Lebensmittelinfektion

Für das ungeborene Kind sind insbesondere zwei durch Lebensmittel übertragene Erreger gefährlich, da sie vom mütterlichen Organismus auf den Fötus übergehen: Listerien und Toxoplasmose-Erreger. Während Listerien (Bakterien) bei der Mutter lediglich grippale Symptome (Fieber, Gliederschmerzen) hervorrufen, kann eine Infektion des Ungeborenen zu schweren gesundheitlichen Folgen bis hin zur Fehl- oder Frühgeburt führen. Die Verbreitung des Bakteriums erfolgt in der Regel durch den Verzehr tierischer Produkte wie rohes oder nicht vollständig durchgegartes Fleisch, Fisch, Rohmilch(käse), Eier, Mayonaise oder Tiramisu. Auch rohes, ungewaschenes Obst und Gemüse kann mit Listerien behaftet sein.

Durch unhygienische Verarbeitung oder Lagerung können auch Produkte wie aufgeschnittener Schinken oder Camembert aus pasteurisierter Milch kontaminiert sein. Listerien gedeihen sowohl auf Oberflächen als auch bei niedrigen Kühlschranktemperaturen. Deshalb sollten Schwangere ihre Speisen erst kurz vor Verzehr zubereiten und rasch verbrauchen.

Toxoplasmose ist eine häufige Infektionskrankheit, die bei Nicht-Schwangeren unproblematisch verläuft. Erkrankt die Frau vor der Schwangerschaft an Toxoplasmose, ist sie als werdende Mutter dagegen immun. Bei Erstinfektion während der Schwangerschaft besteht ein Gesundheitsrisiko für das Ungeborene (frühzeitigen Schwangerschaftsabbruch, Schäden im Zentralnervensystem und in den Augen). Die Übertragung der Toxoplasmose-Erreger erfolgt beispielsweise über rohes Faschiertes, zart-rosa gebratenes Fleisch oder Rohwurst.

Auch Salmonellen stellen für das Baby im Mutterleib eine Gefahr da. Salmonellen werden zwar nicht an das Ungeborene weitergegeben, jedoch ist die Mutter während der Schwangerschaft für eine Salmonelleninfektion anfälliger. Die Erreger werden über rohes, nicht vollständig durchgegartes Fleisch sowie ungekochte Eier übertragen und führen zu Erbrechen und Durchfall. Um eine Übertragung der Salmonellen zu verhindern, ist es wichtig, Küchenutensilien, Schneidebretter und -messer - auch während des Kochens - gründlich zu reinigen.

Eine Liste der „Risikolebensmittel" für Schwangere finden Sie hier als Download.

Fazit   

Während der Schwangerschaft ist es ratsam, auf bestimmte Lebensmittel besonders zu achten. Fisch, Fleisch, Eier und Milch in nicht bzw. ungenügend erhitztem Zustand können mit Krankheitserreger behaftet sein und das ungeborene Kind schwerwiegend schädigen. Neben Alkohol und Koffein ist auch bei pflanzlichen Lebensmitteln Vorsicht geboten: Beeren vom Strauch naschen, selbstgesammelte Schwammerl verzehren oder Feinkostsalate in der Kantine genießen, zählen in der Schwangerschaft zu den Dingen, auf die man besser verzichtet. Um eine Infektion zu verhindern, ist in den neun Monaten besonders auf die Hygiene im Haushalt und bei der Nahrungsmittelzubereitung zu achten.

Literatur

aid: Lebensmittelinfektionen vorbeugen. www.was-wir-essen.de/infosfuer/schwangerschaft_lebensmittelinfektionen.php (Zugriff am 29.7.2013).

aid: Richtig essen in der Schwangerschaft: Erhöhter Eisenbedarf. Presseinformation 28.8.2013.

Hilbig A: Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit. Ernährung Umschau 8: 466-474 (2013).

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR):
  Pyrrolizidinalkaloide in Kräutertees und Tees. Stellungnahme 018/2013.

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR):
Verbrauchertipp für Schwangere und Stillende, den Verzehr von Thunfisch einzuschränken, hat weiter Gültigkeit. Stellungnahme 041/2008.

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV):
Schutz vor Infektionen durch Lebensmittel in der Schwangerschaft. www.gesundinsleben.de/fuer-fachkraefte/handlungsempfehlungen/schwangerschaft/schutz-vor-infektionen-durch-lebensmittel-in-der-schwangerschaft/ (Zugriff am 29.7.2013).

BMELV: Alkohol in der Schwangerschaft. www.gesundinsleben.de/fuer-fachkraefte/handlungsempfehlungen/schwangerschaft/alkohol-in-der-schwangerschaft/ (Zugriff am 29.7.2013).

AGES, BMG, SV: Richtig essen von Anfang an! Ernährung und Bewegung in der Schwangerschaft. www.richtigessenvonanfangan.at/Richtig-essen/Informationen-fuer-Beratungsfachkraefte-und-Fachexpert-inn-en/Ernaehrung-und-Bewegung-in-der-Schwangerschaft (Zugriff am 29.7.2013).

AGES (Hrsg.): Schwangerschaft - Infektionen durch Nahrungsmittel (2012). http://www.ages.at/uploads/media/AGES_Schwangerschaft_Folder.pdf (Zugriff am 19.9.2013).

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