14.11.2016 von Nina Grötschl

Sanddorn – farbenfrohe Wildpflanze

Seine winzigen Beeren bestechen durch ihre leuchtende Farbe und den herb-säuerlichen Geschmack. Auch in der Naturheilkunde wird der vitaminreiche Sanddorn hochgelobt. Was steckt dahinter? Ein Portrait in gelb orange.

Orange ist die Farbe, die wärmt und froh stimmt. Beides kann man in der kalten Jahreszeit gut brauchen und leicht mit dem Essen in den Alltag bringen. Während Kürbis, Karotten, Orangen und Mandarinen schnell auf dem Radar sind, ist Sanddorn als Wildpflanze nicht so bekannt. Seinen leuchtend orangen Beeren bringen Abwechslung in die Küche und helfen dabei, mit ausreichend Vitamin C versorgt zu sein. Denn Sanddorn strotzt nur so davon.
Ursprünglich stammt der Sanddorn auch aus einer hitzigen Gegend, aus Nepal. In West- und Ostasien (China bis Sibirien) ist die Pflanze am weitesten verbreitet. In Europa ist er von den Pyrenäen über die Alpen und das Alpenvorland bis zum Kaukasus zu finden. Auch entlang der Küstenregionen des Nordens ist der Strauch anzutreffen. In Österreich kommt Sanddorn u. a. entlang von Flüssen (z. B. Donau, Salzach, Inn) und Auen vor. Auch Kiesgruben und Straßenböschungen bieten einen idealen Lebensraum. In voller Blüte steht der Sanddorn von März bis April, von August bis September reifen die winzig rotgelben Beeren und bleiben dann bis in die Wintermonate hinein an den Trieben.

Für den Eigenanbau: anspruchslos! 
Sanddornsträucher sind genügsam, sie müssen weder gegossen noch gedüngt werden und sind äußerst resistent gegen Schädlingsbefall. Ein sonniger Standort und ein luftdurchlässiger Boden genügen. Bevorzugt wächst er auf kalkhaltigem Boden, felsigen Hängen und Schotterflächen. Um auf diesen nährstoffarmen Untergrund gedeihen zu können, nutzt der Sanddorn die Symbiose mit sogenannten Strahlenpilzen (Aktinomyzeten). Sie liefern dem Strauch den lebensnotwendigen Stickstoff.
Botanisch gesehen, zählt der sommergrüne Strauch (lat.: Hippophae rhamnoides) zu den Ölweidegewächsen. Er kann 4-5 m hoch und 3-4 m breit werden. Deshalb sollten die Sträucher mit ausreichend Abstand zueinander gesetzt werden und immer ein weiblicher neben einem männlichen. Denn Sanddorn ist „zweihäusig“. Nur die weiblichen Sträucher tragen alle zwei Jahre Früchte; sie werden durch die Pollen des männlichen Sanddorns befruchtet. Um jedes Jahr Beeren ernten zu können, sollten im Winter die weiblichen Pflanzen abwechselnd zurück geschnitten werden.

Ernten ist kein Honigschlecken!         
Beim Abzupfen der Wildbeeren sind Handschuhe unverzichtbar, denn die Dornen an den Trieben sind recht lang. Um an die orangen Kugeln zu gelangen, wird der Trieb am besten mit einer Schere oder Zange abgezwickt, die Früchte werden mit einer Gabel entfernt. Doch hier ist Vorsicht geboten! Denn die Fruchthülle ist sehr dünn und neigt zum Platzen, wenn man die Beeren mit bloßen Händen angreift. Man kann die Sanddornzweige vorher auch einfrieren; dann lassen sich die Beeren leicht abschütteln. Frische Sanddornbeeren lagern am besten an einem kühlen und trockenen Platz und sollten möglichst bald verbraucht werden.

Zubrot in der kalten Jahreszeit            
Verwendet werden die reifen Beeren vor allem, um Direktsäfte, Konzentrate, Gelees, Mus und Sirup herzustellen. Der herbe Geschmack des Sanddorns verleiht v. a. Desserts und Aufstrichen eine interessante Note (siehe Rezept unten). In den Wintermonaten können Sanddornprodukte auch eine wesentliche Vitamin-C-Quelle sein. Mit 450 mg Vitamin C pro 100 g Beeren liefert Sanddorn ca. vier Mal so viel Vitamin C wie eine Grapefruit und schlägt damit auch Orangen, Zitronen und Johannisbeeren in ihrem Vitamin-C-Gehalt. Schon ein Glas des orangen Getränks mit Wasser gemischt, deckt den Tagesbedarf an Vitamin C (100 mg/Tag) um mehr als das Doppelte. Auch der ß-Carotin-Gehalt kann sich sehen lassen. Mit zwei Händen voll getrockneter Sanddornbeeren lässt sich der Tagesbedarf decken. Im Fruchtfleisch sind zudem auch Vitamin E und Mineralstoffe in hohen Mengen enthalten. 

Wissenswert

Sanddornsaft sollte mit Wasser im Verhältnis 1:6 verdünnt werden. Wer es süßer mag, mischt einen Löffel Honig hinein.

Überblick über ausgewählte Inhaltsstoffe verschiedener Sanddornprodukte:

Inhaltsstoff100 g frische Sanddornbeeren100 g Sanddornkonzentrat100 g Sanddornmark100 g Sanddornbeeren getrocknetEmpfohlene Zufuhr pro Tag (Erwachsene)
Kalium133 mg670 mg210 mg400 mg2000 mg
Calcium42 mg250 mg9 mg126 mg1000 mg
Magnesium30 mg175 mg32 mg90 mg300-350 mg
Vitamin C450 mg1600 mg266 mg1080 mg100 mg
Vitamin E3,1 mg17,3 mg3,2 mg8,2 mg12 mg
ß-Carotin1,5 mg8,5 mg1,5 mg4,1 mg0,8-1,1 mg

Hochgelobte Beere

Aufgrund seines hohen Gehaltes an Vitaminen wird dem Sanddorn heilsame Wirkung nachgesagt. Im asiatischen Raum wurde er bereits vor über 2000 Jahren in der Naturheilkunde vielseitig eingesetzt. Sanddorn kam damals beispielsweise zur Wundheilung, als Mittel gegen Entzündungen der Magenschleimhaut und des Zahnfleisches zur Anwendung.
In Europa hielt die Wildpflanze im Mittelalter Einzug in die Naturmedizin. Vor allem das Öl aus Fruchtfleisch und Kernen wird aufgrund seines Vitamin- und Flavonoidgehalts hoch gepriesen. Als Vitamin-C-Bombe wird Sanddorn besonders als Wunderwaffe gegen Erkältungen hervorgehoben. Doch Vitamin C ist nachgewiesenermaßen kein  Schutzschild gegen Schnupfen, Husten und Co.  Die enthaltenen Flavonoide sollen zellverjüngend wirken, indem sie freien Radikalen entgegenwirken. So soll Sanddorn beispielsweise Hautentzündungen lindern, vor UV-Strahlung schützen und die Hautalterung mindern. Deshalb enthalten viele Kosmetika Sankddornextrakte. Allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit der sauren Beeren bestätigen.

Fazit

Wunderwirkungen darf man auch von Sanddorn nicht erwarten, aber er versorgt effizient mit Vitamin C und ß-Carotin und bringt eine interessante Geschmacksnote auf den Teller und erweitert unser kulinarisches Spektrum!

 

Rezepttipp 

(aus: Derndorfer E, Gruber M: Farben Essen, maudrich Verlag, 2015)

Sanddorntiramisu (6 Portionen)

Für dieses farbenfrohe Tiramisu können Sie entweder Biskotten kaufen, oder selbst backen. Der Aufwand hält sich in Grenzen! So geht’s:


Zutaten Biskotten:

6 Eidotter

4 Eiweiß

40 g Staubzucker

100 g Kristallzucker

150 g Universalweizenmehl

80 g Sanddornmus mit Apfel, gesüßt

Oder 40 Stück Biskotten

 

Zutaten Creme:

500 g Mascarino

375 g Topfen

1 EL Schlagobers

120 g Sanddornmus mit Apfel, gesüßt

2 TL Bourbon-Vanillezucker

110 g Kristallzucker

Etwas getrocknete Mandarinenschale

2 EL Grand Manier

 

Weitere Zutaten:

¼ l Wasser

1 gehäufter TL kräftiger Schwarztee (z.B. Assam)

2 Esslöffel Grand Manier

 

Zubereitung:

Für die Biskotten den Backofen auf 160°C Heißluft vorheizen. Eidotter und Zucker schaumig schlagen. Eiklar zu Schnee schlagen. Mehl und Sanddornmus unter die Dottermasse rühren und den Eischnee vorsichtig unterheben.  Mit einem Spritzsack Biskotten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech dressieren. Biskotten 10 Minute backen und auskühlen lassen.

Den Schwarztee mit heißem Wasser aufgießen, einige Minuten ziehen lassen und auskühlen lassen. Inzwischen die Creme vorbereiten. Dafür alle Zutaten miteinander verrühren und abschmecken.

Den kalten Schwarztee mit Grand Manier vermischen. Die Biskotten in Schwarztee und tauchen und eine Lage in eine Form schichten. Darüber etwas von der Sanddormcreme verteilen und verstreichen. Abwechselnd lagenweise Biskotten und Cremeschichten auftragen, die Creme bildet den Abschluss. Tiramisu einige Stunden kalt stellen und ggf. mit Sanddornmus verzieren.

Buchtipps:


Guthjahr M: Wildfrüchte – Köstlichkeiten aus der Natur. 
Cadmos Verlag (2011)
127 Seiten, gebunden,
ISBN: 978-3-84043510-2
Preis: € 14,90


Derndorfer E, Gruber M: Farben Essen.
maudrich Verlag (2015)
136 Seiten, gebunden,
ISBN: 978-3-99002-016-6
Preis: € 16,90

 

Literatur

Donauauen.at: Sanddorn – Hippophaue rhamnoides. Zuletzt abgerufen am 2.11.2016.
Lieberei R, Reisdorff C: Nutzpflanzenkunde. Thieme Verlag, Stuttgart (2007).
FOOD – Die ganze Welt der Lebensmittel. Teubner Verlag, München (2011).
Nutritional-Software.at: Nährwert-Suche. (letzter Zugriff am 7.11.2016.)
DK: Das große Buch der Lebensmittel. Dorling Kindersley Verlag, München (2012).
DGE, ÖGE, SGE (Hrsg.): D-A-CH Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Umschau/Braus Verlag, Bonn (2013).
Planzenfreund.com: Sanddorn. (Letzter Zugriff am 8.11.2016).

 

 

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