22.12.2014

Schlanker durch Frieren?

Zittern ist eine Muskelbewegung, die Energie verbraucht. Extra dünn anziehen oder die Heizung auf nur 17 °C Raumtemperatur stellen: Lassen sich damit effektiv überschüssige Kalorien verbrennen? 

Im Zuge der Übergewichtsdebatte wird daran geforscht, wie Kälte den Stoffwechsel beeinflusst.  Laut einer im Februar 2014 veröffentlichten Studie kurbeln 17 Minuten Frieren den Stoffwechsel genauso stark an wie Fahrradfahren bis zur Leistungsgrenze. Dabei spielt besonders der Botenstoff Irisin eine Rolle, der die Energie von weißem Fettgewebe in Wärme umwandelt.

Wissenswert

Weißes Fettgewebe sammelt sich bevorzugt an Hüfte und Bauch und speichert Energie. Braunes Fettgewebe hingegen ist für die direkte Erzeugung von Wärme verantwortlich und besonders für Säuglinge und Kleinkinder überlebenswichtig. Mit steigendem Alter sinkt der Anteil an braunem Fettgewebe. Vor einigen Jahren wurde eine Mischform entdeckt, die BRITE-Zellen:  „Brown in White Adipocytes“, also „braune in weißen Fettzellen“. Mehr dazu hier.

Die Wissenschafter des US National Institutes of Health beobachteten in der genannten Studie zehn gesunde Erwachsene, die sich bis zu ihrer Leistungsgrenze sportlich betätigten. Später sollten die gleichen Teilnehmer auf einem Bett liegen, während die Raumtemperatur schrittweise auf 12 °C reduziert wurde. Bei beiden Tests zogen sich die Muskeln zusammen, wodurch das Hormon Irisin ausgeschüttet wurde. Vergleichbar mit der Thermogenese in braunem Fettgewebe, erzeugt Irisin Körperwärme im Fettgewebe des erwachsenen Körpers.

Obwohl es sich um eine kleine klinische Studie handelt, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sowohl körperliche Belastung als auch Muskelzittern die Irisinproduktion anregen.
Theoretisch könnte Irisin dabei helfen, Fettgewebe zu reduzieren und in Folge Körpergewicht zu verlieren. Ob die Wirkung des Hormons allerdings ausreicht, um abzunehmen, haben die Forscher in dieser Studie nicht ermittelt. Der Endpunkt ‚Körpergewicht’ sollte bei künftigen Untersuchungen einbezogen werden. Dass Frieren zum Abbauen von Fettpölsterchen jedoch keine attraktive Option bietet, ist klar. Für Pharmaunternehmen sind solche Humanstudien dennoch ein erster Schritt. Möglicherweise gewinnt Irisin in der Medikation gegen Übergewicht irgendwann an Bedeutung.

Literatur

Lee P et al.: Irisin and FGF21 Are Cold-Induced Endocrine Activators of Brown Fat Function in Humans. Cell Metabolism 19:302–309 (2014).

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