25.08.2014

Schokolade gegen Schwangerschaftskomplikationen?

Bluthochdruck in der Schwangerschaft kann ernstzunehmende Folgen für Mutter und Kind haben. Kommen andere Komplikationen dazu, ist von Präeklampsie die Rede. Das in Schokolade und Kakao enthaltene Theobromin schützt möglicherweise vor der Stoffwechselerkrankung.

Eine der größten Gefahren in der Schwangerschaft ist die Präeklampsie (griech. für hervorleuchten, hervorstrahlen): Sie tritt bei 5-8 % aller Schwangerschaften auf. Die Schwangere entwickelt dabei einen erhöhten Blutdruck (über 140/90 mm Hg), scheidet über ihren Harn zu viel Eiweiß aus und leidet meist auch unter Wasseranlagerungen. Betroffene berichten weiters über Schwindel, Kopfschmerzen, Benommenheit, Sehstörungen wie etwa Augenflimmern sowie Übelkeit und Erbrechen. Bei einigen Frauen kommt es zur schwersten und lebensgefährlichen Verlaufsform mit Krampfanfällen - zur Eklampsie. Die Ursache der Präeklampsie ist im Einzelnen noch nicht bekannt. Krankheiten wie Diabetes, Herzkrankheiten, starkes Übergewicht, Autoimmunerkrankungen sowie chronische Nierenerkrankungen steigern die Gefahr der Stoffwechselerkrankung. Auch eine sehr frühe oder späte Schwangerschaft sowie die erste Schwangerschaft können das Risiko erhöhen.

Je dunkler, desto besser!

Wissenschafter der Universität Yale haben 2008 in einer Studie festgestellt, dass Bitterschokolade das Risiko für diese Schwangerschaftserkrankung reduzieren kann. Sie untersuchten dafür 2291 Erstgebärende und befragten sie nach ihrem Schokoladenkonsum während des ersten und letzten Schwangerschaftsdrittels. Außerdem wurde bei den Babies die Theobrominkonzentration im Nabelschnurblut gemessen.
Die Resultate zeigten, dass die Frauen, die am meisten Bitterschokolade gegessen hatten, die geringste Erkrankungsrate an Präeklampsie aufwiesen. Zudem zeigten ihre Babies die höchsten Theobromin-Werte. Theobromin ist das hauptsächlich vorkommende Alkaloid in Kakao und Kakaoprodukten und ist dem Koffein ähnlich. Es hat aber eine andere Wirkung auf den Organismus, da es mild und dauerhaft anregt. Elisabeth Triche, eine der Autorinnen der Studie, gibt bezüglich der Auswahl der Schokolade eine klare Empfehlung: „Je dunkler, desto besser". Weiße Schokolade enthält im Gegensatz zur dunklen Schokolade kaum Theobromin. Fünf bis sieben Rippen Bitterschokolade pro Woche haben laut der Wissenschafterin einen ausreichend hohen Theobromingehalt - eine Rippe pro Woche bietet hingegen keinen Schutz.

Daten unter der Lupe

2010 untersuchten Saftlas et al. erneut den Zusammenhang zwischen Schokoladenverzehr und Präeklampsie. Sie bestätigten die Ergebnisse der Wissenschaftler der Universität Yale. Eine weitere Studie stellte jedoch keine Korrelation fest. Aufgrund der widersprüchlichen Datenlage widmen sich derzeit Mogollon et al. diesem Thema und sind dabei die bestehende Literatur zusammenzufassen. Hintergrund zur Vorgehensweise ist hier in englisch nachzulesen.

Fazit

Derzeit ist keine klare Aussage möglich, ob Schokoladenkonsum in der Schwangerschaft das Risiko für Präeklampsie beeinflusst. Die Mehrheit der Studien spricht sich momentan für eine Risikosenkung aus. Eine systematische Übersichtsarbeit bleibt abzuwarten. Unverändert sollte man Schokolade mit Maß und Ziel genießen. Erwiesenermaßen hebt sie die Laune und senkt den Blutdruck - vielleicht auch noch mehr. Und so gilt: Je dunkler – desto besser!

Literatur

Triche EW et al.: Chocolate Consumption in Pregnancy and Reduced Likelihood of Preeclampsia. Epidemiology 19(3): 459 - 464 (2008).
Saftlas AF et al.: Does chocolate intake during pregnancy reduce the risks of preeclampsia and gestational hypertension? Annals of Epidemiology 20(8):584-91 (2010).
Klebanoff MA et al.: Maternal serum theobromine and the development of preeclampsia. Epidemiology 20(5):727-32 (2009).
Mogollon JA et al.: Consumption of chocolate in pregnant women and risk of preeclampsia: a systematic review. Systematic Reviews 2:114 (2013).
Preeclampsia foundation: Preeclampsia Fact Sheet. www.preeclampsia.org/pdf/Preeclampsia%20Fact%20sheet%20v2.pdf (Zugriff am 15.07.2014).

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