24.03.2014 von Nina Grötschl

Sonne tanken und das Immunsystem stärken

Nach trüben Wintermonaten gilt es die leeren Vitamin D-Speicher wieder zu füllen! Das Sonnenvitamin zählt zu den kritischen Nährstoffen und ist wesentlich für starke Knochen und Muskeln sowie ein funktionierendes Immunsystem. Ob Vitamin D tatsächlich gegen Bronchitis und Co. hilft, bleibt fraglich.

Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein, da es vom Körper mit Hilfe von Sonnenstrahlung selbst gebildet und gleichzeitig mit der Nahrung aufgenommen werden kann. Die Bedarfsdeckung von Vitamin D über die tägliche Ernährung gilt jedoch als schwierig, weil nur wenige Nahrungsmittel Vitamin D in relevanten Mengen liefern. Wenn die körpereigene Bildung ausbleibt, ist eine Vitamin D-Zufuhr von 20 µg pro Tag notwendig, um die gewünschte Konzentration von 50 nmol/l im Blut zu erreichen. Diese 20 µg/Tag gab die DGE Anfang 2012 als neuen Referenzwert an. Wie lange man sich im Freien aufhalten muss, um ausreichend mit Vitamin D versorgt zu sein und welche Lebensmittel das Sonnenvitamin enthalten, lesen Sie hier.

Ein Mangel an Vitamin D zeigt sich mitunter an Symptomen wie: Hautirritationen, Abgeschlagenheit, Depression, unspezifische Muskel- und Knochenschmerzen, Muskelkrämpfe und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte generell.

Starke Abwehrkräfte mit Vitamin D    

Vitamin D ist unverzichtbar für den Aufbau und Erhalt der Knochen, weil es den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel reguliert. Bei Kindern ist eine ausreichende Vitamin D-Versorgung besonders wichtig, um Rachitis (Knochenerweichung) vorzubeugen. Weiters ist Vitamin D am Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt und scheint die Schlafqualität zu beeinflussen. Vitamin D dockt an Rezeptoren in Gehirnarealen an, die für das Ein- und Durchschlafen verantwortlich sind. Bei Patienten mit unterschiedlichen Schlafstörungen sorgte ein hoher Vitamin D-Serumspiegel (Supplementierung auf 150-200 nmol/l täglich) für ein normales Schlafmuster.

Zudem gibt es Hinweise darauf, dass das Sonnenvitamin die Immunabwehr stärkt. Dänische Wissenschafter stellten fest, dass die Abwehrzellen des Immunsystems (T-Zelle) auf vorhandenes Vitamin D im Blutserum reagieren. Kommen die T-Zellen mit schädlichen Erregern wie Viren und Bakterien in Kontakt, produzieren sie ein Vitamin D-Erkennungsprotein. Reagiert dieses auf vorhandenes Vitamin D im Körper, vervielfältigen sich die Abwehrzellen und kämpfen gegen die Eindringlinge. Können die Erkennungsproteine kein Vitamin D aufspüren, bleibt dieser Effekt aus.

Vitamin D hilft bei Husten und Co.?     

Ob das Sonnenvitamin jedoch vorbeugend gegen Infekte der Atemwege hilft, ist wissenschaftlich umstritten. Daten einer amerikanischen Studie lassen vermuten, dass Vitamin D eine Rolle bei der Prävention von beispielsweise Bronchitis, Hals- und Nebenhöhlenentzündungen bis hin zu Asthma spielt. Personen, deren Vitamin D-Serumkonzentration unter 25 nmol/l lag, wiesen ein um die Hälfte höheres Risiko für Entzündungen der oberen Atemwege auf als Personen, deren Vitamin D-Versorgung 75 nmol/l oder mehr betrug. Auch aktuelle deutsche Forschungsergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und dem Auftreten von Atemwegsinfekten hin. Testpersonen mit unzureichender Vitamin D-Versorgung (< 30 nmol/l) wiesen ein um 2,5 fach erhöhtes Sterblichkeitsrisiko durch Erkrankungen der Atemwege (z. B. Asthma, Lungenentzündungen) auf als Personen mit einem hohen Vitamin-D Spiegel im Blutserum (> 50 nmol/l).

Hingegen verweist eine asiatische Übersichtsarbeit darauf hin, dass die analysierten Studien über präventive Effekte von Vitamin D auf Atemwegsinfekte diverse Schwachstellen aufzeigen: Die Teilnehmeranzahl war meist zu gering, um valide Aussagen treffen zu können. Zudem wiesen die Probanden zum Großteil keinen Vitamin D-Mangel auf; ob die Testpersonen mit einem niedrigen Vitamin D-Blutserumspiegel weniger oft an Bronchitis oder Halsentzündungen erkrankten, wurde nicht beleuchtet. Die Wissenschafter kamen zu dem Schluss, dass eine regelmäßige Zufuhr von Vitamin D keine präventiven Effekte auf Atemwegsinfektionen ausübt. Schwachstellen bei ausgewiesenen Studien einer systematischen Übersichtsarbeit aus Schweden wurden auch bei einer Cochrane-Bewertung erfasst. Demnach sind die positiven Aussagen zur Vorbeugung von Atemwegsinfekten durch Vitamin D nur bedingt haltbar.

Fazit

Unabhängig von möglichen positiven Effekten auf die Atemwege ist auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D zu achten. Sonnenbäder und eine Vitamin-D-bewusste Ernährung helfen dabei, den Vitamin D-Vorrat aufzustocken. Hält man sich wenig im Freien auf, können Supplemente sinnvoll sein. Da die körpereigene Vitamin D-Bildung mit dem Alter abnimmt, wird für Personen ab 65 Jahren eine Einnahme von Vitamin D-Präparaten generell empfohlen.

Literatur

Schöttker B: Strong associations of 25-hydroxyvitamin D concentrations with all-cause, cardiovascular, cancer, and respiratory disease mortality in a large cohort study. Am J Clin Nutr 97: 782-793 (2013).

Bergman P et al: Vitamin D and Respiratory Tract Infections: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. PLoS One. 19 (2013).

Kerschner B, Wipplinger J, Christof C: Vitamin D und das Immunsystem - was stimmt? Österreichische Cochrane-Zweigstelle (2013).

Mao S, Huang S: Vitamin D supplementation and risk of respiratory tract infections: a meta-analysis of randomized controlled trials. Scan J Infect D. 45 (2013).

Ginde A, Mansbach J, Camargo C: Association between Serum 25-Hydroxyvitamin D Level and Upper Respiratory Tract Infection in the thirs National Health and Nutrition Examination Survey. Arch Intern Med 169:384-390 (2012).

Gominak S, Stumpf W: The world epidemic of sleep disorders is linked to vitamin D deficiency. Medical Hypotheses 79: 1325-135 (2012).

Linseisen J et al.: Stellungnahme "Vitamin D und Prävention ausgewählter chronischer Krankheiten" der DGE. DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Hrsg.), Bonn (2011).

Von Essen et al.: Vitamin D controls T cell antigen receptor signaling and activatoin of human T cells. Nature Immunology 11: 344-348 (2010).

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